Clean Beauty, Skinimalism, Hybrid Products – Make-up kann längst mehr als nur kaschieren. Immer häufiger setzen Produkte zusätzlich auf pflegende Inhaltsstoffe, die die Haut während des Tragens unterstützen sollen. Gerade bei zu Akne neigender Haut werden Foundations und BB Creams gezielt mit solchen Wirkstoffen formuliert. Einer davon kommt direkt aus der Natur: Hamamelis. Der pflanzliche Inhaltsstoff hat sich mittlerweile einen festen Platz in Foundations, Tinted Moisturizers und Setting Sprays erobert.
Was steckt hinter dem Hype?
Hamamelis, auch bekannt als Zaubernuss, ist ein pflanzlicher Inhaltsstoff, der aus den Blättern und der Rinde eines Strauchs gewonnen wird. Klingt zunächst harmlos, hat aber eine ziemlich intensive Wirkung auf die Haut.
Der Wirkstoff enthält sogenannte Tannine – natürliche Gerbstoffe mit einer zusammenziehenden Wirkung. Das bedeutet: Die Haut wird leicht „gestrafft“, wodurch sie glatter erscheint. Genau das sorgt für diesen weichgezeichneten Effekt, den viele so schätzen.
Zusätzlich wird Hamamelis oft für ihre beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften gelobt. Vor allem bei Rötungen, fettiger Haut oder Unreinheiten wirkt sie auf den ersten Blick wie ein echtes Multitalent.
Warum wird Hamamelis im Make-up verwendet?
Der größte Vorteil von Hamamelis im Make-up ist der sofort sichtbare Effekt. Man trägt die Foundation auf – und die Haut wirkt direkt ebenmäßiger, weniger glänzend und fast ein wenig „gefiltert“.
Dieser Effekt kommt nicht von ungefähr. Die Tannine sorgen dafür, dass sich die Hautoberfläche leicht zusammenzieht. Poren wirken kleiner, überschüssiger Talg wird reduziert und das Hautbild erscheint insgesamt ruhiger.
Gerade bei fettiger oder Mischhaut fühlt sich das zunächst wie die perfekte Lösung an. Endlich ein Produkt, das nicht schon nach kurzer Zeit zu glänzen beginnt.
@roncosmeticchemist Witch Hazel. Good or Bad? I’m a veteran cosmetic chemist and founder of the skincare brand @beautystat #witchhazel #toner #skincare ♬ original sound – Ron Chemist
Was deine Haut langfristig dazu sagt
Hier wird es interessant, denn darüber wird deutlich seltener gesprochen.
So überzeugend Hamamelis kurzfristig wirkt, so problematisch kann sie bei regelmäßiger Anwendung werden. Das Zusammenziehen der Haut ist nämlich nicht nur ein optischer Effekt – es beeinflusst auch das Gleichgewicht der Haut.
Wenn die Haut auf Dauer Feuchtigkeit verliert, kann sie anfangen gegenzusteuern. Und das bedeutet oft: Sie produziert mehr Talg.
Das Ergebnis ist ein typischer Kreislauf: Die Haut wird mattiert, trocknet aus, produziert mehr Öl – und es entstehen neue Unreinheiten. So kann man schnell in eine Art Endlosschleife geraten, ohne es direkt zu merken.
Alkohol, Tannine & Co.
Ein weiterer Punkt, den man nicht unterschätzen sollte: Viele Hamamelis-Produkte enthalten Alkohol. Das liegt daran, dass der Inhaltsstoff häufig auf diese Weise gewonnen wird. Alkohol kann sich zwar kurzfristig erfrischend anfühlen, belastet aber langfristig die Hautbarriere.
In Kombination mit den ohnehin aktiven Tanninen kann das besonders für empfindliche Haut zu viel sein. Reizungen, Rötungen oder ein unangenehmes Spannungsgefühl sind dann keine Seltenheit.
Und das Schwierige daran: Die Haut gewöhnt sich nicht daran – sie reagiert mit der Zeit oft sogar empfindlicher.
Make-up ist nicht gleich Hautpflege
Ein wichtiger Punkt wird oft vergessen: Make-up bleibt viele Stunden auf der Haut. Das bedeutet, dass Inhaltsstoffe wie Hamamelis viel länger einwirken als bei einem Reinigungsprodukt oder Gesichtswasser.
Dadurch können sich die Effekte verstärken – sowohl die positiven als auch die negativen. Gerade bei Inhaltsstoffen, die potenziell austrocknend oder reizend sind, macht diese lange Einwirkzeit einen großen Unterschied.
Für wen kann Hamamelis im Make-up funktionieren?
Die Antwort ist nicht ganz eindeutig. Bei sehr fettiger Haut kann der mattierende Effekt durchaus hilfreich sein – zumindest kurzfristig. Auch für besondere Anlässe, lange Tage oder Fotos kann Hamamelis im Make-up ein schönes, ebenmäßiges Ergebnis liefern.
Anders sieht es bei empfindlicher oder trockener Haut aus. Hier kann der Inhaltsstoff schnell zu viel sein und die Haut zusätzlich belasten. In solchen Fällen überwiegen oft die Nachteile.
Der Mythos „natürlich = gut“
Hamamelis wird häufig als natürlicher Inhaltsstoff beworben – und automatisch als sanft wahrgenommen. Doch „natürlich“ bedeutet nicht automatisch hautfreundlich. Viele pflanzliche Stoffe haben eine starke Wirkung, die nicht immer positiv ist.
Die Haut reagiert nicht auf Begriffe wie „natürlich“ oder „rein“, sondern auf die tatsächlichen Eigenschaften eines Inhaltsstoffs. Und Hamamelis gehört nicht unbedingt zu den milden Wirkstoffen, auch wenn ihr Image das oft suggeriert.
Gibt es bessere Alternativen?
Wer den mattierenden und ausgleichenden Effekt mag, muss nicht unbedingt zu Hamamelis greifen. Ein bewährter Inhaltsstoff ist zum Beispiel Niacinamid. Er hilft, die Talgproduktion zu regulieren, wirkt beruhigend und unterstützt gleichzeitig die Hautbarriere.
Auch moderne Make-up-Formulierungen schaffen es zunehmend, ein ebenmäßiges, mattes Finish zu erzeugen, ohne die Haut auszutrocknen. Das bedeutet: Ein schönes Hautbild und eine gesunde Haut müssen sich nicht ausschließen.
So nutzt du Hamamelis sinnvoll
Wenn du Hamamelis im Make-up verwenden möchtest, kommt es vor allem auf die richtige Anwendung an.
Statt sie täglich zu nutzen, kann es sinnvoll sein, sie gezielt einzusetzen – zum Beispiel an Tagen, an denen deine Haut stärker glänzt oder du ein besonders mattes Ergebnis möchtest.
Achte außerdem darauf, wie sich deine Haut nach dem Abschminken anfühlt. Ist sie ausgeglichen oder eher trocken und gereizt?
Eine gute Feuchtigkeitspflege ist in jedem Fall wichtig, um die Hautbarriere zu stärken und mögliche Nebenwirkungen auszugleichen.
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Bildquellen
- Hamamelis in Make-up: iStockphoto.com/ dima_sidelnikov
