Beauty

Lipödem: Arzt im Interview zu der krankhaften Vermehrung von Fettgewebe

Ein Lipödem ist wie ein Fluch, gegen den Betroffene kaum etwas unternehmen können. Dabei vermehrt sich Fettgewebe vor allem an den Beinen. Die psychische Belastung ist oft enorm. Wir haben den Lipödem-Experten Dr. Spiro Silvester Schuller zum Interview gebeten.

  • Drucken
Lipödem in Großaufnahme
Ugreen / iStock

Was ist ein Lipödem?

Dr. Schuller: Beim Lipödem handelt es sich um eine vererbte symmetrische Fettgewebsvermehrung im Bereich der Extremitäten, die mit einer deutlich disproportionierten Fettverteilung zwischen Rumpf und Extremitäten einhergeht. Charakteristisch ist, dass Hände und Füße nicht betroffen sind. Ein Lipödembein hat eine typische Säulenform – mit Fettwülsten im Bereich der Knöchel und der Knie sowie manchmal auch der Oberschenkelinnenseiten. Die Patientinnen klagen häufig über Druck- und Spannungsschmerzen sowie über spontane Blutergüsse.

Mehr dazu: Kryolipolyse

Warum sind ausschließlich Frauen davon betroffen?

Dr. Schuller: Die genauen Ursachen sind bis jetzt nicht geklärt. Laut Studien scheint das weibliche Hormon Östrogen beim Verlauf und Fortschreiten der Erkrankung eine zentrale Rolle zu spielen.

Erstmalig bemerkbar macht sich das Lipödem meist in der Pubertät. Weiters berichten Patientinnen aber auch über einen Krankheitsfortschritt in der Schwangerschaft oder Menopause.

Mehr dazu: 2 kg mehr vor der Periode?

Gibt es erbliche Komponenten?

Dr. Schuller: Da ausschließlich Frauen betroffen sind und eine familiäre Häufung besteht, ist es naheliegend, dass eine genetische Komponente eine große Rolle spielt. Man nimmt an, dass mehrere Gene an der Entstehung des Lipödems beteiligt sind.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Dr. Schuller: Die einzige effektive und nachhaltige Behandlungsform ist die Fettabsaugung. Hierbei wird das Fettgewebe in lokaler Betäubung über kleinste Hautschnitte schonend mit Vibrationskanülen abgesaugt. Dadurch kommt es nicht nur zu einer deutlichen Reduktion des Umfangs, sondern auch zu einer Verbesserung bzw. völligem Verschwinden der Beschwerden. Die Lebensqualität der Patientinnen wird daher enorm gesteigert.

Woran erkannt man, dass man unter einem Lipödem leidet?

Dr. Schuller: 

Erste Anzeichen sind eine

  • disproportionierte Fettgewebsverteilung mit Druck- oder Spannungsschmerzen in den betroffenen Extremitäten,
  • aber auch die Neigung zu Blutergüssen.
  • Mit Fortschritt der Erkrankung bzw. bei Gewichtszunahme kommt es zu deutlichen, teils entstellenden Fettgewebswülsten.
  • Bei extremem Übergewicht kann es auch zu einem Lymphstau kommen, was in der Fachsprache als Lipolymphödem bezeichnet wird.

Dr. Spiro Silvester Schuller ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie; spezialisiert auf Dermatochirurgie, ästhetische Hautchirurgie und minimal invasive Venentherapie. Er leitet die Privatordination venex – Zentrum für Haut & Venen, Ästhetische Hautchirurgie in Wien. www.venex.at

letztes Update:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.