„Ich hab einfach keine Lust mehr“ – ein Satz, den viele Männer irgendwann einmal denken. Doch wenn diese Phase länger anhält, kann sie zu Frustration, Selbstzweifeln und sogar zu Beziehungsproblemen führen. Libidoverlust, also der Rückgang des sexuellen Verlangens, ist ein Phänomen, das Millionen Männer weltweit betrifft. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von körperlichen Faktoren über psychische Belastungen bis hin zu alltäglichen Lebensgewohnheiten. Hier sind die zehn häufigsten Gründe, warum Männer ihre Lust verlieren.
1. Niedriges Testosteron
Testosteron ist das männliche Sexualhormon par excellence. Es beeinflusst nicht nur Muskelmasse, Spermienproduktion und Stimmung, sondern ist auch direkt für den Sexualtrieb verantwortlich. Männer mit niedrigem Testosteron berichten oft, dass sie weniger Interesse an Sex haben, schwerer erregbar sind und selbst die Vorstellung von Intimität weniger anziehend wirkt.
Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel, und auch Erkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit können ihn reduzieren. Ein Arzt oder eine Ärztin kann den Hormonspiegel messen und gegebenenfalls Behandlungen wie Gel, Spritze oder andere Therapien empfehlen.
2. Stress
Stress ist ein echter Lustkiller. Ob beruflicher Druck, Geldsorgen oder familiäre Verpflichtungen – ein überlastetes Gehirn produziert mehr Cortisol, das Stresshormon, während gleichzeitig der Testosteronspiegel sinkt. Plötzlich wirkt selbst der Gedanke an Sex wie ein Marathonlauf.
Langfristiger Stress kann zudem die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Abhilfe schaffen regelmäßige Pausen, Entspannungsübungen, Meditation oder sportliche Aktivitäten. Selbst kleine Rituale wie bewusste Atemübungen oder ein Spaziergang können schon den Unterschied machen.
3. Schlafmangel
Guter Schlaf ist entscheidend für Hormonproduktion, Energie und mentale Stabilität. Männer, die regelmäßig weniger als sieben Stunden schlafen, haben nachweislich niedrigere Testosteronwerte und damit weniger Lust auf Sex. Schlafstörungen wie Schlafapnoe oder ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus verschärfen das Problem zusätzlich.
Wer nachts ständig aufwacht oder schnarcht, sollte über eine medizinische Abklärung nachdenken. Ein festes Schlafritual, eine kühle Raumtemperatur und der Verzicht auf Bildschirme vor dem Einschlafen können ebenfalls helfen, die Libido wieder anzukurbeln.
4. Depression
Depression ist weit mehr als schlechte Laune. Sie kann das Interesse an allem reduzieren, was früher Freude gemacht hat – einschließlich Sex. Manche Antidepressiva, wie SSRIs, können die Libido zusätzlich verringern. Das führt leicht zu einem Teufelskreis: Man fühlt sich unwohl, verspürt weniger Lust, was wiederum die Stimmung verschlechtert.
Wer betroffen ist, sollte offen mit einem Arzt sprechen. Eine Anpassung der Medikation oder begleitende Therapie kann oft helfen, das sexuelle Verlangen wieder zu steigern.
