Ernährung

Produkte ohne Laktose, Fruktose, Gluten sind nur für Menschen mit Unverträglichkeiten gesund

Im Supermarkt werden immer mehr spezielle Produkte angeboten.

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Produkte für Unverträglichkeiten sind oft unnötig
MarsBars / iStock

Milch, Joghurt oder Käse ohne Milchzucker, glutenfreies Brot – die Vielfalt an Produkten ohne Laktose, Gluten, Fruktose für Menschen mit Unverträglichkeiten wird immer breiter. Das ist einerseits natürlich gut für jene, die es wirklich brauchen. Das Problem ist allerdings, dass viele es als gesund erachten, sich gluten-, laktose oder fruktosefrei zu ernähren. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

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Gefährlicher Boom am Lebensmittelmarkt

Personen, die unter einer echten Unverträglichkeit leiden, haben mit einer Reihe von unangenehmen Nebenwirkungen durch gewisse Lebensmittel zu kämpfen.

  • Zu den Symptomen einer Unverträglichkeit zählen je nach Schweregrad u.a. Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, allgemeines Unwohlsein; bei der Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) kommt es außerdem zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut.
  • Reagiert der Körper sensibel auf bestimmte Problemstoffe, ist es eine medizinische Notwendigkeit, auf eine spezielle Ernährung umzustellen.
  • Liegt allerdings keine Unverträglichkeit vor, bewirken Spezialnahrungsmittel nichts. Die meist teuren Lebensmittel, die mit dem Hinweis "frei von" gekennzeichnet sind, suggerieren dem Konsumenten einen gesünderen Eindruck.

Wie sehr spezielle Lebensmittel boomen, erkennt man auch daran, dass Hersteller ihre Produkte oft auch unnötig kennzeichnen, denn im Schinken steckt z.B. von Haus aus gar keine Laktose.

Der Eindruck, dass die Zahl jener Menschen, die von einer Unverträglichkeit betroffen sind, steigt, stimmt nur teilweise. Einerseits ist das Bewusstsein dafür geschärft, andererseits sind Mediziner und Nahrungsmittelexperten, so auch etwa der österreichische Arzt und Autor Maximilian Ledochowski der Meinung, dass heutzutage mehr Gluten oder Mehrfachzucker im Brot stecken als früher, oder Apfelsorten süßer gezüchtet werden und dadurch ihr Fruktosegehalt steigt. Der Körper wird mit der größeren Menge nicht fertig und wehrt sich mit besagten Symptomen.

Hinzu kommt, dass viele Konsumenten denken, auf bestimmte Inhaltsstoffe zu verzichten, gehöre zu einer bewussten Ernährung dazu. Oder sie sind der Meinung, es könne ja zumindest nicht schaden. Weit gefehlt.

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Medizinisches Gutachten empfehlenswert

Es ist nicht nur wirkungslos, auf Stoffe zu verzichten obwohl der Körper nicht darauf reagiert, sondern kann mitunter auch der Gesundheit schaden oder erst recht eine Unverträglichkeit auf den Plan rufen. Wird dem Körper ein Stoff nur selten zugeführt, gewöhnt er sich daran und schränkt die Bildung der verantwortlichen Verdauungsenzyme oder Antikörper ein. Essen Betroffene dann wieder einmal hemmungslos Brot oder Milchprodukte und bemerken dann Unwohlsein, fühlen sie sich in ihrem Verhalten bestätigt. Ein Teufelskreis.

Vermutet man hinter den Symptomen eine Unverträglichkeit oder Sensitivität, sollte man dies unbedingt von einem Arzt abklären lassen und erst dann unter fachgemäßer Aufsicht die Ernährung umstellen.

Im Internet kursieren diverse Selbsttests, von denen man allerdings Abstand nehmen sollte, da sie keinerlei Aussagekraft besitzen. Beim Arzt sind Betroffene besser aufgehoben; dieser führt eine ausführliche Anamnese sowie angemessene Tests durch. Bei Verdacht auf eine Fruktose- oder Laktoseintoleranz veranlasst der Arzt einen Wasser-Atemtest, um Zöliakie abzuklären folgt eine Blutuntersuchung sowie eine Dünndarmbiopsie.

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