Ernährung

Anzeichen von Orthorexie: Wenn gesundes Essen süchtig macht

Was tun, wenn gesunde Ernährung zum Zwang wird? Bei der Essstörung Orthorexie haben Betroffene Angst davor, durch ungesundes Essen krank zu werden.

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Orthorexie beschriebt die Sucht nach gesundem Essen.
Kiwis / iStock

Gesund und ausgewogen zu essen ist in unserer Gesellschaft unglaublich wichtig geworden. Die Fitness-Szene boomt auf Social Media, unzählige Influencer und  Blogger erzählen über ihre Essroutine sowie "Clean Eating". Dabei tauchen nun besonders auf YouTube immer mehr Videos von Betroffenen auf, die von ihrem Kampf mit der Essstörung Orthorexie erzählen. Worum es sich hierbei genau handelt und was die Anzeichen für eine Erkrankung sind, erfahren Sie hier.

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Besessen von gesundem Essen

Bei Orthorexia nervosa handelt es sich um eine Ess- und Zwangsstörung, die Sucht nach gesundem Essen beschreibt. Der Begriff wurde erstmals 1997 von dem amerikanischen Forscher Steve Bratman geprägt. Dennoch handelt es sich bei einer Orthorexie um keine anerkannte klinische Erkrankung.

Betroffene verbringen ihren Alltag damit, Lebensmittel abzuwiegen und Kalorien sowie konsumierte Speisen in einem Ernährungsbuch oder anhand einer App festzuhalten. Dabei entwickeln sie oft panische Angst vor "ungesundem Essen". Was der jeweilige Orthorexie-Patient als gesund und ungesund empfindet, ist sehr unterschiedlich. Oft werden Lebensmittel wie

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Gefährliche Lebensmittelphobie

Aus Angst vor chemisch belasteten sowie krebs- oder allergieauslösenden Lebensmitteln nehmen viele Betroffene auch eigenes Essen mit, wenn sie sich mit Freunden treffen oder in einem Restaurant speisen möchten. Durch die immer stärker werdende Lebensmittelphobie sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, "normale Nahrung" (z.B. Nudeln) zu konsumieren, da die Furcht vor einer Krankheit immer schlimmer wird.

Oft kommt es durch Orthorexie zu Mangelerscheinungen und Nährstoffmängeln, da die Betroffenen die "erlaubten" Lebensmittel extrem eingrenzen. Auch eine starke Gewichtsabnahme kann die Folge sein. Am häufigsten sind junge sowie sportlich aktive Frauen von Orthorexie betroffen.

Die YouTuberin Henya Mania erzählt in ihrem Video, dass sie sich aufgrund ihrer Orthorexie nur mehr von Früchten ernährte. Lebensmittel wie Brot waren in ihrem Ernährungsplan unvorstellbar:

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Das sind die wichtigsten Orthorexie-Anzeichen

Im Moment gibt es noch keine genauen wissenschaftlichen Untersuchungen zu der Essstörung. Forscher der Universität Düsseldorf fanden in einer Studie jedoch heraus, dass circa ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland davon besessen sind, sich gesund zu ernähren.

Das Krankheitsbild der Orthorexie wird durch folgende Anzeichen geprägt:

  • Essen als Mittelpunkt: Wer an Orthorexie leidet, hat ständig den Drang sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Der ganze Tagesablauf ist mit dem Berechnen von Kalorien, Vitaminen und Spurenelementen gefüllt. Betroffene können dadurch das Essen gar nicht mehr genießen und reduzieren es daraufhin nur mehr auf die Zufuhr von den nötigsten und augenscheinlich gesündesten Stoffen.
  • Hypochonder-Verhalten: Orthorektiker möchten mit ihrem Essenswahn nicht abnehmen, sondern Krankheiten vorbeugen. Betroffene sind häufig extrem um ihre Gesundheit besorgt, das ist auch der Grund warum Hypochonder sehr anfällig für die Essstörung sind.
  • Belehrungen über gesunde Ernährung: Besonders im Freundes- und Familienkreis fallen Orthorexie-Erkrankte mit ihren ständigen Belehrungen über gesunde Ernährung auf. Sie kritisieren häufig das Essverhalten ihrer Mitmenschen und machen sich dadurch unbeliebt.
  • Soziale Isolation: Aufgrund des Zwangs ständig gesund zu essen, distanzieren sich die Betroffenen häufig von ihrem Umfeld. Oft werden sie auch von Freunden ausgegrenzt, da sie ihre speziellen Essgewohnheiten nicht mehr ertragen können.
  • Totale Kontrolle: Die Erkrankten nehmen extreme Maßnahmen in Kauf, um ihre Gesundheit zu schützen. Häufig streichen sie sogar Salz, Pfeffer & Co aus ihrem Speiseplan. Haben die Betroffenen ihr vermeintlich "perfektes" Gericht gegessen, fühlen sie sich stolz und erfolgreich.

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Professionelle Hilfe annehmen

Sich gesund und ausgewogen zu ernähren, ist wichtig. Im orthorektischen Ausmaß bewirkt das aber das genaue Gegenteil. Unser Körper benötigt bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in ausreichender Menge, um wirklich gesund zu bleiben. Und für die psychische Gesundheit sind "Sünden" wie Schokolade oder Nudeln auch eine Wohltat. Eine extrem einseitige Ernährung sowie die ständige Angst krank zu werden, kann nicht nur physisch, sondern auch psychisch auslaugen.

Falls Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld die Befürchtung haben, dass eine Orthorexie vorliegen könnte, dann kann dies mit Hilfe eines Selbsttests auf Basis von Steve Bratman eingeschätzt werden. Dennoch ersetzt der Test keine ärztliche Anamnese: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihr Essverhalten! Nur ein Mediziner ist in der Lage, eine richtige Diagnose zu stellen. Diätologen, Psychologen und Psychotherapeuten können auf dem Weg zurück zu einem normalen Essverhalten helfen.

In der Doku-Folge vom YouTube-Channel "Die Frage" erklärt die ehemalige Orthorexie-Erkrankte Cha, wie die Essstörung ihr Leben kontrolliert hat: 

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