Psychische Gesundheit

Studie: Kindheitstraumata fördern PTBS-Erkrankung

Wer an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkrankt, leidet unter belastenden Flashbacks oder Albträumen. Doch wie kommt es überhaupt dazu und was genau passiert im Gehirn bei PTBS-Patienten?

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Wer unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet, hat zuvor ein Trauma erlebt.
fizkes / iStock

Ein traumatisches Erlebnis zu verarbeiten, kann für viele Personen unglaublich schwierig sein. Opfer von sexueller Gewalt, Unfällen oder Naturkatastrophen haben häufig mit quälenden Erinnerungen an das Erlebte zu kämpfen. Die Betroffenen fühlen sich dabei durch wiederkehrende Flashbacks in die traumatische Situation zurückversetzt. Dies ist in der Psychotraumatologie als "Intrusion" bekannt, welche das stärkste Merkmal einer posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) darstellt.

In westlichen Ländern entwickeln bis zu fünf Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens eine PTBS. Meist tritt diese innerhalb eines halben Jahres nach dem traumatischen Geschehnis ein. Österreichische Forscher haben sich dazu die Vorgänge im Gehirn von PTBS-Betroffenen etwas genauer angesehen. Die Studienergebnisse wurden im "Biological Psychiatry" veröffentlicht.

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Prägende Lebensereignisse

Für die Studie zeigten die Wissenschafter der Universität Salzburg 53 gesunden Frauen gewalttätige Filmausschnitte, die Gewalt und körperliche Verletzungen veranschaulichten.

  • Währenddessen wurden mit einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), die aktivierten Hirnareale der Probandinnen aufgezeichnet.
  • In den darauffolgenden Tagen berichteten die Teilnehmer mit Online-Fragebogen von wiederkehrenden und belastenden Erinnerungen an die gezeigten Filmausschnitte.
  • Im Abgleich mit den aufgezeichneten Hirnaktivitäten konnten die Forscher ermitteln, wie der Verstand mit solchen emotionalen Ereignissen umgeht.

"Es zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen einer Überaktivierung in bestimmten Hirnregionen – nämlich denjenigen, die insbesondere für die Verarbeitung von Bedrohung, für Emotionsregulation und die Abspeicherung von Gedächtnisinhalten zuständig sind – und vermehrten Intrusionen. Dies war jedoch nur bei denjenigen Personen der Fall, die – laut ihren Fragebogenangaben – zuvor schon 5 oder mehr belastende Lebensereignisse erlebt hatten", erklärte Julina Rattel, die Erstautorin der Studie.

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Neue Behandlungsansätze

Probandinnen, die über keine oder nur sehr wenige negative Lebensereignisse berichtet hatten, zeigten zwar auch eine vermehrte Gehirnaktivität auf, doch die Intrusion nach dem Film blieb daraufhin aus. Das Forscherteam konnte dadurch auf individueller Ebene zeigen, dass nur die Kombination aus ungünstiger neuronaler Verarbeitung eines Traumas und bereits durchgemachten negativen Lebensereignissen, besonders in der Kindheit, zu Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung führt.

Die ermittelten Studienergebnisse könnten dabei helfen, präventive Interventionen nach traumatischen Erlebnissen und neue Behandlungsansätze für PTBS-Betroffene zu entwickeln. "Es stellt sich die Frage, ob man eventuell durch Emotionstraining die Befunde umkehren kann. Wenn Personen, die schon mehrere traumatische Erlebnisse hatten, ein Emotionsregulationstraining bekommen, welches spezifisch auf die von uns identifizierten Gehirnnetzwerke wirkt, sollte das zu einer höheren Resilienz gegenüber realen traumatischen Erlebnissen führen", erklärte Rattel.

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Professionelle Hilfe

Leiden Sie oder ein Freund oder Bekannter unter der posttraumatischen Belastungsstörung, dann sprechen Sie unbedingt mit einer Vertrauensperson über die Situation. Haben Sie das Gefühl, dass Sie ohne Hilfe nicht alleine mit dem psychischen Stress zurechtkommen, dann können Sie unter anderem bei folgenden Beratungsstellen mit professionellen Seelsorgen in Kontakt treten:

  • Die österreichweite Telefonseelsorge (Notruf 142) ist 24 Stunden besetzt und für Betroffene erreichbar.
  • Das Wiener Kriseninterventionszentrum steht für eine anonyme Beratung per Telefon und E-Mail zur Verfügung. Persönliche Erstgespräche sind ebenfalls möglich. Weitere Informationen finden Sie auf der Website.

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