Psychische Gesundheit

Frieden schließen mit dem inneren Kind: Wie Sie Ihr Schattenkind trösten & Ihr Sonnenkind stärken

Jeder von uns hat Licht- und Schattenseiten, die von unserem inneren Kind geprägt sind. Wie Sie es schaffen, sich mit ihm zu versöhnen, erfahren Sie hier.

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Sonnen- und Schattenkinder finden
Nadezhda1906 / iStock

Wenn wir das Licht der Welt erblicken, sind wir ein unbeschriebenes Blatt. Erst durch unsere Kindheit und Erfahrungen in jungen Jahren nehmen wir Form an. Dabei nehmen wir sowohl Licht- als auch Schattenseiten mit, tragen ein "Sonnenkind", aber auch ein "Schattenkind" in uns. Die Autorin und Psychologin Stefanie Stahl schreibt in ihrem Buch "Das Kind in dir muss Heimat finden" darüber, wie wir mit dem labilen Teil unserer Psyche Frieden schließen können und dadurch unsere sonnige Seite befreien können. Wie auch Sie zu Ihrem inneren Kind finden und warum dieser Ansatz so essenziell für ein glückliches Leben ist, erfahren Sie hier.

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Schutzstrategien und ihr Ursprung

Unter dem Schattenkind versteht man all jene Ausprägungen unserer Persönlichkeit, die negativ behaftet sind. Dazu zählen beispielsweise Wut, Trauer, Angst oder Unsicherheit. Doch gerade derartige Emotionen kommen nicht von jeher. Resultierend daraus, in wie weit unsere psychischen Grundbedürfnisse als Kind gestillt wurden, bauen wir einen Schutzpanzer auf. Dieser soll uns vor neuen Enttäuschungen schützen. Oft hat also nicht unser rational denkendes "Erwachsenen-Ich" die Fäden in der Hand, sondern viel mehr unser verletztes Schattenkind, welches sich im Unterbewusstsein versteckt. Neben unseren angeborenen Fähigkeiten nehmen wir derartige Muster besonders in unserer Kindheit auf, hervorgerufen durch unsere nächsten Bezugspersonen. Diese vermitteln uns entweder das Gefühl, dass wir in Ordnung sind oder eben nicht.

Das "eben nicht" wird laut der Autorin von missachteten Wünschen, nach welchen wir uns sehnen, gefüttert. Dabei gilt es vier zentrale Bedürfnisse zu beachten, welche abhängig von den Erfahrungen unterschiedlich stark ausgeprägt sind:

  • Autonomie und Sicherheit
  • Bindung
  • Lustbefriedigung bzw. Unlustvermeidung
  • Selbstwerterhöhung bzw. Anerkennung

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Schattenkinder wollen gesehen werden

Geraten wir also in einen Konflikt schaltet unser Schattenkind Alarm und macht sich mit seinen Schutzstrategien bereit zur Abwehr. Dies geht oft so weit, dass die Schattenseite unsere Wahrnehmung verzerrt, was sich besonders im Streit bemerkbar macht. Während es von außen so aussehen mag, als ob zwei vernünftige Erwachsene miteinander über diffuse Themen diskutieren, stehen sich eigentlich zwei verletzte innere Kinder gegenüber. So kann der Streit über teure Ausgaben für den einen Partner bloß das Bedürfnis nach Lustbefriedigung darstellen, während das Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit beim anderen Partner ins Wanken gerät. Klar ist, dass der Teufelskreis erst dann sein Ende findet, wenn wir bereit sind uns unseren tatsächlichen Ängsten und unschönen Kindheitserinnerungen zu stellen. Reflexion ist hierbei das Stichwort und spielt eine zentrale Rolle, um nicht in die Schutzmechanismen der Kindheit zu verfallen.

