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Plötzlicher Kindstod: Wie neuronaler Lärm Babyleben retten kann

Forscher entdeckten, dass häufiges nächtliches Aufwachen Babys vor einem plötzlichen Kindstod retten könnte.

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Neuronaler Lärm könnte Kleinkinder davor bewahren an einem plötzlichen Kindstod zu sterben.
Anchiy / iStock

Haben Sie einen sehr erholsamen und vor allem festen Schlaf? Dann wird es Sie wohl wundern, dass Sie trotzdem bis zu 100 Mal pro Nacht aufwachen. Dieses spontane Erwachen passiert etwa alle fünf Minuten für eine Zeitspanne von 15 Sekunden.

Das bekommen wir jedoch sehr selten mit, wodurch sich die Schlafunterbrechung nicht negativ auf unseren Energiepegel am nächsten Tag auswirkt. Grund für das mehrmalige Aufwachen könnte der neurologische Lärm unserer Gehirnzellen sein.

Dieser könnte unter anderem auch Säuglingen das Leben retten, indem er sie vor dem plötzlichen Kindstod bewahrt. Eine Studie von israelischen Forschern der Bar-Ilan University und amerikanischen Forschern der Boston University befasste sich näher mit der Thematik. Die Untersuchungsegebnisse wurden in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.

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Was ist neuronaler Lärm?

Ein interner biologischer Mechanismus, der seit Urzeiten in unserem Körper verankert ist, führt zu den häufigen Schlafunterbrechungen. Früher hatte das regelmäßige Aufwachen in der Nacht den Nutzen, uns vor Räubern und gefährlichen Wildtieren zu schützen. Was heutzutage das nächtliche Aufwachen auslöst, ist für die Wissenschafter aber weiterhin ein Rätsel. Sie sind jedoch der Meinung, dass es mit dem neuronalen Lärm in unserem Gehirn zu tun hat.

Dieser Lärm bezeichnet die elektrische Aktivität bestimmter Neuronengruppen, die wie ein weißes Rauschen im Radio wahrgenommen werden. Das bedeutet: Auch, wenn wir tief und fest schlafen, "arbeiten" unsere Gehirnzellen unter elektrischer Aktivität weiter. Die Studie zeigt, dass Neuronen, die uns zum Aufwachen zwingen, das elektrische Rauschen im Gehirn verursachen.

Die Neuronen werden durch schlaffördernde Neuronen unterdrückt, die den neuronalen Lärm jedoch nicht komplett "ausschalten" können. Erreicht das "Rauschen" einen bestimmten Pegel, kann es ein Signal an den Körper schicken, welches dazu führt, dass wir aufwachen.

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Zebrafische bringen Lösung

Das Wetter und die Temperatur im Schlafzimmer können das nächtliche Aufwachen ebenfalls beeinflussen. Die Forscher konnten mit Hilfe von Zebrafischen beobachten, wie sich der neuronale Lärm durch die Temperaturregulation verändert. Sie manipulierten die Körpertemperatur der Fische, indem Sie wärmeres oder kälteres Wasser in das Aquarium füllten.

Nach der Analyse der Schlafphasen der Tiere wurde festgestellt, dass die Fische bei wärmerem Wasser seltener aus ihrem Schlaf erwachten. Das erklärt auch, warum wir während der Sommerzeit einen ruhigeren Schlaf aufweisen, da die Wärme den neuronalen Lärm eindämmt. Eine Ausnahme besteht, wenn es zu großer Hitze oder körperlichem Unwohlsein kommt.

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Plötzlicher Kindstod durch fehlenden Lärm?

Die Studienergebnisse können auch neue Zusammenhänge zwischen den Schlafumständen und dem plötzlichen Kindstod (SIDS) herstellen. Dieser tritt besonders bei Säuglingen unter einem Jahr während der Schlafphase auf. Bisher ist der tatsächliche Grund für SIDS ungeklärt: Prinzipiell sollte beim Kind jedoch eine Schlafposition in Bauchlage, eine zu warme Zimmertemperatur und der Gebrauch von Bettwäsche (große Decken etc) vermieden werden.

Die Forscher sind der Meinung, dass die Thermoregulation des Körpers bei Säuglingen noch nicht vollwertig entwickelt ist. Ihre Körpertemperatur wird durch die Umgebungs- und Raumtemperatur (wie bei den Fischen im Experiment) stärker beeinflusst. Schlafen die Babys unter einer warmen Decke oder im einem sehr warmen Raum, haben Sie verminderten neurologischen Lärm im Gehirn und wachen dadurch seltener auf. So kann das Risiko für SIDS steigen.

Wacht der Säugling öfter auf (in einem kühleren Zimmer zum Beispiel), hat er die Möglichkeit sich mehr zu bewegen, seine Schlafposition zu ändern oder die verrutschte Decke vom Gesicht zu ziehen und so die Atemwege freizuhalten.

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