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Back on track? Warum Kasteien nach dem Urlaub Schwachsinn ist

Warum Sie nach einem genussreichen Urlaub nicht krampfhaft zurück auf die Clean-Eating- und Fitness-Spur müssen.

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Frau will abnehmen
recep-bg / iStock

Jedes Jahr dasselbe Lied: Wir fahren endlich in den wohlverdienten Sommerurlaub und lassen es uns dort so richtig gut gehen. Sport machen wir da keinen (auch wenn wir die Trainingsklamotten eingepackt habe) und am Buffet wird ohne Rücksicht auf Verluste geschlemmt. Und das ist auch gut so! Denn darum geht es im Urlaub. Genießen ohne schlechtes Gewissen, abschalten und loslassen. Das gilt nicht nur für Arbeitsstress, sondern auch für den Druck nach einem perfekten Körper und einem möglichst "cleanen" Lebensstil. Den werfen wir für gewisse Zeit gerne über Board.

Waagen-Terror und Kilo-Horror

Aber: Kaum sind die Koffer zuhause wieder ausgepackt, folgt für viele das böse Erwachen. Die Jeans sitzt enger, der Bauch ist weicher, die Waage zeigt ein wenig mehr Gewicht an. Manch eine (ja, meistens Frauen) geht jetzt hart mit sich ins Gericht, schämt sich für den kurzzeitigen Kontrollverlust und sagt sich: "Ab morgen bin ich streng. Das heißt: wenig Essen, viel Sport, Yoga-Kurs, Laufen, kein Alkohol, keine Kohlenhydrate." Zurück auf die Spur, back on track. Aber ist es das Wert? Und müssen wir uns wirklich psychisch fertig machen, nur weil wir unser Leben ein bisschen genossen haben? Wohl eher nicht.

Plädoyer für "Scheiß" doch drauf"

"Getting back in track!" – so oder so ähnlich sind jede Menge YouTube-Videos oder Instagram-Postings betitelt, die zeigen sollen, wie man die Schande des Sichgehenlassens im Urlaub wieder ungeschehen machen kann. Das ist ein Beispiel für ein solches Video:

Immer kommt es darin so rüber, als müsste man sich dafür schämen, Süßes und Fettiges gegessen zu haben. Als hätte man als Mensch versagt, weil man auf Fitness gepfiffen hat. Als wäre man weniger wert, weil man es mal wieder nicht geschafft hat, die straffste, schmalste und gesündeste Version seiner selbst zu sein. Dabei ist genau das wahnsinnig ungesund, denn:

  • Wer sich ständig fertig macht und degradiert, ist nicht glücklich.
  • Wenn die Zufriedenheit mit sich selbst komplett an Körperideale gebunden ist, stimmt etwas nicht.
  • Das öffnet psychischen Erkrankungen wie Depression oder Essstörungen Tür und Tor – insbesondere bei jungen Mädchen.
  • Der Vergleich mit Fitness-Models auf Social Media tut sein Übriges, um sich noch schlechter zu fühlen.
  • Von der Völlerei zum totalen Verzicht: Das schreit nach Jojo-Effekt und nicht nach einem ausgeglichenen Lebensstil, der dauerhaft beibehalten werden kann.

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Gesund sein ist wichtig, ein Bikini-Body nicht

Die Bodypositivity-Community feiert diesen Spruch schon lange, aber trotzdem ist er noch nicht ausgelutscht: "You have a body and a bikini? Put it on and there you have the bikini body." Gut, nach dem Urlaub tragen wir die Badekleidung kaum noch, aber das lässt sich auf unser ganzes körperliches Frausein umlegen:

  • Wir haben das Recht hier zu sein und geschätzt zu werden, auch ohne Größe 36 zu tragen.
  • Wir können geliebt werden, Sex haben und Babys bekommen, auch wenn wir Cellulite, Dehnungsstreifen, Krampfadern, eine Brille, dünnes Haar, einen flachen Po, kleine Brüste oder schlaffe Arme haben.
  • Wie können gesund und fit sein, ohne auf alles verzichten zu müssen, was Spaß macht und gut schmeckt.
  • Unser Körper ist dazu da, um uns von A nach B zu bringen, unseren Kopf zu tragen, uns eine Stimme zu geben sowie Gefühle zu empfinden, und nicht, um im Gym geschunden und vor dem Spiegel abgewertet zu werden.

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Balance is key

Für alle, die im Urlaub über die Stränge geschlagen haben und sich einfach wieder wohler fühlen wollen: Ein Teil des draufgepackten Gewichts ist Wasser, denn Sie haben vermutlich mehr Salz und Carbs gegessen als üblich. Mit einer guten Schwitzsession, viel Wasser trinken, einer ausgewogenen Ernährung und einer entspannten Einstellung, sind Sie bald wieder back on track. Dazu müssen Sie sich nicht verrückt machen und vor allem sich nicht selbst hassen.

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