Ernährung

Können wir Fisch noch mit gutem Gewissen genießen?

Sie essen gerne Fisch, wollen aber ökologisch korrekt handeln? Welche Gütesiegel gibt es und wofür stehen sie?

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Welchen Fisch dürfen wir noch essen?
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Massive Überfischung, schwindende Fischbestände, ökologisch bedenkliche Aqua-Kulturen und der gesundheitsgefährdende Einsatz von Futtermittelzusätzen und Antibiotika all das verleiht dem Verzehr von Fisch einen bitteren Beigeschmack. Wer kann da noch mit gutem Gewissen Fisch essen? Fakt ist, Konsumenten sollten die Probleme ernst nehmen und bewusste Kaufentscheidungen treffen. Aber welche?

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Welche Gütesiegel für den Fischkauf gibt es?

Keine Frage, Fisch ist gesund, bekömmlich und seine Zubereitungsarten sind vielfältig. Doch die Schattenseiten und Folgen, die der Fischfang mit sich zieht, sind fatal. Es lohnt sich, beim Kauf auf Gütesiegel zu achten.

Wir haben die gängigsten Siegel für Sie zusammengefasst:

  • MSC: Das blaue Marine Stewardship Council-Siegel (MSC) ist das bekannteste Siegel. Dabei wird darauf geachtet, dass der Fisch nur aus zertifizierter, nachhaltiger Fischerei stammt. Greenpeace und andere Umweltorganisationen kritisieren das Siegel immer wieder aufgrund des rasanten Wachstums (der MSC zertifiziert immer mehr Betriebe), auch wird u.a. immer wieder problematischer Fischfang, der dennoch zertifiziert wurde, nachgewiesen. Viele Verbände fordern daher Reformen.
  • ASC: Aquakulturen gelten als Lösung gegen die Überfischung der Weltmeere, allerdings ist auch die Fischzucht nicht unproblematisch. Auf zu engem Raum steigt die Anfälligkeit für Infektionen, weshalb Antibiotika eingesetzt werden. Die Medikamente sind nicht nur schlecht für Mensch und Tier, sondern laufen auch, gemeinsam mit Chemikalien, die den Algenwuchs und andere Lebewesen bekämpfen sollen, ins Meer aus und schaden dem wilden Lebensraum. Fischfutter stört das natürliche Gleichgewicht, da Lachs oder Zander zu den fischfressenden Arten gehören. Diesen Problemen möchte das Aquaculture Stewardship Council-Siegel (ASC) ein Ende setzen und setzt sich daher für nachhaltige Fischzucht ein. Das ASC-Siegel wird an Betriebe vergeben, die Standards wie Wasserqualität, Fischdichte, kontrollierte Antibiotika-Gabe und auch soziale Standards der Mitarbeiter berücksichtigen.
  • GLOBAL G.A.P.: Auch das Global G.A.P. Qualitätssicherungs- und Zertifizierungssystem (GGN-Logo) steht für gewisse Standards in Aquakulturen.
  • Dolphin-Safe: Der Thunfischfang steht u.a. deshalb so in der Kritik, weil auch Delfine ins Netz gehen. Das Dolphin-Safe-Siegel mit dem SAFE-Logo steht für Delfinsicherheit.
  • FOS: Das "Friend of the Sea"-Siegel steht für nachhaltigen Wildfang und ökologische Aquakulturen. Seitens der Verbände gibt es für das Siegel sowohl Lob als auch Kritik.
  • Naturland: Das grüne Naturland-Siegel steht für ökologische Aquakulturen und setzt auf Kriterien wie u.a. langsames Wachstum, natürliche Fortpflanzung und ausreichend Platz.
  • EU-Bio-Gütesiegel: Produkte, die mit Bio-Siegel der Europäischen Union versehen wurden, entsprechen den EU-Bio-Verordnungen und gelten als umweltschonend.
  • Biofisch: Das biofisch-Siegel steht für heimische, biologische und nachhaltige Fischzucht.

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Warum Fisch-Gütesiegel nicht alles sind

Sie sehen, auf Gütesiegel zu achten ist nur ein kleiner Schritt in Richtung Problemlösung, aber immerhin ein Anfang. Die verschiedenen Fischsiegel stehen für unterschiedliche Kriterien und Anforderungen. Sie sind, wie man am Beispiel MSC sieht, oft selbst nicht das Gelbe vom Ei, aber wenigstens schärfen sie das Bewusstsein und fördern ein Umdenken seitens der Betriebe und der Konsumenten. Worauf Sie daher beim Fischkauf außerdem achten sollten, lesen Sie hier:

  • Fisch sollte eine besondere Mahlzeit sein. Zwei bis drei Mal pro Woche billigen Tiefkühldorsch essen? Bloß nicht! Essen Sie lieber seltener Fisch, achten Sie dafür mehr auf (Bio-) Qualität. Fische sind schließlich Lebewesen, die ein Recht auf artgerechte Lebensumstände haben. Alternativen, wie Sie auch ohne Fisch genügend Omega-3-Fettsäuren zu sich nehmen können, finden Sie hier.
  • Frischer Fisch ist guter Fisch. Hat er klare Augen, glänzende Haut und sitzen die Schuppen fest, kommt er direkt aus dem Wasser. Falsch gelagerter Fisch fördert die Bildung von Mikroorganismen. Eine kurze Lagerung spricht für heimische, regionale Fische wie Karpfen oder Forelle aus ökologisch unbedenklichen Aquakulturen versteht sich.
  • Kaufen Sie nur erwachsene Fische. Der WWF empfiehlt, keine Babyfische zu kaufen, da diese noch nicht geschlechtsreif sind und nicht für Nachkommen sorgen können. Ihr Fischhändler kann Sie darüber aufklären.
  • Nutzen Sie Online-Kaufhilfen. Das Smartphone hat auch etwas Gutes, immerhin können Sie direkt im Supermarkt nachsehen, ob Sie für den Kauf eines bestimmten Fischs grünes Licht erhalten. Orientierungshilfe in Form von Apps und Fischratgebern gibt es von verschiedenen Anbietern, u.a. auch vom WWF oder von Greenpeace.
  • Fragen Sie nach. Durch Ihre Nachfrage schaffen Sie Bewusstsein dafür, dass Konsumenten Herkunft, Qualität und Nachhaltigkeit am Herzen liegen.

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