Psychische Gesundheit

Spleen oder Zwang: Wie viel Tick ist noch normal?

Spleens strukturieren den Alltag, sind oft amüsant oder schon längst zur Routine geworden. Doch der Grat zwischen Spleens und einer Zwangsstörung ist manchmal schmal.

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Zwänge erkennen und ablegen
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Sie können auf dem Gehsteig nicht auf Linien treten? Müssen Sie nochmal zurückgehen, um zu kontrollieren, ob die Herdplatte aus ist? Und checken Sie im Minutentakt, ob das Smartphone klingelt?

Eine kleine Umfrage in der Redaktion hat gezeigt: So ziemlich jeder hat einen Spleen, eine eigenwillige Angewohnheit, die auf andere komisch wirken mag und die man deshalb lieber für sich behält.

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Spleens bieten Struktur

Spleens strukturieren den Alltag vieler Menschen, zum Beispiel wenn im Supermarkt nicht der erste Einkaufswagen genommen wird, sondern erst der zweite oder dritte. Oft manifestiert sich ein Spleen schon in der Kindheit und wird im Erwachsenenalter beibehalten. Darunter fällt die Angewohnheit, stets den rechten Socken zuerst anzuziehen oder den Kaffee am Sonntag nur aus einem bestimmten "Häferl" zu trinken.

Ein Spleen

  • ist harmlos,
  • gibt Sicherheit im Alltag,
  • schafft Routine,
  • bietet Struktur,
  • kann unterlassen werden.

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Tick oder Zwang?

Der Grat zwischen Spleen und Zwangsneurose ist schmal. Passiert es, dass doch mal die linke Socke angezogen wurde, weil man gerade mit den Gedanken woanders war, sollte keine Welt zusammenbrechen. Genau hier liegt die Grenze zu einer Zwangshandlung. Denn gerät die amüsante Macke außer Kontrolle, ist Vorsicht geboten.

Bei einer Zwangsstörung

  • wird der Zwang als solcher erkannt.
  • Die Handlung ist dennoch schwer zu unterbinden,
  • obwohl sie als störend und sinnlos empfunden wird,
  • im Alltag einschränkt oder dieser nicht zu bewältigen ist
  • und man sich gerne dagegen wehren würde.

Eine Zwangsstörung wird nach der Internationalen Klassifikation der psychiatrischen Krankheiten (ICD-11, von der WHO herausgegeben) diagnostiziert. Dazu zählt etwa, wenn eine Person das Haus nicht mehr verlässt, weil sie unentwegt putzen oder Hände waschen muss.

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So durchbrechen Sie Ihren Zwang!

Je früher das Krankheitsbild erkannt und behandelt wird, desto schneller kann man die Störung wieder loswerden. Fühlt man sich durch die Zwangshandlungen gestört, weil sie die Kontrolle übernehmen und den Alltag beherrschen ohne, dass man selbst aus dem Handlungsmuster ausbrechen kann, sollte unbedingt ein Arzt oder Psychotherapeut aufgesucht werden.

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