Psychische Gesundheit

Studie: Stress verstärkt unser Mitgefühl

Stress ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Seine Auswirkungen auf den Körper sind bedenklich, aber zumindest gut erforscht. Wissenschaftler stellen nun die Frage: Wie wirkt Stress auf unser Verhalten?

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Stress wirkt sich meist negativ auf unser Verhalten aus und beeinflusst sogar die Art wie wir fühlen.
Nattakorn Maneerat / iStock

Wann haben Sie zuletzt Ihren Partner oder Ihr Kind angefahren einfach, weil Sie im Büro einen stressigen Tag hatten? Dass uns Stress ungeduldig und aufbrausend macht, galt lange Zeit als unumstritten. Es scheint aber nicht zu stimmen.

  • Aktuelle Studien sprechen eine andere Sprache: Stress erhöht unsere Empathie-Fähigkeit. Und das nicht nur, wie zuletzt postuliert, bei Frauen, sondern auch bei Männern.
  • Hormone, die durch Stress ausgeschüttet werden, stellen den Körper also nicht notwendiger Weise auf "Flight or fight" (Flucht oder Kampf) ein, sondern auf "Tend and befriend" (Kümmern und anfreunden).
  • Das führt zu prosozialem Verhalten, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit wie eine von Wiener Forschern durchgeführte Verhaltensstudie nun zeigt.

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Das Empathie-Experiment

Empathie, also unsere Fähigkeit, die Gefühle anderer nachzuempfinden, ist der Schlüssel zu unseren prosozialen Verhaltensweisen. Sie ermöglicht uns, eine emotionale Verbundenheit mit unseren Mitmenschen aufzubauen.

  • In einer Studie, die im Fachjournal "Social Cognitive and Affective Neuroscience" veröffentlicht wurde, beobachteten Forscher die Auswirkung von Stress auf unsere Emotionen.
  • Die neuronale Aktivität im "Empathienetzwerks" des Gehirns und die Großzügigkeit der Probanden während des Experiments. Letztere wurde als Indikator für prosoziales Verhalten herangezogen.
  • In einer künstlichen Stresssituation mussten 80 Männer unter Zeitdruck schwierige mathematische Aufgaben lösen. Währenddessen wurden sie laufend negativem Feedback ausgesetzt.
  • Im Anschluss wurden ihnen Bilder von medizinischen Eingriffen an einer Hand gezeigt. Ein Teil der Versuchspersonen erhielt die Zusatzinformation, dass die Hand betäubt war.

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Mitgefühl unter Stress erhöht

Fazit: Unabhängig von dieser Information hatten die zuvor gestressten Männer stärkere Reaktionen in ihrem Empathienetzwerk. Sie konnten den Schmerz der Handverletzung besser nachspüren als die Kontrollgruppe.

  • Dass die Hand betäubt war, spielte dabei keine Rolle. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass unter Stress zwar unser Einfühlungsvermögen wächst, jedoch die Perspektivübernahme nur eingeschränkt funktioniert.
  • Auch erwiesen sich die Versuchspersonen in einem Verhaltens-ökonomischen Spiel, bei dem sie Geldbeträge verteilen mussten, als freigiebiger als Menschen ohne Stress.
  • Inwiefern diese Erkenntnisse auf den Alltag übertragbar sind, bleibt abzuwarten. Denken Sie in der nächsten Stresssituation daran, dass Sie in Wahrheit empathisch und großzügig sind.

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