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Petition gestartet: Verharmlost "365 Days" Vergewaltigungen und das Stockholm-Syndrom?

Eine Petition will den Netflix-Film "365 Days" verbieten: Verharmlosung von sexueller Gewalt sei gefährlich und habe keinen Platz mehr in der Gesellschaft.

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365 Days auf Netflix
iammichelemorroneofficial / instagram

Spätestens nach "50 Shades of Grey" haben es Erotik-Romanzen in unser Wohnzimmer geschafft und sind seit jeher durchaus gesellschaftstauglich. Kein Wunder also, dass auch der nächste Erotik-Film schnell in aller Munde war: Die Rede ist von "365 Days". Er polarisiert, schockiert und fasziniert Netflix-User auf aller Welt. Doch die polnische Antwort auf Mr. Grey löste keinesfalls bloß eine Welle an Begeisterung aus, denn: Kritiker sind der Meinung, dass der Film Vergewaltigungen sowie das Stockholm-Syndrom verharmlost. Eine Petition möchte dem Streaming-Hype nun ein Ende bereiten.

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Handlung des Erotikthrillers (Achtung, Spoiler!)

Anna und Mr. Grey haben uns die softe Version von BDSM präsentiert. Und plötzlich tauchte da diese sexy Romanze auf Netflix auf, die wir natürlich unbedingt sehen müssen. Doch worum geht es überhaupt in "365 Days"?

(Achtung, Trigger-Warnung!) Der Film lebt ganz nach dem Motto "Sexualität darf jeder Mensch frei ausleben". So weit, so gut: Das befürworten wir natürlich im Jahr 2020. Schnell wird jedoch klar, dass sich der Film in eine ganz andere Richtung entwickelt. Denn Moral und Konsens werden prompt gegen problematische Rollenbilder und verheerende Machtspielchen ausgetauscht.

  • Aber nun zur Handlung: Der gut aussehende Mafiaboss Massimo verliert seinen Vater bei einem Schusswechsel. Sein einziger Lichtblick am Ende des Tunnels ist Laura, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die er kurz vor dem Tod seines Vaters am Strand beobachtet und unbedingt besitzen muss. Diese weiß noch nichts von ihrem "Glück", bis sie kurze Zeit später von dem reichen Kriminellen entführt wird.
  • Eigentlich hält er die sexuelle Spannung kaum noch aus und möchte sein Opfer gleich bespringen. Doch weil er gnädig und der Titel Programm ist, gibt er ihr ganze 365 Tage, damit sie sich in ihn verliebt.
  • Haben wir in den letzten Jahren versucht weibliche und männliche Lustbefriedigung und Sexualität auf eine Treppe zu stellen, schießt der Film jegliche Gleichstellung der Geschlechter wieder ins Aus.
  • Lange Rede, kurzer Sinn: Trotz übergriffiger Handlungen, bei denen Massimo Laura unter anderem würgt und ans Bett fesselt, "verliebt" sich die junge Frau nach nur kurzer Zeit in ihren Entführer. Wobei "Verliebtsein" das falsche Wort ist: Stockholm-Syndrom trifft es eher.
    (Zur Erklärung: Beim Stockholm-Syndrom verbinden Opfer mit ihrem Entführer sehr positive Emotionen bis hin zu romantischen Gefühlen.)

 

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Darum ist "365 Days" gefährlich

Klingt schrecklich? Ist es auch. Doch die Verharmlosung der gewalttätigen und (zu anfangs) nicht einvernehmlichen Beziehung sorgte für das exakte Gegenteil. Tausende Twitter-User wünschen sich jetzt nämlich genau diese Art von "Liebe".


Die Rechte, die Frauen in den letzten Jahren mühsam erarbeitet haben, werden demnach mit Füßen getreten. Keine Spur von einem zeitgemäßen und gleichberechtigten Vorbild für junge Männer und Frauen.

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Toxische Rollenbilder und Verherrlichung von Sexhandel

Nun wird Netflix unter Beschuss genommen: Die Plattform Pro Empower, die sich gegen sexuellen Missbrauch einsetzt, veröffentlichte einen offenen Brief an den Streaming-Dienst auf Twitter.

Die Organisation spricht sich klar gegen die Verfilmung aus und verlangt zumindest eine Trigger Warnung zu Beginn des Films. Vergewaltigung als normal darzustellen und stattdessen toxische Rollenbilder zu fördern, habe keinen Platz mehr in der heutigen Zeit.

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Petition gegen Neflix-Film

Die erste Petition ließ also nicht lange auf sich warten. "Netflix hat sich nicht nur dazu entschieden, den Sexhandel zu glorifizieren, sondern auch sexuelle Aggression gegenüber Frauen zu verherrlichen, obwohl wir in einer Gesellschaft leben, in der 1 von 5 amerikanischen Frauen bereits vergewaltigt wurden.", so die Initiatorin Sophia Venables. Sie fordert die Stream-Plattform auf, den Film sofort zu entfernen und stattdessen eine Erklärung zu veröffentlichen, in der Netflix darlegt, wie sie den Menschenhandel auf der Welt bekämpfen möchte.

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