@arne.tempelDepressionen beeinflussen viele Lebensbereiche, einschließlich der Libido. Der Verlust des sexuellen Verlangens ist ein häufiges, aber oft missverstandenes Symptom von Depressionen. Libidoverlust während einer Depression ist nicht einfach nur ein „Fehlen von Lust“, sondern ein komplexes Symptom. Menschen, die unter Depressionen leiden, erleben oft eine Verringerung ihres sexuellen Verlangens, was ihre Beziehungen und ihr Selbstwertgefühl stark beeinträchtigen kann. Von außen wird dieser Verlust häufig nicht verstanden. Partner oder Freunde könnten dies fälschlicherweise als mangelndes Interesse oder emotionale Distanz interpretieren. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass Libidoverlust ein direktes Symptom der Depression ist. Die psychische Belastung durch Depressionen führt zu einem Mangel an Energie und Interesse an vielen Lebensbereichen, einschließlich der Sexualität. Hormonelle Veränderungen und die Nebenwirkungen von Antidepressiva können diesen Effekt verstärken. Dieser Verlust der Libido kann auch das Selbstwertgefühl der Betroffenen beeinträchtigen. Sie fühlen sich möglicherweise unzulänglich oder schuldig, weil sie die Erwartungen ihres Partners nicht erfüllen können, was zu zusätzlichem Stress führt. Es ist wichtig, dieses Symptom im Kontext der Depression zu verstehen und sensibel damit umzugehen. Offene und einfühlsame Kommunikation in Beziehungen kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden.♬ Originalton – Arne Tempel
5. Chronische Krankheiten
Chronische Erkrankungen wie Herzprobleme, Diabetes, COPD, Fettleibigkeit oder chronische Schmerzen belasten nicht nur den Körper, sondern auch die Libido. Die Energie nimmt ab, körperliche Nähe fällt schwerer, und Medikamente zur Behandlung der Krankheiten können zusätzlich das sexuelle Verlangen senken.
Offene Kommunikation mit Partner:in und Ärzt:innen ist hier entscheidend. In vielen Fällen können angepasste Therapie oder Sexualberatung helfen, die Lebensqualität zu verbessern und die Lust zurückzugewinnen.
6. Alkohol und Drogen
Ein gelegentliches Bier oder Glas Wein ist unproblematisch, doch übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich negativ auf Testosteron und Libido aus. Männer, die regelmäßig stark trinken, berichten häufiger über vermindertes sexuelles Verlangen und Erektionsprobleme. Auch Drogen wie Cannabis, Anabolika oder Amphetamine können die Lust nachhaltig senken.
Hier gilt: Maßhalten ist der Schlüssel. Wer den Konsum reduziert, gibt dem Körper die Chance, den Hormonspiegel und damit die Libido wieder zu normalisieren.
7. Zu viel oder zu wenig Bewegung
Bewegung ist ein echter Libido-Booster, aber das Maß macht den Unterschied. Wer sich kaum bewegt, leidet häufig unter Übergewicht, niedriger Energie und schlechter Fitness – alles Faktoren, die das sexuelle Verlangen hemmen.
Übermäßiges Training, insbesondere intensives Ausdauertraining über lange Zeiträume, kann jedoch ebenfalls die Libido reduzieren, da der Körper überlastet wird und Testosteronwerte sinken. Experten empfehlen daher rund 150 Minuten moderate Bewegung oder 75 Minuten intensive Aktivität pro Woche – genug, um Körper und Libido zu stärken, ohne ihn zu überfordern.
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8. Selbstwertprobleme
Ein geringes Selbstwertgefühl kann Männer stark belasten. Wer sich selbst unattraktiv oder unsicher fühlt, verspürt weniger sexuelles Verlangen. Ängste vor dem Versagen im Bett verstärken den Kreislauf aus Stress und Lustlosigkeit.
Die Lösung: Selbstbewusstsein aufbauen, Körpergefühl stärken und kleine Erfolge feiern. Psychologische Beratung kann ebenfalls helfen, langfristig die Libido wieder zu steigern.
9. Medikamente
Viele Medikamente, die eigentlich Krankheiten wie Bluthochdruck, Depressionen oder Schmerzen behandeln sollen, haben einen unangenehmen Nebeneffekt: Libidoverlust. Männer, die plötzlich weniger Lust verspüren, sollten prüfen, ob ihre Medikamente eine Rolle spielen.
Wichtig: Niemals eigenmächtig absetzen! Mit dem Arzt/der Ärztin lassen sich meist Alternativen oder Anpassungen finden, ohne die Gesundheit zu gefährden.
10. Alterungsprozesse
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Sexualtrieb. Testosteron sinkt, Energie und Leistungsfähigkeit nehmen ab, Orgasmen werden weniger intensiv und Erektionen schwieriger. Das ist völlig normal, bedeutet aber nicht, dass das Sexualleben enden muss.
Mit einem gesunden Lebensstil, gezielter Behandlung bei Testosteronmangel und offener Kommunikation mit der Partner:in lässt sich die Libido auch im Alter aufrechterhalten.
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