Dating kann aufregend sein – und gleichzeitig extrem verwirrend. Nachrichten kommen unregelmäßig, Pläne werden angedeutet, dann wieder zurückgezogen, Komplimente wechseln sich mit Funkstille ab. Wer sich heute auf die Suche nach einer dauerhaften Beziehung macht, stolpert schneller über Beziehungsfallen als über charmante Matches. Margret Marincolo, Dating-Coach und Autorin des Buches „Werde Dating-Master“, erklärt, worauf Frauen achten sollten, um echte Gefühle von manipulativen Spielchen zu unterscheiden.
Breadcrumbing: Wenn Nähe nur in Häppchen kommt
„Breadcrumbing erkennst du daran, dass dir jemand gerade so viel Aufmerksamkeit gibt, wie nötig – um dich warmzuhalten – jedoch nie genug, damit echte Nähe entstehen kann“, erklärt Marincolo. Mit einem Bild macht sie es besonders anschaulich: „Stell dir vor, du sitzt im Restaurant und bestellst eine Pizza. Die Pizza bekommst du nicht. Alle zwei Stunden kommt der Kellner und stellt die Pizzareste von den Nachbartischen bei dir ab.“
Typische Anzeichen für Breadcrumbing: Nachrichten kommen unregelmäßig, meist nur dann, wenn man innerlich schon Abstand nimmt; Pläne werden angedeutet, aber nie umgesetzt; Nähe zeigt sich eher in Worten als in Verhalten. Kurz gesagt: „Breadcrumbing ist ein Almosen: Das Minimum an Nähe, um nicht aus deinem Kopf zu verschwinden – Beziehungsabsicht steckt nicht dahinter.“
Frauen sollten also lernen, auf ihr Gefühl zu hören. Bleibt die Aufmerksamkeit konsistent, oder ist sie nur ein gelegentliches Tropfen, das das Ego des anderen warmhält? Wenn Letzteres zutrifft, ist es besser, Abstand zu nehmen und die eigene Energie nicht zu verschwenden.
Love Bombing vs. echte Gefühle
Am Anfang einer Beziehung ist oft alles intensiv, aufregend und emotional überwältigend. Aber wie unterscheidet man echte Gefühle von Love Bombing? Marincolo vergleicht es mit Getränken: „Echte Gefühle sind wie ein guter Tee. Er entfaltet sein Aroma langsam und wird langsam getrunken. Love Bombing ist wie Champagner. Super prickelnd und schnell abgestanden.“
Echte Gefühle entwickeln sich langsam, konstant und stabil. Love Bombing hingegen ist intensiv, sprunghaft und oft inkonsistent. Echte Gefühle zeigen sich darin, dass die Aufmerksamkeit auch bei Missverständnissen bleibt, dass Taten zu Worten passen und Verlässlichkeit erkennbar ist. Love Bombing hingegen äußert sich durch übertriebene Komplimente, schnelle Zukunftsversprechen und Kontaktabbrüche, sobald die eigenen Erwartungen nicht erfüllt werden.
Wer also das Gefühl hat, dass die Intensität „explodiert und implodiert“, sollte hellhörig werden: Echte Liebe wächst, Love Bombing ist kurzlebig und manipulativ.
@mycanimationsextra Being loved bombed #fyp #lovebombing ♬ i miss your warm hands – i don’t like mirrors
Benching: Die zweite Wahl vermeiden
Viele Frauen kennen das Phänomen des „Benching“: Sie sind nur zweite Wahl und werden gelegentlich hervorgeholt, um das Ego des Mannes zu streicheln. Marincolo erklärt: „Wenn du dich ‚geparkt‘ fühlst, bist du nichts weiter als ein Sammelgegenstand fürs Ego deines Gegenübers. Du bist eines von vielen Autos, die der Mann gelegentlich fährt.“
Tipps, um sich aus dieser Rolle zu befreien: Achte weniger auf Worte und mehr auf dein Gefühl. Wer dich wirklich wählt, gibt dir Sicherheit. Und das Wichtigste: Breche den Kontakt ab, blockiere den Mann, lösche seine Nummer. „Stell dich nicht als Option zur Verfügung, wenn du gewählt werden möchtest.“
Ghosting: Ein Zeichen von Überforderung
Ghosting gehört zu den härtesten Dating-Erfahrungen: Plötzlich ist der Kontakt weg, ohne Erklärung. Marincolo sieht darin ein Zeichen von Überforderung. Menschen ghosten, „wenn sie deine Bedürftigkeit spüren, ihnen echte Nähe Angst macht, sie Konflikten ausweichen, sich selbst nicht spüren oder wenig Selbstwirksamkeit besitzen.“
Der Umgang damit erfordert emotionale Stärke: Nicht persönlich nehmen, kein Hinterherlaufen und abschließen, statt zu interpretieren. „Antwortlosigkeit IST eine klare Antwort. Es gibt nichts mehr zu sagen. Es bringt nichts, über diesen Menschen nachzudenken. Denk darüber nach, warum du nicht loslassen kannst.“ Ghosting sagt mehr über den Ghoster aus als über die Geghostete, und manchmal hilft es, die eigenen Grenzen und das Selbstwertgefühl zu reflektieren.
