Psychische Gesundheit

"Prince Charming"-Star Antonio Šošić im Talk über Zwangsgedanken & LGBTQ

Antonio Šošić nahm bei der Datingshow "Prince Charming" teil, hat einen eigenen Podcast und steht offen zu seiner Sexualität. Im Interview spricht er mit uns über seine Zwangsgedanken, Reality-TV und die Entwicklungen in der LGBTQ-Szene.

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Interview Prince Charming Antonio Sosic

Antonio Šošić (Zsolt Marton)

Ex-"Prince Charming"-Kandidat Antonio Šošić nahm 2019 bei der ersten schwulen Datingshow teil und setzt sich in seinem Podcast "Vollqueer – dein schwul-lesbischer Podcast" für mehr Aufklärung innerhalb und zugleich über die LGBTQ-Gemeinschaft ein.

2013 wurden bei Antonio Šošić Zwangsgedanken und Depressionen diagnostiziert. Wir haben ihn im Interview zu seiner Erkrankung befragt und mit ihm über Mental Health in der LGBTQ-Community geredet. Und ja: Das Thema Reality Shows wurde natürlich auch nicht ausgespart.

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gesundheitstrends.com: Antonio, du hast bei der Datingshow "Prince Charming" mitgemacht und mit 19 anderen Kandidaten um das Herz des "TV-Prinzen" gekämpft. Hast du das Gefühl, dass du durch die Reality-Show selbstbewusster zu deiner Sexualität stehst?

Šošić: Ja, dieses Gefühl habe ich definitiv. Immerhin stellt man sich da vor Millionen Zuschauern hin und erzählt seine Geschichte und welche sexuelle Orientierung man hat. Das braucht schon einmal Mut.

gesundheitstrends.com: Man sagt, dass Reality-Shows zur "Verdummung der Gesellschaft" beitragen. Bist du der Meinung, dass das stimmt?

Šošić: Ich würde dieser Aussage nicht zustimmen, immerhin brauchen wir alle einmal ein bisschen Abstand von der Realität, und da eignen sich im eskapistischen Sinne Realityshows ziemlich gut. Man sieht die Probleme von anderen Menschen und denkt sich: "Okay, da ist mein Problem nichts dagegen". Diese Shows sind zwar da, um die Menschen zu unterhalten, trotzdem kann man diese Plattform auch zu Aufklärungszwecken nutzen, um dem Publikum eine Botschaft mitzugeben.

gesundheitstrends.com: Machst du das? Verbreitest du deine Botschaft? Und wenn ja, wie lautet sie?

Šošić: Es ist mir auf jeden Fall wichtig, dass ich den Menschen etwas mitgebe. Meine Botschaft ist, dass wir alle unterschiedlich sind und dass wir alle unser Päckchen zu tragen haben. Und: Es gibt immer einen Ausweg – aus jeder Situation.

 

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gesundheitstrends.com: Du hattest dein Outing aber nicht vor laufender Kamera. Wann hast du dich geoutet und wie hat deine Familie darauf reagiert?

Šošić: Ich habe mich zuerst bei meiner Mutter über SMS geoutet. Es war einfach zu herausfordernd, es ihr ins Gesicht zu sagen und nach der Textnachricht war für eine Zeit lang Funkstille. Ein paar Monate später wollte ich es direkt meinem Vater sagen, dafür hatte ich mir einen ganzen Zettel mit Notizen, Skizzen und Anmerkungen zurechtgelegt. Doch meine Mutter war mir zuvorgekommen und hatte es ihm erzählt. Ich habe ihm meine Notizen trotzdem vorgetragen. Mein Vater ist daraufhin kreidebleich geworden und hat nichts mehr verstanden. Er musste die Neuigkeiten genauso wie meine Mutter zuerst verdauen.

gesundheitstrends.com: Du hast den Podcast "Vollqueer" ins Leben gerufen, um über LGBTQ-Themen aufzuklären. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Šošić: Ich habe meine Podcast-Partnerin Isabell Pettau im November 2019 kennengelernt, woraufhin sich eine Freundschaft entwickelt hat. Eines Morgens hat sie mich angerufen und mir von ihrer Idee erzählt, einen LGBTQ-Podcast zu starten. Ich fand das Konzept spannend, einmal die schwule und einmal die lesbische Sichtweise über LGBTQ-Themen zu hören. Wir wollen unseren Hörern mit dem Podcast zeigen, dass sie nicht allein sind und es jemanden gibt, der genau dasselbe erlebt hat wie sie.

gesundheitstrends.com: In eurem Podcast sprichst du ganz offen über deine Zwangsgedanken. Was kann man darunter verstehen?

Šošić: Zwangsgedanken "bewertet" man generell höher als die Gedanken, die man den ganzen Tag über hat. Zwangsgedanken sind manchmal religiöser oder sexueller Natur, die man aus einem moralischen Aspekt heraus mehr wahrnimmt. Oft hat man das Gefühl, dass man das jetzt nicht denken darf, weil es unmoralisch ist oder, "weil ich ein böser Mensch bin". Dabei haben wir manchmal den ganzen Tag über so komische Gedanken.

Es kann schon vorkommen, dass man bei der U-Bahn steht und sich denkt "Was passiert, wenn ich da jetzt hinunterspringen würde?", obwohl man gar nicht suizidgefährdet ist. Dieser Gedanke poppt einmal auf und verschwindet wieder. Bei Zwangsgedanken funktioniert das nicht so einfach, diese manifestieren sich in unserem Kopf und nehmen den potenziellen Raum für andere Überlegungen ein. Sie überrumpeln einen und sind penetrant. Betroffene leiden sehr darunter, weil die Gedanken, die sie haben, nicht deren eigenen Werten und Moralvorstellungen entsprechen. Es entsteht sozusagen ein innerer Konflikt.

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