Ernährung

Die Krux mit dem heimischen Obst und der Klimabilanz

Ist regional wirklich immer die beste Wahl?

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Vorteile und Nachteile von heimischen Produkten
PierreDesrosiers / iStock

Kaufen wir Obst und Gemüse, ist die Entscheidung ganz leicht: Bio und regional sollen unsere Lebensmittel sein. Bio, weil wir auf Pestizide gut und gerne verzichten können und regional, weil wir auch auf unseren ökologischen Fußabdruck achten. Um Ware aus Neuseeland oder Chile macht der umweltbewusste Konsument also einen großen Bogen. Klimaexperten zufolge ist es aber leider nicht ganz so einfach, es gibt noch einige andere Aspekte, die zu beachten sind.

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Regional ist nicht immer besser

Produkte aus Übersee legen per Schiff oder Flugzeug lange Transportwege zurück, eine Tatsache, die die CO2-Bilanz traurig aussehen lässt. Dr. Michael Blanke von der Universität Bonn untersuchte bereits 2005 in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die Unterschiede im Energieaufwand von heimischen und importierten Äpfeln. Um die tatsächliche Klimabilanz eines Produkts herauszufinden, spielen allerdings mehrere Faktoren eine Rolle.

  • Anbau. Bio-Produkte sind aufgrund der fehlenden Pestizidrückstände gesünder als jene aus konventionellem Anbau. Für die Ökobilanz ist das aber nicht immer besser: Ist das Tiefkühlprodukt zwar Bio, dafür aber verpackt, weit gereist und verbraucht für die Lagerung viel Energie, schneidet es insgesamt schlechter ab. Auch auf das Gewächshaus kommt es an: Neben Glashäusern, die mit fossilen Energieträgern beheizt werden, gibt es auch welche, die mit erneuerbarer Energie auskommen. Wachsen Obst oder Gemüse in warmen Ländern "von selbst" oder in Gewächshäusern, die nicht beheizt werden, ist dies für die Ökobilanz unterm Strich vorteilhafter – trotz Imports.
  • Lagerung. In unseren Breitengraden wachsen im Winter keine Äpfel. Österreichische Äpfel, die während der kalten Jahreszeit im Supermarkt erhältlich sind, lagern in Kühlhäusern, um frisch zu bleiben und das verbraucht unglaublich viel Energie.
  • Transport. Letztendlich spielt neben der Entfernung auch die Auslastung eine Rolle. Eine große Menge mit dem Schiff zu transportieren ist besser als viele kleine Ladungen mit dem PKW. Daher muss auch der persönliche Transport hinzugerechnet werden: Wer das Auto stehen lässt und zu Fuß geht oder mit dem Rad fährt, tut viel für die Umwelt und trägt einen großen Teil dazu bei, die Summe der CO2-Bilanz zu minimieren.
  • Verpackung. Es ist immer gut, Produkte zu kaufen, die so wenig wie möglich verpackt sind.

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Saisonal ist das Zauberwort

Ja, Einkaufen kann ganz schön kompliziert sein. Wir können nicht überprüfen, wie es um den tatsächlichen Energieaufwand oder den Wasserverbrauch steht. Warum sollten wir uns überhaupt noch die Mühe machen und auf Herkunft, Anbau und Produktion achten? Lohnt sich der Aufwand? Nun ja, weil uns die Umwelt am Herzen liegt, unsere Gesundheit, die Zukunft.

Ganz so schwierig ist es dann nämlich auch wieder nicht.

  • Bei frischen Produkten im Zweifel immer Bio und vor allem saisonal wählen, denn da benötigen Anbau und Lagerung am wenigsten Energie. Dann macht auch die regionale Herkunft durchaus Sinn.
  • Vertrauen Sie Ihrem Hausverstand: Werden im Jänner Himbeeren angeboten, gibt es einen Haken.
  • Bauen Sie so viel wie möglich selbst an. Wer keinen Garten oder Balkon hat, der kann immerhin Kräuter züchten, die oft genutzt werden, etwa Schnittlauch, Petersilie oder Basilikum.
  • Verschwenden Sie keine Lebensmittel (Stichwort Restlküche).

Die Faustregel für den nachhaltigen Einkauf lautet demnach: Kurze Transportwege, so wenig Verarbeitung und Verpackung wie möglich sowie saisonale Produkte.

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