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Wie sich das Coronavirus auf unsere Organe auswirkt

Wissenschafter haben in einem Bericht der Fachzeitschrift Science Magazine zusammengefasst, wie sich das Coronavirus auf die einzelnen Organe auswirkt.

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Coronavirus Köper Organe
Enes Evren / iStock

Mehr als 3,5 Millionen Menschen weltweit haben sich mit dem Coronavirus infiziert, über 250.000 sind daran gestorben. In den meisten Fällen führt Atemversagen zum Tod, doch das Virus kann auch auf andere Arten unseren Körper zum Stillstand bringen. So greift das Virus neben der Lunge auch unsere restlichen Organe wie Nieren, Hirn und Darm an. Das Science Magazine hat in einem ausführlichen Artikel beschrieben, wie sich die Krankheit auf unseren Körper auswirkt.

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So greift das Virus die Lunge an

Wie eine deutsche Studie beweist, dringt das Virus vermehrt über die Nase in den Rachen und danach in den ganzen Körper ein. In diesen Körperregionen sind die Zellflächen reich an "ACE2-Rezeptoren". Diese fungieren als Andockstelle für die Viren, die sich dadurch im Körper verteilen können. Sind die Coronaviren einmal im Organismus, programmieren sie die Zellen um, damit sie sich reproduzieren und weitere gesunde Zellen angreifen. Sind die Viren in der Lunge angelangt, dann finden sie dort die Lungenbläschen (Alveolen) vor, die dem Sauerstoff helfen ins Blut zu gelangen.

Die dünnen Membranen der Alveolen weisen ebenfalls viele ACE2-Rezeptoren auf, die dazu beitragen, dass die Viren weiterreisen. Nun ist das Immunsystem in Bereitschaft und schickt die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) aus, um die infizierten Zellen abzutöten. Die Leukozyten stoßen Moleküle aus, die Entzündungen im Körper hervorrufen und noch mehr Abwehrzellen aktivieren. Während das Immunsystem gegen die Coronaviren kämpft, wird die Sauerstoffaufnahme der Lunge stark beeinträchtigt: Deshalb fangen wir zu husten an oder leiden an Kurzatmigkeit.

  • Die Wissenschafter gehen davon aus, dass dieser Abwehrkampf gegen das Coronavirus in der Lunge einen sogenannten Zytokinsturm auslöst. Dieser beschreibt eine Überreaktion des Immunsystems, wobei neben infizierten auch gesunde Zellen angegriffen werden. Zytokine sind Proteine, die für das Wachstum von Zellen verantwortlich sind.
  • Dabei werden Blutgefäße aufgerissen, Blutklumpen formen sich und der Blutdruck sinkt. Dieser Prozess führt schlussendlich zu einem Organversagen.
  • Andere Forscher sind nicht der Meinung, dass die Zytokinstürme den Tod herbeiführen. Sie denken, dass Medikamente auf die Zytokinreduktion abzielen, die das Immunsystem schwächen und somit bei der Abwehr hindert.

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Nierenschäden durch Coronaviren

Bei Untersuchungen von chinesischen COVID-19-Todesfällen hatten über 40% der verstorbenen Patienten Blut im Urin. Dies weist auf Nierenschäden hin, was kaum verwunderlich ist, da Nieren ebenfalls viele ACE2-Rezeptoren enthalten. Dialysemaschinen sind bei der Corona-Behandlung also keine Seltenheit. Durch die Zytokinstürme werden die Nieren zu wenig durchblutet und es kommt zu einem Organversagen.

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Verstopfte Blutgefäße & Blutklumpen

Bei Todesfällen wurden auch Veränderungen des Blutkreislaufs festgestellt. Corona-Infizierten wiesen häufig verstopfte Gefäße und die Bildung von Blutklumpen auf. Dadurch kann es unter anderem auch zu einer Lungenembolie kommen. Forscher wissen nun auch, dass Coronaviren unsere Blutgefäße verengen können:

  • Mit dieser Erkenntnis konnte geklärt werden, warum die meisten Patienten mit einer niedrigen Sauerstoffsättigung im Blut keine beschleunigte Atmung aufwiesen. Die Mediziner gehen davon aus, dass das Virus auch das hormonelle Gleichgewicht beeinflussen kann, welches die Atmung, Gefäßdicke und den Blutdruck reguliert.
  • Eine weitere Theorie ist auch, dass die Sauerstoffaufnahme durch die veränderten Gefäße ausgelöst wird und nicht durch die zerstörten Alveolen. Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck oder Fettleibigkeit sowie ein fortgeschrittenes Alter scheinen uns angreifbarer auf das Virus zu machen.

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Gereizter Darm

Circa 20% der Corona-Patienten leiden an Durchfall. Obwohl hierbei keine tödlichen Folgen beobachtet wurden, gehen die Forscher unter anderem auch davon aus, dass Coronaviren durch Fäkalien übertragen werden können. Bislang fehlen aber noch stichfeste Beweise. Weitere Untersuchungen zu Zusammenhängen zwischen dem Coronavirus und der menschlichen Verdauung stehen noch aus.

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So belastet das Virus das Nervensystem

Bei mehreren Patienten wurden Hirnhautentzündungen oder eine Überreaktion des vegetativen Nervensystems festgestellt. Dies kann zur Besinnungslosigkeit oder sogar zu Schlaganfällen führen. Auch der Verlust des Geruchssinns, den viele COVID-19-Patienten aufwiesen, kann durch eine Beeinträchtigung des Nervensystems entstehen. Gehirnschäden könnten aber auch durch einen Zytokinsturm ausgelöst werden, dabei kommt es zu einer Gehirnschwellung, die ebenfalls zu einem Schlaganfall führen kann.

Darüber hinaus wurden bei Infizierten noch Symptome wie Leberschäden oder Bindehautentzündungen beobachtet. Wie die Mediziner im Science Magazine betonen, sind die Auswirkungen des Coronavirus noch lückenhaft. Es wird noch einige Jahre der Forschung in Anspruch nehmen, um die Effekte des Virus genauer zu verstehen.

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