Silvester ist laut, bunt, emotional. Ein Neustart mit Knall. Doch während Raketen steigen und Böller krachen, spielt sich jedes Jahr im Hintergrund eine weniger festliche Realität ab: Verletzungen, Notrufe, Krankenhausaufenthalte. Für manche endet die Silvesternacht nicht mit einem Neujahrskater, sondern mit bleibenden Schäden – oder schlimmer. Sicherheit ist an Silvester kein Stimmungskiller. Sie ist der Grund, warum wir alle am nächsten Morgen gesund ins neue Jahr starten können.
Wenn Feiern gefährlich wird
Feuerwerk gehört für viele Menschen in Österreich nach wie vor fix zu Silvester dazu. Doch was spektakulär aussieht, hat enorme Explosionskraft. Jährlich müssen rund 200 bis 400 Personen nach Pyrotechnik-Unfällen im Krankenhaus behandelt werden. Besonders alarmierend: Rund zwei Drittel der Verletzten sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren.
Noch deutlicher wird das Risiko, wenn man genauer hinsieht: 92 Prozent der Verunfallten sind männlich. Die häufigsten Verletzungen betreffen die Hände – tiefe Schnitt- und Risswunden, schwere Verbrennungen, Knalltraumata im Ohr oder sogar (Teil-)Amputationen von Fingern. Auch Augenverletzungen, offene Brüche und Verletzungen im Gesicht sind keine Seltenheit.
Jugendliche, Risiko und der falsche Kick
Warum trifft es so oft junge Menschen? Ein Grund ist der frühe und oft unkontrollierte Kontakt mit Pyrotechnik. Kinder und Jugendliche kommen mit Feuerwerkskörpern in Berührung, zu denen sie rechtlich gar keinen Zugang haben sollten. Besonders problematisch sind dabei illegale Knallkörper, Pyrotechnik aus dem Ausland oder Artikel der Kategorien F3 und F4, die eigentlich nur mit Genehmigung und Fachkenntnis verwendet werden dürfen.
Hinzu kommt eine gefährliche Mischung aus Neugier, Gruppendruck und Selbstüberschätzung. Wer sich beweisen will, hält Böller zu lange in der Hand, zündet Raketen aus Flaschen oder hebt vermeintliche Blindgänger wieder auf. Ein fataler Irrtum – denn verzögerte Explosionen gehören zu den häufigsten Unfallursachen.
Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann hier lebenslange Folgen haben.
@dr.free.hess We do not want to see you or your kids in the ER on New Years Eve! Happy New Year! Stay safe! #fireworks #firework #injury #childsafety #emergency #emergencymedicine #pedimom #pediatrician #newyear #happynewyear #newyearseve ♬ original sound – Dr. Free N. Hess, Child Safety
Illegal, billig, brandgefährlich
Ein weiteres großes Problem ist der Kauf von Feuerwerkskörpern im Ausland oder online. Eine aktuelle IFES-Erhebung (2025) zeigt: 14 Prozent der Österreicher:innen haben bereits Pyrotechnik außerhalb des Landes gekauft, 25 Prozent planen es. Günstigere Preise und stärkere Effekte gelten als Hauptmotive.
Was viele nicht bedenken: Der Versand von Pyrotechnik an Privatpersonen ist in Österreich verboten – unabhängig davon, ob der Händler im In- oder Ausland sitzt. Dazu kommen massive Qualitätsmängel. Illegale Produkte unterliegen keinen Sicherheitsprüfungen. Zündschnüre brennen ungleichmäßig, die Sprengkraft ist unberechenbar.
Noch gefährlicher sind selbst gebastelte Feuerwerkskörper. Sieben Prozent der Befragten gaben in einer aktuellen KFV-Studie an, bereits Pyrotechnik manipuliert oder selbst hergestellt zu haben. Ein Spiel mit dem Risiko – oft mit dramatischen Folgen. Fehlende Sicherheitsprüfungen, falsche Mischungen und unkontrollierte Explosionen machen DIY-Feuerwerk zu einer der gefährlichsten Ursachen für schwere Verletzungen.
Die große Silvester-Lüge
Einer der größten Risikofaktoren ist nicht der Knall – sondern Unwissen. Oder besser gesagt: gefährliche Irrglauben. Rund 80 Prozent der Menschen glauben fälschlicherweise, dass F2-Feuerwerk überall im Ortsgebiet erlaubt sei. 30 Prozent sind sogar überzeugt, dass auch F3- und F4-Pyrotechnik ohne Genehmigung verwendet werden darf.
Die Realität sieht anders aus:
- F1 (z. B. Wunderkerzen): ab 12 Jahren, sehr geringe Gefahr
- F2 (Raketen, Batterien): ab 16 Jahren, im Ortsgebiet grundsätzlich verboten
- F3 & F4: nur mit behördlicher Bewilligung und Pyrotechnik-Ausweis
Unwissen schützt nicht vor Verletzungen – und auch nicht vor Strafen.