Damit man derartige Verhaltensmuster und Erlebnisse aufarbeiten kann, eignet sich beispielsweise eine Visualisierung der Glaubenssätze und Ängste der Kindheit. Erst dann kann man Schlüsse ziehen, warum man selbst oder sein Gegenüber dementsprechend auf verschiedene Situationen reagiert.

Die unten abgebildete Grafik veranschaulicht, wie das Reflektieren der eigenen Glaubenssätze Klarheit schaffen kann.

Das Kind in dir muss Heimat finden / kailash

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Sonnenkinder ins Licht Rücken

Das Gegenstück zu unserem Schattenkind, bildet das "Sonnenkind". Es ist für das Urvertrauen in uns, aber auch in andere Menschen verantwortlich und dementsprechend eng mit unserem Selbstwertgefühl verknüpft. Das Sonnenkind spiegelt also all unsere positiven Charaktereigenschaften und Erfahrungen wieder und muss gestärkt werden, um von einem glücklichen Leben profitieren zu können. Wie das funktioniert, verraten Ihnen die folgenden Tipps:

  • Positive Glaubenssätze: Wir tragen nicht nur negative Erkenntnisse aus der Vergangenheit in uns. Viele bekommen das Gefühl von Liebe und Wertschätzung durchaus in die Wiege gelegt. Mit diesen Emotionen gehen unser Urvertrauen und unser Selbstwert einher, weshalb wir sie uns stets vor Augen halten sollten.
  • Stärken & Energiequellen: Neben den genannten Schwächen zeichnen uns natürlich auch die unzähligen Stärken aus. Wir besitzen viele positive und hilfreiche Ressourcen, welche uns beim Überwinden der Schattenseiten zur Seite stehen. Diese Energie können Sie sich aus einer intakten Beziehung, Ihrem sozialen Wesen oder schlicht aus einemSpaziergang in der Natur beziehen.
  • Werte bestimmen: Um die Schutzstrategien unseres Schattenkinds angemessen abfangen zu können, bestimmen Sie Grundsätze, welche Ihnen als wichtig erscheinen. Dabei sollte man vor allem Werte wählen, die unsere Ängste ausbügeln können. Sollte Ihr Schutzpanzer also für übertriebene Perfektion stehen, nehmen Sie sich Gelassenheit und Selbstliebe als Gegenmaßnahme vor.
  • Innere Anker setzen: Versuchen Sie sich ab und an die erwähnten Sonnenseiten Ihrer Persönlichkeit vor Augen zu führen. Gehen Sie Ihre positiven Glaubenssätze, die Stärken und Ressourcen sowie die von Ihnen bestimmten Werte Schritt für Schritt durch. So verschaffen Sie Ihrem inneren Sonnenkind einen beständigen Platz in Ihrem Bewusstsein.

Auch hier kann die Visualisierung des Sonnenkinds von Vorteil sein und dabei helfen, die oben genannten Lichtseiten unseres Daseins einzufangen.

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Schattenkind trösten & Sonnenkind stärken

Begegnen wir im Alltag schwierigen Situationen, ist es wichtig, diese angemessen zu reflektieren. Oft reicht es unserem Schattenkind schon, einfach nur gesehen zu werden. Sollte Ihnen jemand Unrecht tun, versuchen Sie sich also folgende Frage zu stellen: "Würde ich meinem Gegenüber verzeihen, wenn er ein Kind wäre?" Denn nichts anderes passiert meist, wenn zwei innere Schattenkinder in Form von Schutzmechanismen aufeinandertreffen. Niemand ist perfekt und so sind es auch nicht unsere nächsten Bezugspersonen.

Natürlich darf man auch hier nicht alle in einen Topf werfen. Viele profitieren durchaus von einer gesunden und glücklichen Kindheit. Dennoch lässt es sich meist nicht vermeiden, dass wir das ein oder andere Päckchen zu tragen haben. Umso wichtiger ist es also, unser Schattenkind zu finden und zu trösten, während wir unserem Sonnenkind zu neuer Kraft verhelfen.

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