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Ist das Papiersackerl wirklich besser als Plastik? Wir machen Schluss mit der Sackerl-Debatte

Spoiler: Am besten ist immer noch das Stoffsackerl, das Sie stets bei sich tragen.

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Ist das Plastik-, Stoff- oder Papiersackerl besser?
Bogdan Kurylo / iStock

Auf dem Heimweg besorgen wir nur noch schnell ein paar Lebensmittel im Supermarkt – und kommen an der Kassa in die Zwickmühle. Welches Sackerl sollen wir nehmen? Plastik keinesfalls, ist es doch verpönt und ab 2020 müssen wir ohnehin ohne auskommen. Also lieber Papier, wegen des ökologischen Fußabdrucks. Oder Halt – vielleicht doch besser abbaubares Bio-Plastik? Und dann wären da noch Sackerl aus Maisstärke.

Wir klären auf, welches Sackerl wir mit gutem Gewissen verwenden können, warum das Papiersackerl nicht unbedingt die grünere Alternative ist und worauf es wirklich ankommt.

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Plastik, Papier, Stärke, Stoff –  was darf's denn sein?

Wie steht es wirklich um die Ökobilanz der erhältlichen Sackerl-Variationen?

  • Plastiksackerl: Das "stinknormale" Plastiksackerl besteht zwar aus Polyethylen (PE), das an und für sich weniger umweltschädlich ist und sich auch gut recyceln lässt. Aber: Für die Herstellung wird Erdöl verwendet, wodurch die Halbwertszeit bis zu 500 Jahren betragen kann. Die Bilder der verschmutzten Meere und toten Tiere, deren Mägen mit Plastik gefüllt sind, sind leider bekannt.
  • Recycling-Plastiksackerl: Weil es kein Neumaterial braucht, ist der CO2-Ausstoß niedriger. Ansonsten gelten dieselben Nachteile wie beim herkömmlichen Plastiksack.
  • Sackerl aus Stärke: Hier wird viel geschummelt, denn diese Variante besteht nicht zu 100% aus Stärke, sondern auch aus einem hohen Anteil erdölbasierten Kunststoffs. Mais oder Zuckerrohr sind zwar die Basis, allerdings stammen diese oft aus pestizidbelasteten Monokulturen und sind damit erst recht eine Umweltsünde. Auch wird mit ihrer Kompostierbarkeit geworben, aber selbst das ist Humbug. Im Garten können sie nicht kompostiert werden und die Kompostieranlage kann sie nicht von normalem Kunststoff unterscheiden, weswegen die Sackerl aussortiert und verbrannt werden.
  • Papiersackerl: Auf den ersten Blick hat Papier viele Vorteile zu bieten, ist es doch recyclebar, nicht giftig und schneller abbaubar. Doch Papier ist nicht sehr belastungsfähig und wird schnell kaputt. Weil die Herstellung Rohstoffe und Energie verbraucht, das Produkt aber vergleichsweise nicht lange in Verwendung ist, hat Papier insgesamt eine schlechte Ökobilanz.

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Mehrweg ist der Schlüssel

Wir sehen, alle Varianten haben Vor- und Nachteile. Ist es deshalb hoffnungslos, die Umwelt zu schützen? Keineswegs! Es geht nämlich im Grunde darum, keine Ressourcen mehr zu verschwenden, egal welche. Denn stellen wir den Verbrauch auf andere Materialien, etwa von Plastik auf Papier, um, drohen auch hier Müll- und Verpackungsberge sowie Energie- und Ressourcenverschwendung, nur an anderer Stelle.

Gemüsenetz ist praktisch

Setzen wir also stattdessen auf die Permanent-Tragetasche, den Baumwollbeutel oder das Netz für Obst und Gemüse (siehe Bild oben).  Auch hier kostet die Herstellung Energie und Ressourcen, aber Umweltexperten sind sich einig: Alles, was mehrmals verwendet wird und nicht in der Umwelt landet, punktet. Mehrweg bedeutet weniger Abfall, weniger CO2-Ausstoß und weniger Verschwendung von Rohstoffen und Energie.

Uns sollte aber klar sein, dass sich diese Mehrweg-Varianten erst nach mehrmaliger Verwendung rentieren. Damit Mehrwegtaschen in der Ökobilanz besser aussteigen als das gewöhnliche Plastiksackerl, müssen sie ca. 130 Mal verwendet werden! Weil sie aus robustem Material bestehen, steht dem aber nichts im Weg.

  • Wir sollten es also konsequent vermeiden, mehr Sackerl anzuhäufen und aus jenem Fundus wählen, den wir bereits zuhause horten.
  • Wenn es mal ein Plastik- bzw. Einwegsackerl sein muss, dann verwenden Sie es öfters. Zum Beispiel auf Reisen als Schuhsack oder als Auslaufschutz unserer Kosmetika oder als Müllsackerl.
  • Und: Eine große Rolle spielen übrigens auch Verpackungen der einzelnen Lebensmittel. Greifen Sie zu Großpackungen und vermehrt zu jener Ware, die so wenig wie möglich verpackt ist.

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