Psychische Gesundheit

Präsentismus: Warum wir krank zur Arbeit gehen

Ein Drittel der Österreicher geht krank zur Arbeit, weil sie Konsequenzen fürchten. Das kann körperliche und psychische Folgen haben.

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Angestellte sollten nicht krank arbeiten gehen
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Viele kennen das Problem: Man hat eine starke Erkältung, schleppt sich aber trotzdem ins Büro. Schuld daran sind zum Beispiel folgende Überlegungen, die im Kopf umhergeistern:

  • "Bald habe ich Urlaub, jetzt in den Krankenstand zu gehen, sieht blöd aus"
  • "Ich bin zu krank fürs Büro, aber zu gesund, um zuhause zu bleiben"
  • "Meine Arbeit bleibt liegen, wenn ich sie nicht erledige"
  • "Ich möchte meinen Kollegen nicht meine Arbeit aufhalsen"
  • "Mein Chef sagt, ich bin dauernd krank"
  • "Mein Vorgesetzter redet schlecht über mich, wenn ich im Krankenstand bin"

Für viele ließe sich diese Liste endlos fortführen. Das Phänomen, krank zur Arbeit zu erscheinen, hat sogar einen Namen, nämlich "Präsentismus".

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Keimschleuder im Dienst

Je nach Branche ist die Neigung zu Präsentismus verschieden stark ausgeprägt. Eine Befragung aus dem Arbeitsgesundheitsmonitor des IFES kam zum Ergebnis, dass Polizisten, Friseure und Köche am ehesten in Krankenstand gehen, Geschäftsführer, Regalbetreuer und Wissenschafter schleppen sich hingegen am häufigsten mit Schnupfennase & Co an den Arbeitsplatz.

Insgesamt gehen ein Drittel aller Unselbstständigen in Österreich arbeiten, obwohl sie nicht gesund sind. Durchschnittlich befinden sie sich pro Jahr 12,5 Tage (inkl. Wochenenden) in Krankenstand, Kurzzeitkrankenstände exklusive. Die Rate an Bettruhe-Verweigerern (33 Prozent) hält sich in den letzten fünf Jahren konstant, während der Wirtschaftskrise trauten sich sogar noch weniger in den Krankenstand.

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Gründe für Präsentismus

In der Befragung nannten die Teilnehmer unter anderem folgende Gründe für die Arbeit trotz Erkältung oder anderer Beschwerden:

  • 6 von 10 gaben ein Pflichtgefühl gegenüber der Kollegen an
  • die Arbeit bleibt liegen, wenn sie sich nicht darum kümmern können
  • Angst vor Konsequenzen, sogar vor der Kündigung betrifft vor allem Arbeiter (24 Prozent), dann Angestellte (12 Prozent) und zuletzt öffentlich Bedienstete (9 Prozent)

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Verkühlt, verschleppt, verlängert

Wer krank zur Arbeit geht, riskiert eine längere Krankheitsdauer, die mitunter sogar zu einem längeren Ausfall führen kann. Viele sind außerdem unkonzentriert, machen eher Fehler und können die Kollegen anstecken. Nicht zu vergessen sind überdies die psychischen Folgen des Präsentismus, wie die Angst vor einer Kündigung, die in Österreich auch während eines Krankenstandes möglich ist.

Vorgesetzte sollten Mitarbeiter, die krank bei der Arbeit erscheinen, nicht loben, sondern Sie dazu zu bewegen, sich auszukurieren. Arbeiten von zuhause ist dabei auch keine echte Alternative, sondern kann genauso stressig sein.

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