Du investierst in hochwertige Shampoos, probierst neue Conditioner, gönnst dir ab und zu eine Maske – und trotzdem fühlt sich dein Haar manchmal trocken, widerspenstig oder einfach „nicht richtig gepflegt“ an? Vielleicht liegt es nicht an den Produkten. Vielleicht liegt es an deiner Haarporosität. Porosität beschreibt etwas ganz Simples: Wie gut kann dein Haar Feuchtigkeit aufnehmen und wie gut kann es sie behalten? Wer das versteht, versteht plötzlich auch, warum bestimmte Produkte Wunder wirken – und andere gar nichts bringen.
Was genau bedeutet Haarporosität?
Stell dir dein Haar wie einen Tannenzapfen oder ein Dach mit überlappenden Ziegeln vor. Die äußere Schicht deines Haares, die sogenannte Schuppenschicht (Cuticula), besteht aus winzigen, übereinanderliegenden Schuppen. Je nachdem, wie dicht oder wie offen diese Schuppen anliegen, verändert sich die Fähigkeit deines Haares, Feuchtigkeit aufzunehmen.
Sind die Schuppen sehr dicht geschlossen, hat es Wasser und Pflege schwer, ins Haarinnere zu gelangen. Sind sie hingegen stark geöffnet, kommt Feuchtigkeit zwar schnell hinein – verschwindet aber genauso schnell wieder.
Genau daraus ergeben sich drei grundlegende Porositäts-Typen: niedrig, mittel und hoch. Und jeder dieser Typen braucht eine andere Pflegephilosophie.
So findest du deinen Porositäts-Typ heraus
Bevor du deine Haarpflege anpasst, solltest du zuerst wissen, welche Porosität dein Haar hat. Ein einfacher und effektiver Test ist der Wassertest. So gehst du Schritt für Schritt vor:
Schritt 1: Haare reinigen
Wasche dein Haar gründlich mit Shampoo, um Produktreste oder Styling-Rückstände zu entfernen, die das Ergebnis verfälschen könnten.
Schritt 2: Haare trocknen
Lass dein Haar vollständig an der Luft trocknen. Nur sauberes und trockenes Haar liefert verlässliche Ergebnisse.
Schritt 3: Haarsträhne vorbereiten
Zupfe eine einzelne, gesunde Haarsträhne aus – sie sollte nicht beschädigt oder splissig sein, um ein realistisches Ergebnis zu bekommen.
Schritt 4: Haar ins Wasser legen
Fülle ein Glas mit Wasser und lege die Haarsträhne vorsichtig hinein. Beobachte, wie sich die Strähne verhält.
Schritt 5: Ergebnis beobachten
- Bleibt das Haar lange oben oder schwimmt sogar an der Oberfläche? → Niedrige Porosität
- Sinkt es langsam in die Mitte? → Mittlere Porosität
- Geht es schnell unter? → Hohe Porosität
Diese Tests sind einfache Richtwerte und keine Laboranalyse. Sie geben dir jedoch eine sehr gute Orientierung, um die Pflege deines Haares gezielt anzupassen.
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1. Niedrige Porosität
Menschen mit niedriger Haarporosität kennen das Phänomen: Das Haar braucht ewig, bis es unter der Dusche vollständig nass wird. Conditioner scheint eher auf dem Haar zu sitzen, statt einzuziehen. Und das Lufttrocknen dauert gefühlt Stunden.
Bei diesem Haartyp liegen die Schuppen extrem dicht aneinander. Das ist grundsätzlich positiv, denn das Haar ist oft robust und wirkt gesund. Die Herausforderung besteht jedoch darin, Feuchtigkeit überhaupt hineinzubekommen.
Die richtige Pflege
Hier hilft vor allem eines: Wärme. Wärme kann die Schuppenschicht leicht öffnen und es Pflegeprodukten erleichtern, einzudringen. Eine Duschhaube über der Haarkur oder ein warmes Handtuch kann einen großen Unterschied machen.
Wichtig ist außerdem, auf leichte Formulierungen zu setzen. Sehr schwere Öle oder Buttern können sich auf dem Haar ablagern, statt einzuziehen. Inhaltsstoffe wie Aloe Vera oder Glycerin sind oft besser geeignet. Gleichzeitig lohnt es sich, gelegentlich ein klärendes Shampoo zu verwenden, um Produktablagerungen zu entfernen.
