Psychische Gesundheit

Hochstapler-Syndrom: Von der Angst, entlarvt zu werden

Sie sind klug und kompetent, denken aber, dass Ihr Erfolg bloß ein Irrtum ist? Dann leiden Sie vielleicht unter dem "Hochstapler-Syndrom". Keine Angst, Sie sind nicht alleine.

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Sie fühlen sich wie ein Hochstapler in der Arbeit, weil Sie nicht gut genug sind? Sie sind nicht allein mit diesem Gedanken!
AndreyPopov / iStock

Sie leisten richtig gute Arbeit. Dafür gibt es durchaus stichhaltige Beweise: Ihre Kollegen schätzen Sie, weil Sie kompetent, kreativ und verlässlich sind. Sie erhalten generell positive Leistungsbeurteilungen, sogar eine Beförderung scheint sich anzubahnen.

  • Aber hier ist das Problem: Trotz der Erfolge fühlen Sie sich alles andere als großartig. Sie strahlen Selbstvertrauen aus, aber hinter dieser professionellen Fassade sind Sie sicher, dass irgendjemand herausfinden wird, was Sie wirklich sind – nämlich ganz und gar ungeeignet für Ihren Job! Es kann sich nur noch um Tage, möglicherweise um Stunden handeln, bis das auffliegt.
  • Letztlich haben Sie diese Position nur durch Glück bekommen. An Ihren Fähigkeiten liegt es nicht! Irgendwann werden Sie genau darüber stolpern und die ganze Firma wird erkennen, wie untalentiert Sie in Wahrheit sind!

Kommt Ihnen bekannt vor?

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Überall nur Hochstapler

Herzlich willkommen im Club der geheimen Hochstapler! Wir sind überall. Und wir sind viele. Das Phänomen hat sogar einen Namen, es wurde in den späten 1970er-Jahren von zwei Forschern der Georgia State University als "Impostorsyndrom" (Hochstapler-Syndrom) bezeichnet und – traurig, aber wahr – betrifft in erster Linie hochleistungsfähige Frauen. Frauen, die "herausragende akademische und berufliche Leistungen" (so die Studie) vorweisen können, sich aber dennoch als "intellektuelle Fakes" fühlen.

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Leiden Sie unter "Impostor-Syndrom"?

  • Spielen Sie Ihre Leistungen herunter und denken Sie, das was Sie tun, könnten die meisten anderen auch?
  • Suchen Sie die Gründe für Ihren Erfolg in äußeren Umständen? Also: "Die haben halt gerade jemanden gebraucht für das Projekt und ich hatte Zeit", statt "Sie haben mir die Projektleitung übertragen, weil ich dafür besonders gut geeignet bin"?
  • Haben Sie Angst, dass Ihre "Tarnung" als kompetenter Mensch auffliegt und Sie als Volldillo "entlarvt" werden?

Gratulation. Klingt nach Impostor Syndrom. Und, nein, es ist nicht lustig. Das Problem an chronischen Selbstzweifeln ist, dass sie uns davon abhalten, neue, spannende Herausforderungen anzunehmen. Und das wahrhaft Unfaire daran ist: Echte Hochstapler haben keine. Wer wirklich nichts kann, geniert sich nicht dafür. Nur die Fähigen meinen, nicht gut genug zu sein.

Die gute Nachricht: Das lässt sich in den Griff bekommen!

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7 Tipps gegen die Unsicherheit

  • Finden Sie heraus, was Sie derart verunsichert: Ist es der neue Jobtitel? Ist es ein Treffen auf Führungsebene, zu dem Sie eingeladen wurden? Ist es ein Projekt, um das Sie gebeten wurden? In den meisten Fällen wird die Antwort ziemlich offensichtlich sein.
  • Reden Sie darüber!: Sobald Sie den "wunden Punkt" identifiziert haben, sprechen Sie mit jemandem darüber. Wenn es sich um ein Problem am Arbeitsplatz handelt, sollten Sie sich jemandem anvertrauen, der nicht Ihr Kollege ist. Suchen Sie einen Freund, der Sie aus einem anderen Umfeld kennt und daher die nötige Distanz hat. Er wird besser sehen, ob die Angstgefühle irrational sind. Und wenn er schon dabei ist, soll er Sie gleich an Ihre Stärken erinnern!
  • Erinnern Sie sich an Erfolge: Sehen Sie sich alles an, was Sie erreicht haben, reflektieren Sie die ganze harte Arbeit, die nötig war, um dorthin zu gelangen, wo Sie jetzt sind. Das haben Sie alles geschafft! Sie haben Ihren Platz verdient – Ihre Leistungen sind der Beweis dafür.
  • Ihr Chef ist kein Idiot!: Wer auch immer Sie angeheuert hat, hat eine fundierte, kompetente Entscheidung getroffen. Trauen Sie denjenigen, die Sie eingestellt oder befördert haben, ein wenig Intelligenz zu.

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Sie sind gut genug!

  • Misten Sie Ihre Sprache aus!: Oft boykottieren wir unsere Durchsetzungskraft und unser Selbstvertrauen durch unsere Formulierungen. Streichen Sie "eigentlich", "vielleicht", "wenn es keine Umstände macht", "muss nicht sein" und ähnliches aus Ihrem Vokabular.
  • Versuchen Sie es mit Mentoring bzw. Coaching: Oftmals reicht bereits eine Sitzung aus, um Ihnen neue Impulse zu geben.
  • Trösten Sie sich damit, in guter Gesellschaft zu sein: Das Impostor-Syndrom ist auch ein Zeichen des Erfolgs. Berühmte Schauspieler, Autoren, Künstler, CEOs – sie alle leiden unter Hochstapleritis. Je erfolgreicher, desto größer das Risiko, in die Gedankenfalle zu tappen. Anders gesagt: Wenn Sie sich wie ein Hochstapler fühlen, haben Sie vermutlich etwas richtig gemacht!

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