Psychische Gesundheit

Fragilizing: Wenn eine Absage glücklicher machen würde

Stellen Menschen ihre eigenen Bedürfnisse immer hinten an, steigt die innere Unruhe.

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Fragilizing, wenn Menschen Verabredungen nicht absagen
B&M Noskowski / iStock

Es gibt Zeiten, da quillt der Terminkalender über – nicht beruflich, sondern privat. Jagt eine Verabredung die nächste, können sich nur die kontaktfreudigsten Menschen darüber freuen. Sensible Personen sehnen sich indes nach Me-Time und einem einsamen Rückzugsort, um ihre Akkus wieder aufzuladen. Statt genau das zu tun, gibt es Menschen, die dennoch immer wieder Ja sagen und sich davor scheuen, ein Treffen abzusagen.

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Fragilizing: Anderen zuliebe in den sauren Apfel beißen

Der Begriff "Fragilizing" kommt vom englischen Wort "fragile", also zerbrechlich, und meint die Angewohnheit, aus Rücksicht auf andere zurückzustecken. Dabei kann es sich um die Verabredung generell handeln oder auch um das Programm, etwa die Wahl des Lokals. Eigentlich würde man viel lieber etwas anderes unternehmen – und sei es Niksen – aber dennoch folgt die Zusage. Manche Menschen möchten es einfach allen recht machen.

Zu den Gründen für dieses Verhalten zählen u.a.:

  • Freunde, Familienmitglieder oder Kollegen möchte man nicht verletzen oder vor den Kopf stoßen.
  • Aus Angst, die Mitmenschen zu verärgern oder zu enttäuschen, sagt man lieber nicht ab.
  • Sie fürchten, das Gegenüber würde mit der Enttäuschung nicht klar kommen.
  • Konflikte oder Auseinandersetzungen möchte man unbedingt vermeiden.
  • Um keine Diskussionen zu entfachen, gehen Betroffene den vermeintlichen Weg des geringsten Widerstands.

Dieses Verhalten führt jedoch lediglich dazu, dass Betroffene sich unentwegt selbst vernachlässigen und ihre eigenen Bedürfnisse ignorieren. Sensible Menschen reagieren mit tiefer Unzufriedenheit, innerer Unruhe bis hin zu Schlafstörungen und Angststörungen.

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Schau' auf dich!

Wer sich in diesem Verhaltensmuster wiederentdeckt, sollte sich tunlichst an der Nase nehmen und sein Verhalten ändern.

  • Zunächst sollten Betroffene sich darüber bewusst werden, dass auch die eigenen Wünsche und Bedürfnisse es wert sind, beachtet zu werden.
  • Halten Sie bei jeder Anfrage inne und fragen Sie sich selbst: Was will ich? Und hören Sie auch auf sich und Ihr Bauchgefühl.
  • Betroffene sollten außerdem davon ausgehen, dass das Gegenüber mit der Entscheidung umgehen kann. Sollte die Person beleidigt reagieren, wird sie sich bald wieder beruhigen.
  • Die US-amerikanische Verhaltenstherapeutin Dr. Debra Kissen rät im Interview mit Refinery zu kleinen Schritten, etwa indem man das Restaurant selbst auswählt statt andere entscheiden zu lassen.

Das Bewusstsein für seine Meinung und Bedürfnisse einzustehen, stärkt das Selbstbewusstsein und macht stark.

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