Psychische Gesundheit

Kennen Sie den Dunning-Kruger-Effekt?

Der Dunning-Kruger-Effekt besagt, dass wir uns für klüger halten, als wir sind. Solche Personen kennen Sie doch bestimmt…

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Kennen Sie den Dunning-Kruger-Effekt?
RichVintage / iStock

Onkel Toni ist der Schrecken jedes Familientreffens: Egal, wie falsch er mit seinen Behauptungen liegt, vertritt er sie mit solcher Vehemenz, dass die restlichen Verwandten längst aufgegeben haben, mit ihm darüber zu diskutieren. Nein, Onkel Anton, Sidney ist nicht die Hauptstadt von Australien… ach egal, es ist sinnlos.

Eine Studie der University of Michigan  hat sich nun näher mit diesem Phänomen befasst. Das Ergebnis bestätigt all unsere Erfahrungen mit Onkel Toni: "Oberg'scheite" sind besonders anfällig dafür, das zu überschätzen, was sie eigentlich wissen.

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Ich habe trotzdem recht!

Die Studie konzentrierte sich auf Menschen, die denken, dass ihre Ansichten anderen Standpunkten überlegen sind. Getestet wurde das politische Wissen der Versuchspersonen und ihre Fähigkeit, den eigenen Standpunkt zu überdenken. Das exakt ist es nämlich, was die Toni-Onkels dieser Welt nicht so gut können.

Selbst nachdem sie Feedback erhalten hatten, welches ihnen zeigte, wie sehr sie relevante politische Fakten nicht kannten, behaupteten die Probanden immer noch, dass ihre Überzeugungen objektiv korrekter waren als die der anderen. Darüber hinaus waren sie eher geneigt, nur solche neuen Informationen aufzunehmen, die ihr Gefühl der Überlegenheit bestätigten.

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Der Dunning-Kruger-Effekt

Gänzlich neu ist das nicht. Bereits 1999 beschrieben die Wissenschafter David Dunning und Justin Kruger den nach ihnen benannten Effekt: Je inkompetenter Menschen sind, desto weniger sind sie sich ihrer Inkompetenz bewusst. Dunning und Kruger gaben ihren Testpersonen eine Reihe von kognitiven Aufgaben und baten sie, zu schätzen, wie gut sie dabei abschnitten:

  • Nur 25 Prozent der Teilnehmer vermochten ihre eigene Leistung mehr oder weniger realistisch einzuschätzen.
  • Ein paar wenige Leute unterschätzten sich selbst.
  • Jenes Viertel der Probanden, die bei den Tests am schlechtesten abgeschnitten hatten, waren hingegen absolut überzeugt davon, die Aufgaben hervorragend gemeistert zu haben.

Ist es also möglich, dass Prahlen und Scheitern zwei Seiten derselben Medaille sind? Wie ging doch noch mal dieser Facebook-Spruch?

Wenn du tot bist, dann weißt du nicht, dass du tot bist. Es ist nur schwer für die anderen. Genau so ist es, wenn du blöd bist."

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Blinde Flecken im Gehirn "verputzen"

Wie Dunning und Kruger betonen, zeigt ihre Arbeit einfach ein allgemeines Merkmal der Selbstwahrnehmung auf: Jeder von uns neigt dazu, die eigenen kognitiven Defizite zu übersehen. Und im Zweifel greifen wir lieber zu einer falschen Information, als zuzugeben, dass wir über keine Informationen verfügen.

Dunning: "Ein dummer Geist ist kein leeres Gefäß. Er ist voll von Informationen – Lebenserfahrungen, Theorien, Fakten, (…) Metaphern und Ahnungen – und unser Gehirn benutzt wahllos alles, was gerade zur Verfügung steht, um den intellektuellen blinden Fleck zu verputzen."

Natürlich ist das ein Problem. Nicht nur für Onkel Toni, der glaubt, dass die Mondlandung gefälscht wurde und Sidney die Hauptstadt von Australien ist. Unser mangelndes Bewusstsein für unsere Unwissenheit, oder noch schlimmer, das wahllose "Verputzen" unserer "intellektuellen blinden Flecken", hat mitunter gravierende Auswirkungen.

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Der Wohlfühl-Faktor

Warum aber ist die Kluft zwischen Möchtegern- und tatsächlicher Leistung so groß? Haben wir nicht alle ein Interesse daran, uns realistisch einzuschätzen? (Zumal uns das so manche Peinlichkeiten ersparen würde…)

Die Antwort scheint zu sein, dass eine moderate Inflation des Selbstwertgefühls Vorteile hat. Uns selbst durch die "rosarote Brille" zu betrachten, erhöht unser Wohlbefinden und unsere Leistung. Es hilft uns, die Höhen und Tiefen des täglichen Lebens zu überstehen. Depressive Menschen sind dagegen in ihren Selbsteinschätzungen brutal realistisch.

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