Das Ziel ist nicht, das Haar zu „überreden“, sondern ihm den Zugang zur Feuchtigkeit sanft zu erleichtern.
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2. Mittlere Porosität
Wenn dein Haar Feuchtigkeit gut aufnimmt, Frisuren lange hält und insgesamt gesund wirkt, hast du vermutlich mittlere Porosität. Hier sind die Schuppen weder zu dicht geschlossen noch zu weit geöffnet. Feuchtigkeit gelangt ins Haar und bleibt dort auch.
Die richtige Pflege
Dieser Haartyp reagiert meist unkompliziert auf Pflegeprodukte. Farbe wird gut aufgenommen, das Haar glänzt natürlich und bricht selten.
Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Zu häufiges Glätten, Föhnen oder chemische Behandlungen können die Schuppenschicht dauerhaft verändern. Ein Haar mit ursprünglich mittlerer Porosität kann im Laufe der Zeit poröser werden.
Deshalb lohnt sich auch hier eine ausgewogene Pflege. Eine Mischung aus Feuchtigkeit und gelegentlicher Proteinpflege kann helfen, die Struktur stabil zu halten. Und Hitzeschutz sollte selbstverständlich sein – nicht nur bei sichtbaren Schäden, sondern präventiv.
3. Hohe Porosität
Hohe Porosität entsteht häufig durch äußere Einflüsse wie Blondieren, chemische Behandlungen oder starke Hitze. Manchmal ist sie jedoch auch genetisch bedingt. Hier ist die Schuppenschicht stark geöffnet. Das Haar saugt Feuchtigkeit förmlich auf – doch genauso schnell verliert es sie wieder. Das Ergebnis ist oft Frizz, Trockenheit und erhöhte Brüchigkeit.
Typisch ist auch, dass hoch poröses Haar sehr schnell trocknet. Während andere noch mit dem Handtuch auf dem Kopf sitzen, ist es bereits luftgetrocknet – leider oft mit rauer Oberfläche.
Die richtige Pflege
Die Pflege sollte sich hier auf zwei Dinge konzentrieren: intensive Feuchtigkeit und Versiegelung. Reichhaltigere Produkte mit Ölen oder Buttern können helfen, die Feuchtigkeit im Haar einzuschließen. Besonders effektiv ist die Kombination aus Leave-in-Conditioner und anschließendem Öl, das die Pflege „abschließt“.
Auch die Wassertemperatur spielt eine Rolle. Lauwarmes oder eher kühles Wasser kann helfen, die Schuppenschicht nach der Wäsche etwas zu glätten.
Das wichtigste Prinzip lautet hier: Schutz. Jede zusätzliche Schädigung verstärkt die Porosität weiter.
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Kann man Haarporosität verändern?
Wenn deine Porosität genetisch bedingt ist, wirst du sie nicht vollständig verändern können. Aber du kannst den Zustand deines Haares deutlich verbessern.
Bei hoher Porosität bedeutet das, Schäden zu minimieren und Feuchtigkeit besser zu versiegeln. Bei niedriger Porosität geht es darum, die Aufnahme zu erleichtern. Und bei mittlerer Porosität steht der Erhalt im Vordergrund.
Haarporosität ist kein starres Etikett, sondern ein Spektrum. Dein Haar kann sich durch Styling, Umwelteinflüsse und Pflegegewohnheiten verändern. Umso wichtiger ist es, regelmäßig zu beobachten, wie es reagiert.
Warum du deinen Haartyp nicht ignorieren solltest
Viele Menschen wechseln ständig Produkte, weil sie denken, das nächste Serum oder die nächste Maske werde endlich die Lösung sein. Dabei liegt das Problem oft nicht im Produkt – sondern in der fehlenden Abstimmung auf die eigene Haarstruktur.
Ein schweres Öl kann auf niedriger Porosität fettig wirken. Ein leichtes Spray reicht bei hoher Porosität nicht aus. Zu viel Protein kann Haar spröde machen, während zu wenig bei geschädigtem Haar die Struktur schwächt.
Wenn du deine Porosität kennst, kaufst du bewusster ein, sparst Geld und ersparst deinem Haar unnötige Experimente.
Bildquellen
- Haarporosität: iStockphoto.com/ puhhha
