Psychische Gesundheit

Was tun, wenn Sie sensibler sind als Ihre Mitmenschen

Hypersensible Menschen unterscheiden sich von normalsensiblen Menschen durch die Intensität ihrer Sinneswahrnehmungen. Wir sind dem Phänomen auf den Grund gegangen.

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Manche Personen haben eine höhere Sensibilitätsrate als Ihre Mitmenschen.
Halfpoint / iStock

Den ganzen Tag über sind wir einer schier unüberschaubaren Anzahl an Sinnesreizen ausgesetzt. Die meisten davon nehmen wir aber gar nicht bewusst wahr, da unser Gehirn in der Lage ist, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und störende oder gar unnötige Informationen aus der Außenwelt einfach ausblendet. Dieser Mechanismus funktioniert aber nicht bei allen Menschen gleich gut.

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Zart besaitet oder ganz normal?

Die amerikanische Psychologin und Psychotherapeutin Elaine N. Aron gilt als Pionierin in der Erforschung der Hypersensibilität. Ihre ersten Forschungsergebnisse präsentierte sie bereits Mitte der 1990er Jahre. Aron stellte fest, dass sich Menschen in der Intensität ihrer Wahrnehmungen unterscheiden:

  • Während die einen all den Sinneseindrücken, die tagsüber auf sie einprasseln, mit einer gewissen Leichtigkeit begegnen, sind andere in vergleichbaren Situationen weit weniger belastbar und stoßen schneller an ihre Grenzen.
  • So können selbst leise Umgebungsgeräusche oder das neue Parfum der Arbeitskollegin für hochsensible Menschen zu einer wahren Belastungsprobe werden.

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Reizverarbeitung im Gehirn

Die Ursache der unterschiedlichen Wahrnehmung liegt in unserem Zentralnervensystem: Zum einen gelangen bei Hochsensiblen in Summe viel mehr Informationen von außen in ihr Gehirn, zum anderen werden diese auch intensiver verarbeitet als bei normalsensiblen Menschen. Daraus resultieren eine gesteigerte Empfindsamkeit sowie eine intensivere Wahrnehmung. Hypersensible Menschen sind also jene mit den "feineren Antennen".

Ihre besondere Feinfühligkeit erstreckt sich dabei auf viele Bereiche:

  • stärkere Emotionen
  • höhere Aufmerksamkeit
  • intensiveres Erleben und Wahrnehmen
  • gesteigertes Einfühlungsvermögen
  • verstärkte Beeinflussbarkeit durch die Gefühle anderer
  • lebendige Vorstellungskraft
  • ausgesprochene Intuition
  • erhöhte Gewissenhaftigkeit
  • Neigung zum Perfektionismus
  • erhöhte Sensibilität für Fehler und Ungerechtigkeit
  • Veränderungen werden als belastend empfunden
  • Gefühl des "Andersseins"

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Bin ich hochsensibel?

Die wissenschaftliche Forschung zum Thema Hochsensibilität steckt trotz Arons Forschungsansätzen immer noch in ihren Anfängen. Fest steht jedenfalls, dass es sich um keine Erkrankung, sondern "nur" um ein – wahrscheinlich angeborenes – Persönlichkeitsmerkmal handelt.

  • 15 bis 20 Prozent der Gesamtbevölkerung schätzen sich selbst als hochsensibel ein. Wissenschaftlich anerkannte Messmethoden zur Feststellung einer Hypersensibilität gibt es bislang jedoch nicht. Die bis dato verwendeten Tests beruhen ausschließlich auf der Selbsteinschätzung Betroffener.
  • Da es sich bei Hypersensibilität um keine Erkrankung handelt, stehen auch keine spezifischen Therapiemodelle zur Verfügung. Wenn sich jedoch aus der permanenten Reizüberflutung ein hoher Leidensdruck ergibt, kann eine psychotherapeutische Behandlung Linderung bringen.

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