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Was ist Yin Yoga?

Und: Wenn es Yin Yoga gibt – gibt es dann auch Yang Yoga? Gute Frage. Wir haben uns das angesehen.

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Frau macht Yin Yoga Übung
fizkes / iStock

Mein Knie ist im Eimer. Lauftraining kommt nicht in Frage. Ich stehe also unschlüssig im Gym und hasse mein Leben. Insbesondere mein Knie. Trifft sich gut, dass auf dem Kursplan gerade Yin Yoga steht. Die Beschreibung verspricht: Langsameres Yoga, bei dem die einzelnen Positionen länger gehalten werden. Dadurch soll eine Art "Tiefenwirkung" entstehen, sprich: tieferliegende Muskelschichten werden gekräftigt, verklebte Faszien gelockert. Das kann dem Knie nicht schaden, denke ich. Ein starker Quadrizeps (Oberschenkelmuskel) entlastet das Gelenk. Außerdem: So wie sich das verdammte Ding anfühlt, besteht es vermutlich nur noch aus Verklebungen. Yin Yoga, here I come!

Ooommm

Oje. In der Kursbeschreibung steht auch was von seelischer Ausgeglichenheit. Wenn ich etwas mehr hasse als mein Knie, so sind es Entspannungsübungen. Aber vielleicht wär's gerade deshalb gut für mich? Bisschen mehr Ooommm, bisschen weniger Clinch mit dem Universum…

+++ Mehr zum Thema: Faszien-Yoga mit Ooommm +++

Einmal Chakra und zurück

Yin Yoga wurde in den 1970er Jahren erstmals praktiziert. Es hat einige Positionen (Asanas) mit anderen Yoga-Varianten gemein, so z.B. das Sonnengebet (Morgengruß), die Kobra, den Schulterstand. Andere Asanas wiederum wurden speziell für Yin Yoga entwickelt. Als die Trainerin sagt: "Den linken Arm unter dem linken Knie durchführen und mit der rechten Hand über den Rücken hinweg danach greifen", denke ich zunächst: Das hat sie jetzt spontan erfunden. Oder sie hat sich geirrt, denn dieser Knoten ergibt überhaupt keinen Sinn.

Ein Blick in die Runde der Mit-Praktiziererinnen zeigt jedoch: Wer den Kurs schon länger besucht, kann das offenbar! Guten Mutes stecke ich also die Hand unterm Knie durch. Es klappt nicht. Aber mein Ehrgeiz ist geweckt.

Ehrgeiz, erklärt die Trainerin, sei hier ganz fehl am Platz. Alles ist im Fluss, wir klammern uns nicht an Gedanken oder Vorstellungen fest, wir sind ganz auf den Moment konzentriert, lassen alles andere einfach los… Wenn ich so spät heimkomme, hat der Kater sicher Hunger, denke ich. Und nicht nur der Kater. Ich glaub, ich hab noch Tortellini im Kühlschrank… Ausatmen. Loslassen. Nur der Moment zählt. Die Tortellini befinden sich in meiner Zukunft (hoffentlich!), ich jedoch bin ganz in der Gegenwart. Ausatmen. Loslassen. Mist, ich hab keine Küchenrolle gekauft… Nicole!!! Nur der Moment zählt. Loslassen. Ausatmen. Ooommm.

Meditation entspricht nicht meiner Natur. (Ja eh, gescheit wär's schon…)
Mein Ex-Freund war Buddhist. Ich habe also ein autobiografisches Recht auf inneren Widerstand! Und überhaupt: Die Trainerin trägt beim Yoga Netzstümpfe. Echt jetzt. Ich meine, wie erleuchtet kann die schon sein?

Ausatmen. Loslassen. Chakren öffnen.

Stillhalten mit Aua-Effekt

Anfänger halten die schwierigeren Asanas etwa eine Minute lang. Geübte Yin Yogis schaffen es mehrere Minuten. Die Oberschenkel brennen vor Anstrengung, im Rücken kneift es. Das fühlt sich alles großartig an. Es ist genau die Art von Schmerz, die ich mag. Die Art, die signalisiert: Da tut sich was! Da kommt was in Bewegung. (Im Gegensatz zum Knieschmerz, der bloß signalisiert: Hier ist etwas festgefahren.)

Und während ich in der Position "Raupe" da liege, merke ich: Mir taugt das! Ich bin ganz glücklich vor lauter produktiven Schmerzen.

Am Ende der Stunde wird wieder meditiert. Ich finde das schade, ich hätte lieber noch weiter gelitten. Wie dem auch sei: Mein Knie fühlt sich besser an als 55 Minuten zuvor. Und der Rest meines Körpers auch. Wenn man den Part mit dem Ooommm weglässt, könnt ich mich an diese Art des Trainings fast gewöhnen.

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