Orbiting: Wenn Energie gestohlen wird
Eine weitere digitale Fallgrube ist das sogenannte Orbiting. Dabei bleibt jemand präsent: Likes, Story-Views, digitale Anwesenheit – aber echte Nähe entsteht nicht. Marincolo warnt: „Jemand will keine Beziehung mit dir – er will nur deine Energie.“
Wer Opfer von Orbiting wird, verliert schleichend Lebensenergie, während der andere unbehelligt bleibt. Die Lösung ist einfach, aber radikal: „Nicht füttern, sondern blockieren.“ Wenn jemand nur aus der Ferne zuschaut, ist man für ihn kein Beziehungsmaterial.
Delusion: Wenn die Beziehung nur im Kopf existiert
Viele Frauen verlieben sich in eine Idee statt in die Realität. Marincolo nennt das „Illusion-Ship“: „Wenn du mehr Zeit damit verbringst, über jemanden nachzudenken, als mit ihm Auge in Auge zu reden – bist du schon in der Delusion.“
Echte Beziehungen zeigen sich durch konkrete Treffen, wahre Kommunikation, Kontinuität und Verbindlichkeit. Illusion-Ships leben von Fantasie, Hoffnung und Interpretationen, während die Realität kaum Berührungspunkte liefert. Wer sich bewusst von digitalen Fantasien löst und echte Begegnungen sucht, schützt sich vor Enttäuschungen.
Situationships: Klare Grenzen setzen
Situationships sind Beziehungen ohne Definition. Marincolo beschreibt sie bildhaft: „Stell dir vor, du sitzt im Restaurant und bestellst eine Pizza. Die Pizza kommt. Sie schmeckt hervorragend. Du hast gerade zwei Ecken davon gegessen, als der Kellner kommt und sie dir wieder wegnimmt. Am Ende musst du dennoch die ganze Pizza bezahlen.“
Die psychische Rechnung: Liebeskummer und emotionale Abhängigkeit. Strategien, um aus einer Situationship auszusteigen: klare Grenzen setzen, eindeutige Fragen stellen („Was suchst du?“), Selbstwert prüfen und auf Verhalten achten, nicht auf Worte. Wer nicht bereit ist, verbindlich zu sein, will es meist nicht sein – und solange sollte man die eigene Energie schützen.
@lo3tus Don’t do it😪 Starring @jessewarrenbruh And thanks to the girls as well: @suuhleena @lycheeemilktea ♬ original sound – Lo3tus
Dating-Apps: Fluch oder Segen?
Dating-Apps polarisieren: Sie bieten einerseits unbegrenzte Auswahl, andererseits kann das zu Entscheidungsparalyse führen. Marincolo differenziert: „Apps machen es schwerer für Menschen ohne Klarheit. Weil zu viel Auswahl bei zu wenig Fokus nicht zu einer Entscheidung führt. Apps machen es leicht für Menschen mit Klarheit. Weil du gezielt filtern kannst, wonach du suchst.“
Das Problem liegt also weniger in der Technologie, sondern in der fehlenden Selbstkenntnis. Wer weiß, wer er ist und was er will, nutzt Apps effektiv und wird ausgewählt und wählen können.
Wie gelingt erfolgreiches Dating?
Margret Marincolo benennt drei zentrale Eigenschaften für erfolgreiches Dating:
- Selbstwert: Wissen, welcher Mensch zu einem passt.
- Kommunikationskompetenz: Klar ausdrücken, was man sucht – ohne emotionale Erpressung oder Spielchen.
- Emotionale Unabhängigkeit: Bedürfnisse und Verzweiflung wirken nicht auf das Dating-Verhalten ein.
- Geduld ist ebenfalls entscheidend, da echte Kompatibilität Zeit benötigt.
Slow Dating: Die Gegenbewegung zum Schnell-Dating
Angesichts der Schnelllebigkeit moderner Dating-Kultur propagiert Marincolo das Slow Dating: „Weniger Geschwindigkeit, mehr Bewusstsein. Weniger Ablenkung, mehr Auswahl. Weniger ‚Wer nimmt mich?‘, mehr ‚Wer passt zu mir?‘“
Die Prinzipien des Slow Dating:
- Bewusste, weniger aber tiefere Matches
- Längere Kennenlernphasen
- Klare Grenzen und reale Begegnungen statt Bildschirm-Konsum
Slow Dating bietet die Chance, echte Liebe zu entdecken, die auf Tiefe, Vertrauen und Kontinuität basiert – ein Kulturerbe, das nach Marincolo „unter Denkmalschutz“ stehen sollte.
Die moderne Liebeskompetenz
Die Dating-Landschaft ist komplex, digitalisiert und oft emotional fordernd. Wer sich in dieser Welt zurechtfinden möchte, braucht Werkzeuge, Achtsamkeit und Klarheit. Margret Marincolo zeigt Wege auf, wie Frauen Manipulationsspielchen erkennen, sich selbst schützen und gleichzeitig echte Beziehungen aufbauen können.
Kurz gesagt: Echte Liebe wächst langsam, braucht klare Grenzen und spürbaren Selbstwert – alles andere sind Zuckerperlen, die schnell verpuffen.
Bildquellen
- Dating: iStockphoto.com / Hiraman
