Allergie

Allergie selbst austesten?

Sie versprechen eine schnelle Diagnose, sparen Zeit und kosten verhältnismäßig wenig: Warum man trotzdem von Do-it-yourself-Allergietests aus dem Internet, der Apotheke oder dem Supermarkt die Finger lassen sollte.

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Allergieselbsttest für zuhause
ultramarinfoto / iStock

Der mündige Patient von heute wartet nicht mehr darauf, fertige Lösungen präsentiert zu bekommen, sondern macht sich selbst auf Ursachensuche. Schließlich wird von ihm ja auch erwartet, dass er Verantwortung übernimmt und aktiv an seiner Genesung mitarbeitet. Umso verlockender die Vorstellung, beim Auftreten von Beschwerden wie etwa Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen einfach im Internet einen Selbsttest zu bestellen.

Was bedeuten die Werte?

Warum dies nicht zu empfehlen ist, kann man wie folgt zusammenfassen:

  • Die Diagnose jeglicher allergischen Erkrankung erfordert spezifisches Fachwissen und eine spezielle, mehrstufige Diagnosefindung. Allergien können nur durch wissenschaftlich evaluierte klinische Tests oder Bluttests diagnostiziert werden. Sie können daher nur von einem im entsprechenden Fachgebiet ausgebildeten Arzt sicher diagnostiziert werden.
  • Ein Test alleine reicht oft nicht aus, um eine eindeutige Diagnose zu erhalten. In vielen Fällen müssen bis zur endgültigen Diagnosestellung noch weitere Untersuchungen angeschlossen werden. Das Ergebnis eines selbst durchgeführten Tests ist also unter Umständen nur ein Teilergebnis, aus dem ohne fachliche Beratung falsche Schlüsse gezogen werden können. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer falschen (Selbst-)Behandlung und zu einer Verschlechterung der ursprünglichen Symptome.
  • Das Testergebnis alleine resultiert nicht automatisch in einer geeigneten Behandlung. Die fachlich richtige Interpretation des Ergebnisses in Verbindung mit den klinischen Erscheinungen des Patienten kann nur von einem ausgebildeten Mediziner vorgenommen werden.
  • Nicht alle Selbsttest erfüllen die geforderten Qualitätskriterien. Ein falsches Testergebnis kann letztlich dazu führen, dass ein gesunder Mensch durch eine selbst verordnete Diät unnötigerweise auf bestimmte Lebensmittel verzichtet oder eine bestehende Erkrankung nicht entdeckt wird.

+++ Mehr zum Thema auf netdoktor.at: Allergietests im Überblick +++

Selbsttests im Check

Im November 2017 untersuchte der österreichische Verein für Konsumenten Information (VKI) in Kooperation mit dem Floridsdorfer Allergiezentrum (FAZ) 10 verschiedene Selbsttest-Produkte aus dem Internet. Dabei wendeten 10 Probanden unter ärztlicher Aufsicht des FAZ jeweils einen Selbsttest an. Das Ergebnis war eindeutig: Für kein einziges der getesteten Produkte konnte eine Empfehlung ausgesprochen werden. So diagnostizierten mehrere Selbsttests Lebensmittelunverträglichkeiten, obwohl die Patienten nach dem Verzehr dieser Nahrungsmittel keinerlei Beschwerden zeigten. In einem Fall wurde eine bereits im Vorfeld bekannte Allergie gegen Milch vom Selbsttest nicht erfasst.

Im Interview mit dem VKI bringt es Priv.-Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie am Floridsdorfer Allergiezentrum (FAZ) auf den Punkt: "Die Diagnostik in der Allergologie ist komplex. Auch bei den seriösen Allergietests hat nicht jedes positive Ergebnis eine Bedeutung, und es gibt auch falsch negative Resultate. Nur die Zusammenschau aus Krankengeschichte, Testbefund und Interpretation der Ergebnisse durch einen Allergieexperten macht es möglich, klinisch relevante von nicht relevanten Befunden zu trennen. Kurz zusammengefasst: Auch der seriöseste Allergietest hilft nicht, wenn Sie niemanden haben, der Ihnen die Bedeutung erklärt."

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