Psychische Gesundheit

Exhibitionismus und Nudismus: Wo liegt der Unterschied?

Nudisten erfreuen sich lediglich am Nackt-Sein in der Natur. Beim Exhibitionismus handelt es sich aber um eine psychische Störung. Lies mehr!

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Frau liest nackt
lolostock / iStock

Nacktheit spielt eine höchst zwiespältige Rolle in unserer Gesellschaft. Während wir uns im medialen Raum kaum vor nackten Brüsten und Hinterteilen retten können, ist das komplette Nackt-Sein im öffentlichen Raum unter Strafe gestellt (Erregung öffentlichen Ärgernisses) und unterliegt einem Tabu.

In dieser Diskussion fallen häufig zwei Bezeichnungen: Exhibitionismus und Nudismus. Die Begrifflichkeiten werden oft als Synonyme verwendet, meinen aber gänzlich verschiedene Dinge.

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Freikörperkultur vs. sexueller Vorliebe

Wer den Nudisten als exhibitionistisch bezeichnet, tut ihm Unrecht. Nudismus hat per se nämlich nichts mit Sex oder irgendeiner Form von Belästigung zu tun:

  • Nudismus, auch Nacktkultur oder Naturismus, meint die gemeinschaftliche Nacktheit beider Geschlechter.
  • Es geht um das Gefühl der Freiheit und einem "ursprünglichen" Erlebnis der Natur.
  • Nudisten frönen zum Beispiel dem Nacktbaden am FKK-Strand. In Wien gibt es sogar ein eigenes "Nackerbatzldorf" an der Neuen Donau.

Dem Nudisten ist die Abgrenzung zum Exhibitionisten äußerst wichtig, da Letzterer vielfach mit Fällen von Belästigung und der Entblößung von Geschlechtsteilen im öffentlichen Raum in Verbindung gebracht wird. Beim Exhibitionismus handelt es sich um die sexuelle Lust an den schockierten Reaktionen anderer Menschen. Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass der ein oder andere Nudist auch exhibitionistische Neigungen hat, trotzdem sollten die beiden Begriffe niemals in eine Schublade gesteckt werden.

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Exhibitionismus als Krankheitsbild

Wer an einen derart "zeigefreudigen" Menschen denkt, hat oft einen Mann vor Augen, der in der U-Bahn seinen Trenchcoat öffnet und seine Genitalien präsentiert. Tut jemand derartiges regelmäßig und zur sexuellen Befriedigung, dann gilt er als krank- und auch schuldhaft. Geld- und auch Freiheitsstrafen können verhängt werden, vor allem, wenn andere durch das Verhalten Schaden genommen haben. Besonders bedrohlich wird die Angelegenheit, wenn Exhibitionisten sich vor Kindern entblößen oder gar zu sexueller Gewalt neigen.

Im ICD-10 (F65.2) wird Exhibitionismus der Paraphilie zugeordnet. Damit sind psychische Störungen gemeint, die von den in der Gesellschaft erlaubten sexuellen Verhaltensweisen abweichen. Als Gegenstück zum Exhibitionismus gilt übrigens der Voyeurismus, die Lust, andere (oft heimlich) zu beobachten, wenn sich diese Entblößen, etwa auf der Toilette oder beim Sex.

Was tun, wenn ein Exhibitionist vor mir steht?

  • Beachte den Nackten nicht, würdige ihn keines Blickes.
  • Falls das nicht hilft: Mache Umstehende auf den Entblößten aufmerksam.
  • Das ist dem Exhibitionisten oft unangenehm und er zieht ab.
  • Vermeide Panik und Herumschreien, drohe ihm stattdessen mit der Polizei, falls er nicht weggeht.
  • Rufe die Polizei, da es sich um eine strafbare Tat handelt.

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