Life

Interview & Expertentipps: Deshalb haben wir im Lockdown so schlecht geschlafen!

Wir haben mit Schlaf- und Traumforscherin Dr. Brigitte Holzinger über Schlaflosigkeit im Lockdown gesprochen. Hier verrät sie ihre vier besten Tipps für besseren Schlaf!

  • Drucken
Schlaflosigkeit in der Quarantäne.
GizemBDR/ iStock

Homeoffice, Sorgen rund um die Krise und die Rückkehr in den Alltag bestimmen seit Ausbruch der Corona-Pandemie unser Leben. Auch unser Schlaf ist in den letzten Wochen und Monaten ziemlich durcheinander geraten.

Wir haben mit Dr. Brigitte Holzinger, Schlaf- und Traumforscherin und Psychologin aus Wien gesprochen und sie gefragt, warum wir gerade jetzt oft Schlafprobleme haben und was wir dagegen tun können. Holzinger arbeitet seit vielen Jahren am Institut für Bewusstseins- und Traumforschung (hier ist sie Gründungsmitglied) und der Universität Wien zu Schlaf und Traum.

Mehr dazu: 5 Schlafmythen im Faktencheck

Was passiert mit unserem Körper im Schlaf?

Der Schlaf gibt der Wissenschaft nach wie vor viele Rätsel auf. Auch, wenn man bereits einiges über die Prozesse und Funktionen des Schlafes weiß, gibt es hier noch großen Nachholbedarf. Fest steht jedoch: Schlaf und Traum sind Voraussetzungen für unser Immunsystem, die Konzentration und für eine gesunde Psyche.

Während wir uns im Schlaf regenerieren und sogar lernen, verarbeiten wir im Traum die Tagesgeschehen. Das ist in unseren oft stressigen Alltagen eine wichtige Funktion für eine gesunde Psyche. Besonders, wenn wir mit neuen Herausforderungen und Situationen konfrontiert werden, wie es durch Corona der Fall ist. Schlafmangel ist deshalb auf Dauer sehr belastend und gefährlich für uns. Dennoch werden Schlaf und Traum von vielen als nebensächlich abgetan. Das sollte sich dringend ändern, weiß Holzinger.

c.cochicphotography

Schlafexpertin Dr. Brigitte Holzinger weiß wie wir besser schlafen können (c.cochicphotography).

Mehr dazu: Ausgeschlafen und trotzdem müde?

Warum führt Corona zu Schlafproblemen?

Schon kurz nach der Krise haben sich sehr viele Menschen erzählt, dass ihr Schlaf besonders gut sei und bei anderen besonders schlecht: "Durch die Bank wurde jedoch von allen berichtet, dass sie mehr träumen als zuvor", sagt Holzinger, die selbst auch als Schlafcoach tätig ist.

Die Gründe, warum einige Menschen während des Lockdowns besser geschlafen haben, sind der verminderte Stress, die Möglichkeit statt dem Weg zur Arbeit länger zu schlafen und vor allem: die Möglichkeit im Homeoffice den Schlafrhythmus besser an den Biorhythmus des Körpers anzupassen, vermutet die Schlafexpertin.

Warum wiederum andere während dieser Zeit besonders schlecht geschlafen haben, dürften an den Ängsten und Sorgen der Krise liegen. Die Ungewissheit, was in der Welt, im eigenen Leben sowie im Leben der Liebsten passiert, aber auch die die Isolation von diesen, sind hier die Hauptgründe. Holzinger berichtet, dass besonders Durchschlafstörungen in der Krise besonders häufig geworden seien.

Mehr zu: Studie: Corona-Pandemie führte zu intensiveren Partnerschaften

Schlafprobleme als Volkskrankheit?

Die Experten gehen davon aus, dass sich in den letzten Jahren die Schlafprobleme deutlich vermehrt haben. Das hat unterschiedliche Ursachen.

  • Ein Hauptproblem, das betont auch Holzinger im Gespräch, ist der Stress im Alltag. Wir haben oft so viel zu tun, dass wir den ganzen Tag nie, oder zu selten zur Ruhe kommen. Der Körper läuft also ständig auf Hochtouren und kann auch am Abend nur schwer abschalten.
  • Am besten schlafen wir, wenn wir nach der eigenen inneren Uhr schlafen können. Leider ist das in den meisten Fällen nicht möglich, weil wir uns an die Schul- und Bürozeiten anpassen müssen, auch wenn wir zu den vorgeschriebenen Zeiten oft nicht am leistungsfähigsten sind.

Erholsame Bettruhe: 4 Tipps der Schlafexpertin

"Das Glück, dass wir bei Schlaf und Traum haben ist, dass beides von selbst passiert", betont der Schlafcoach. Das heißt auch, dass wir einiges selbst tun können, um unseren Schlaf wieder zu verbessern. Mit diesen 4 Tipps schaffst es auch du in eine erholsame Nachtruhe:

  • Schätze den Schlaf und freue dich aufs Zubettgehen!
  • Kurz vor dem Schlafengehen wird von anstrengenden Tätigkeiten abgeraten.
  • Eine Stunde vor dem Schlafengehen solltest du dich von Bildschirmen und sehr hellem Licht fernhalten.
  • Mindestens zwei bis dreimal Ausdauersport pro Woche (am besten an der frischen Luft) ist ebenfalls wichtig, um von einem erholsamen Schlaf zu profitieren.

Erschaffe dir persönliche Rituale

Um deinen Körper auf den Schlaf vorzubereiten helfen Tipps wie zum Beispiel:

  • regelmäßiges Zubettgehen und Aufstehen
  • genug frische Luft
  • kein deftiges Essen zu Abend essen
  • im Sommer heiße Decken vermeiden (Besser: Die Decke gegen das Leintuch tauschen!)

Mehr zu: Diese 3 Sternzeichen brauchen besonders viel Schlaf!

Werde Teil der Forschung!

Brigitte Holzinger und ihre Kollegen betreuen derzeit gleich mehrere Studien zu Schlaf und Traum, für welche noch freiwillige Teilnehmer gesucht werden. Eine davon ist eine weltweit laufende Studie zum Schlafverhalten während der Corona-Ausgangsbeschränkungen.Den Link zur Teilnahme findest du hier.

"Meine Hoffnung ist, dass wir jetzt begreifen, dass es wichtig ist ausgiebig zu schlafen und auch ausgiebig zu Träumen", sagt Holzinger.

Also dann: Gute Nacht!

Mehr dazu: Wir haben es immer schon gewusst: Schlafen macht glücklich

letztes Update:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.