Psychische Gesundheit

Digitales Selbstmobbing im Netz wird immer präsenter

Mobbing und Beleidigungen nehmen in den sozialen Medien stark zu, doch meist sind die Opfer auch gleichzeitig Täter.

  • Drucken
Wenn sich Teenager auf Social Media selber mobben, dann ist es meist ein Schrei nach Aufmerksamkeit.
stock-eye / iStock

Hasserfüllte Beleidigungen wie "Du bist hässlich" und "Bring dich doch einfach um" sind leider keine Mangelware mehr im Netz. Mobbing auf den sozialen Medien kann für die Betroffenen unerträglich sein. Doch was ist zu tun, wenn Teenager sich selbst auf Instagram, Facebook & Co beleidigen?

Mehr dazu: Mobbing auf Instagram nimmt weiter zu

Selbstverletzendes Verhalten

Dieses Phänomen wird als digitales Selbstmobbing bezeichnet, welches in Amerika unter "cyber self-harm" bekannt ist.

  • Dabei beleidigen sich Jugendliche in Form von selbstverfassten Postings oder sie schreiben gemeine Dinge über sich selbst.
  • Zum Teil posten die Teenies anonym oder kreieren eine dritte Person, die diese Beleidigungen an ihr Profil verschickt.
  • Experten bezeichnen dieses Verhalten als eine spezielle Form von Selbstverletzung. Dabei schaden sich die Betroffenen bewusst oder teilbewusst mehrmals in den sozialen Medien.

Mehr dazu: Mobbing unter Kindern: Experteninterview

Fehlende Aufmerksamkeit

Doch was ist der Motivator für das digitale Selbstmobbing, welches nun immer präsenter wird? Dafür gibt es mehrere Ursachen:

Die Psychologie Professorin Elizabeth Englander forschte an der Bridgewater State University in Amerika zu diesem Thema nach.

  • In ihrer Studie beantworteten 15 Prozent der befragten Jugendlichen, dass sie sich schon selbst im Internet gemobbt hatten. Englander erklärt, dass viele Teenies dieses Verhalten meist nur einmal anwenden.
  • Erlangen sie dadurch nicht die gewünschte Aufmerksamkeit oder Mitgefühl, dann hören sie damit auf. Oder sie bekommen in der Situation genug Aufmerksamkeit und benötigen diese nach einer Zeit nicht mehr.
  • Dennoch gibt es auch weiterhin Jugendliche, die sich immer und immer wieder selbst mobben. Der Studie zufolge hat diese Art der Betroffenen Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen und schlechte soziale Fähigkeiten.

Mehr dazu: Mobbing an der Wurzel packen

Stark & zerbrechlich

Viele Teenies beleidigen sich selbst, um Mitleid und Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen zu generieren oder von ihnen online verteidigt zu werden.

  • Englander betont, dass besonders Mädchen dadurch zeigen wollen wie stark sie sind, während sie den Hass aushalten und andere Personen dennoch dazu animieren, sich um sie Sorgen zu machen. Buben gaben andere Gründe an: Ihnen ginge es meistens darum einen Streit anzuzetteln.
  • Anfangs ist es besonders schwierig herauszufinden, ob die Jugendlichen von anderen beleidigt werden oder sich selbst online "verletzen". Selbstmobber entlarven sich meist durch das Herumzeigen der Gemeinheiten und dem konstanten Versuch Hilfe zu holen.
  • Personen, die von anderen gemobbt werden, schämen sich dafür und reden nicht offen darüber. Experten sind sich daher sicher, dass eine psychische und emotionale Belastung hinter dem digitalen Selbstmobbing steckt.

Mehr dazu: Hilfe, mein Kind mobbt!

Wie kann Betroffenen geholfen werden?

Falls Sie selbst das Opfer von Mobbing sind, jemanden kennen der im realen oder virtuellen Umfeld beleidigt wird oder ein Selbstmobbing-Verhalten zeigt, dann ist hier schnelle Hilfe besonders wichtig. Informieren Sie Eltern, Lehrer, Freunde oder wenden Sie sich an professionelle Hilfe. Diese finden Sie unter anderem hier:

  • Rat auf Draht (Telefonnummer 147): Kostenlose Telefonberatung für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen. Hier können alle relevanten Themen wie Mobbing, Liebe, Schule und Familie besprochen werden.
  • Telefonseelsorge (Telefonnummer 142): Ist 24 Stunden am Tag, auch an Sonn- und Feiertagen erreichbar. Der kostenlose Service bietet ebenfalls Mail- und Online-Beratungen an.
  • "time4friends": Kostenlose Beratung für Jugendliche über Whatsapp- und Telefon von 18–22 Uhr. Telefonische Beratung: 0800 700 144 und WhatsApp-Beratung unter der Nummer +43 664 1070 144.

Mehr dazu: Fremde Hilfe wirkt besser

letztes Update:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.