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Schutz für Ohren, Augen und Atemwege
Nicht jede Silvesterverletzung ist sofort sichtbar. Knalltraumata gehören zu den häufigsten, aber am meisten unterschätzten Folgen von Feuerwerk. Schon ein einzelner lauter Knall in unmittelbarer Nähe kann zu dauerhaften Hörschäden, Tinnitus oder Schwindel führen. Besonders empfindlich sind Kinderohren.
Ein einfacher, aber wirkungsvoller Tipp: Gehörschutz. Ohrstöpsel sind kein Zeichen von Angst, sondern von Verantwortung – vor allem für Kinder, ältere Menschen und Menschen mit empfindlichem Gehör. Auch Schutzbrillen können sinnvoll sein, etwa beim Zünden von Raketen oder Batterien. Viele Augenverletzungen entstehen durch Funken, Splitter oder umkippende Feuerwerkskörper – und wären vermeidbar.
Nicht zu vergessen ist die Luftqualität. In der Silvesternacht steigt die Feinstaubbelastung massiv an. Menschen mit Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder empfindlichen Atemwegen sollten dichte Rauchwolken meiden, Fenster rechtzeitig schließen und Abstand zu stark frequentierten Zündplätzen halten. Sicherheit bedeutet manchmal auch, einen Schritt zurückzutreten.
Alkohol + Feuerwerk = schlechte Idee
Was an Silvester fast immer dazugehört, verschärft das Risiko zusätzlich: Alkohol. Schon geringe Mengen beeinträchtigen Reaktionszeit, Koordination und Risikobewusstsein. Trotzdem zünden viele Menschen Raketen und Böller alkoholisiert.
Die Folgen sind fatal: Feuerwerkskörper kippen um, werden falsch entsorgt oder in die falsche Richtung gezündet. Besonders gefährlich wird es, wenn Kinder in der Nähe sind. In mehr als der Hälfte der Haushalte mit Kindern sind diese beim Zünden anwesend, bei 17 Prozent sogar im unmittelbaren Gefahrenbereich von weniger als fünf Metern.
Ein klarer Kopf ist der beste Schutz. Wer trinkt, zündet nicht. Punkt.
Abstand, Kleidung und klare Zuständigkeiten
Auch scheinbare Kleinigkeiten machen einen großen Unterschied. Weite Jackenärmel, Schals oder Kleidung aus Kunstfasern können leicht Feuer fangen. Wer Feuerwerk zündet, sollte enganliegende Kleidung aus Baumwolle, feste Schuhe und idealerweise Handschuhe tragen.
Ebenso wichtig: klare Zuständigkeiten. Feuerwerk sollte nicht „nebenbei“ gezündet werden. Legt in der Gruppe vorher fest, wer zündet – und wer Abstand hält. Mehrere Personen, die gleichzeitig Raketen starten, erhöhen das Risiko massiv. Sicherheitsabstände sind kein Vorschlag, sondern eine lebenswichtige Regel.
Richtiges Verhalten im Ernstfall
Trotz aller Vorsicht kann etwas passieren. Dann zählt jede Minute.
- Rettung rufen (144 oder 112)
- Wunden mit Druckverband versorgen
- Abgetrennte Finger oder Handteile steril, trocken und gekühlt transportieren (nicht einfrieren)
- Fremdkörper nicht entfernen
- Betroffene warm halten
Viele wissen das nicht – und verlieren wertvolle Zeit. Dabei kann schnelle Erste Hilfe entscheidend dafür sein, ob ein Finger oder eine Hand später wieder funktionstüchtig ist.
Sicherheit ist kein Verzicht, sondern Verantwortung
Muss man also auf Feuerwerk verzichten, um sicher zu sein? Nicht unbedingt. Aber man muss Verantwortung übernehmen – für sich selbst und für andere.
Dazu gehört:
- nur legale, geprüfte Pyrotechnik mit CE-Kennzeichnung zu verwenden
- Raketen mit stabilen Abschussvorrichtungen zu zünden
- Blindgänger nicht erneut anzuzünden
- Sicherheitsabstände einzuhalten
- Feuerwerksreste korrekt zu entsorgen
Ein neues Jahr beginnt mit einem guten Gefühl
Silvester ist ein Symbol für Neuanfang. Für Hoffnung, Pläne, gute Vorsätze. Umso tragischer ist es, wenn diese Nacht mit Schmerz, Schuldgefühlen oder bleibenden Verletzungen endet. Sicherheit bedeutet nicht, dass der Himmel weniger bunt ist. Sie bedeutet, dass wir ihn gemeinsam erleben können – ohne Sirenen im Hintergrund, ohne Krankenhausflure statt Tanzflächen.
Vielleicht ist der schönste Knall zum Jahreswechsel nicht der lauteste. Sondern der Moment, in dem alle gesund ins neue Jahr starten.
Bildquellen
- Silvester: iStockphoto.com/ martin-dm
