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Sexismus, Tierquälerei und Morddrohungen: Warum reißt uns die Tiger King-Serie so in ihren Bann?

Memes fluten das Internet, kaum jemand kommt an dem Hype vorbei: Darum ist die Tiger King-Serie von Netflix momentan so beliebt.

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Darum wurde Tiger King zum Internet-Phänomen
Kevin Wells / iStock

Großkatzen und ihre Raubtiere, die sie in Käfige sperren: Kaum jemand kommt dieser Tage an der Tiger King-Serie vorbei. Die neue Netflix-Produktion löste eine derart große Welle an Zuspruch aus und arbeitete sich so zum Lockdown-Phänomen hoch. Doch was ist so besonders an der Dokumentation und warum zieht sie weite Teile der Bevölkerung in ihren Bann? (Achtung, Spoiler!)

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Ein Abbild der verrückten Amis?

Wo fängt man bei dieser Serie bloß an: Sie ist so komplex, wie sie surreal ist. Selbst als Serien-Junkie hat man eine derartige Verfilmung noch nicht erlebt.

Zentraler Bestandteil der Doku ist die problematische und besorgniserregende Großkatzenhaltung in den USA. Doch was die Serie tatsächlich ausmacht, sind viel eher die Protagonisten. Hier ein kurzer Überblick zu den Hauptdarstellern der Serie:

Protagonist Kurzbiografie
Joe Exotic Er ist das "Aushängeschild" der siebenteiligen Miniserie. Joe ist ein homosexueller Waffenfanatiker mit Vokuhila und Lederjacke als Markenzeichen. Für seinen Zoo und seine Berühmtheit würde er vermutlich alles tun, wie sich im Laufe der Serie herausstellt. Gemeinsam mit seinen zwei Ehemännern und einigen Mitarbeitern leitete er seinen exotischen "Vergnügungspark". Man könnte meinen, dass seine treibende Kraft der brennende Hass ist, welchen er für seine Rivalin Carol Baskin verspürt.
Carole Baskin Sie ist die Erzfeindin von Exotic, versuchte sie ihm doch sein Wildkatzen-Imperium zu entreißen. Als Tierschutz-Aktivistin und Vorsitzende der Non-Profit-Organisation Big Cat Rescue füllt sie sich verpflichtet, die Missstände und nicht artgerechte Haltung in Joes Zoo aufzudecken. Sie hingegen betreibe eine Wildkatzen-Auffangstation: Ob die Tiere nun bei ihr ein maßgeblich besseres Leben haben, sei dahingestellt. Das Bild einer Heiligen geriet jedoch spätestens dann ins Wanken, als sie für den Mord ihres verschwundenen Multimillionär-Ehemanns verdächtig wurde. Dennoch bleibt es hier bei einer Spekulation, wenngleich es für viele Zuschauer auf der Hand liegt.
Jeff Lowe Spätestens als Jeff zur Serie dazu stieß, war der Rosenkrieg von Joe und Carol bereits im vollen Gang. Joe verlor einen Gerichtsprozess gegen Carol und stand nun mit enormen Schulden vor dem Aus des Zoos. Deshalb holte er sich den zwielichtigen Jeff ins Boot: Mal ist er reich, mal ein Hochstapler. Sein Hobby ist unter anderem, mit Frau und Tigerbabys im Gepäck durch Las Vegas zu fahren. So lockt das Paar junge Frauen an, um Tiger-Fotos gegen Sex einzutauschen.

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Warum reißt der Hype um Tiger King nicht ab?

Vermutlich könnte man über jede einzelne Person von Tiger King eine Biografie verfilmen. Eine verstörende Szene jagt die nächste. Doch was macht die Serie nun so einzigartig? 

  • Liegt es an den beiden heterosexuellen, sehr jungen Ehemänner von Joe, die allen Anschein nach mit Drogen und Wildkatzen aufs "andere Ufer" gelockt wurden? Oder ist es der tragische Selbstmord eines Liebhabers vor laufender Kamera?
  • Ist es die Tatsache, dass Bhagavan Doc Antle, ebenfalls Besitzer eines Großkatzen-Zoos, mehr oder weniger eine "Sekte" mit all seinen Frauen und Tigern führt? Denn strebt man als Tierpflegerin einen beruflichen Aufstieg an, muss man mit Doc schlafen oder sich hin und wieder die Brüste vergrößern lassen.
  • Oder ist es Joes 22-jährige Haftstrafe, weil er einen Mord an Carol geplant hatte, an welchem er offensichtlich nicht allein beteiligt war, alle anderen jedoch auf freiem Fuß sind?

Die Liste an skurrilen Vorfällen ist so lang, wie sie fern von jeglicher Realität zu sein scheinen. Doch auch die Art und Weise, wie die Geschehnisse geschildert werden, gibt Anlass für die Faszination: Die Doku wird nicht von einer Person, sondern einer Reihe von Interviews sowie verschiedenen und meist gegensätzlichen Perspektiven, nacherzählt. So liegt es am Zuschauer selbst, sich seine Wahrheit zu formen.


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Donald Trump zieht Freispruch von Joe in Erwägung

Es ist tatsächlich ein wenig ironisch: Joe, der jahrelang unzählige Lebewesen in Käfige steckte, ist nun selbst in einem gefangen. Das Erschreckende dabei: Fans von Joe Exotic verlangen unter dem Hashtag #freejoeexotic sogar den Freispruch des Ex-Zoobesitzers.


Heutzutage nicht verwunderlich, dass Donald Trump diese Bitte in Erwägung zieht. So antwortete er auf die Frage eines Reporters mit "Ich werde mir den Fall genauer anschauen":

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Was wirklich zählt: Wildtiere gehören nicht in Käfige!

Kritiker sind jedoch der Ansicht, dass die Serie einige besorgniserregende Aspekte in ein nicht angemessen kritisches Licht rückt: Frauenfeindlichkeit, Sexismus, Tierquälerei, Waffenaffinität und Drogen umhüllen die Serie mit einer Art Schleier. Doch eine Message lassen die Produzenten nicht unausgesprochen: In den USA leben mehr Tiger in Gefangenschaft als sie im Rest der Welt in freier Wildbahn zu finden sind. Spätestens nach diesem erschreckenden Fakt ist klar, wer die wirklichen Raubtiere sind, nämlich die Menschen.

Hier siehst du wie die Lage in Europa ist:

 

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