Die einst als Hollywood-Geheimnis gehandelten Abnehmspritzen sind inzwischen mitten im Alltag angekommen. Warum sich monatelang durch strenge Diäten quälen und endlose Stunden im Fitnessstudio verbringen, wenn eine Injektion das Hungergefühl deutlich dämpfen kann? Doch während die Zahlen auf der Waage rapide sinken und die Euphorie wächst, macht ein neuer Begriff die Runde: Ozempic Face. Plötzlich verändert sich das Gesicht sichtbar – schmaler, kantiger, manchmal ungewohnt älter wirkend.
Was steckt hinter dem Begriff „Ozempic Face“?
„Ozempic Face“ ist kein medizinischer Fachausdruck, sondern ein Begriff, der vor allem in sozialen Medien bekannt wurde. Gemeint sind Veränderungen im Gesicht, die im Zuge einer raschen Gewichtsabnahme auftreten können – insbesondere bei Menschen, die mit GLP-1-Medikamenten wie Ozempic (Semaglutid) Gewicht verlieren.
Wichtig ist dabei: Es handelt sich nicht um eine direkte Nebenwirkung des Medikaments. Das Präparat wirkt auf Appetit, Blutzucker und Stoffwechsel. Der Körper verliert Fett – und das eben nicht nur an Bauch, Hüften oder Oberschenkeln, sondern auch im Gesicht.
Genau dort wird es sichtbar.
Warum unser Gesicht so sensibel auf Gewichtsverlust reagiert
Unser Gesicht ist mehr als Haut über Knochen. Unter der Haut liegt subkutanes Fettgewebe – eine Art natürliches Polster, das für jugendliche Fülle sorgt. Es stützt die Haut, rundet Konturen ab und lässt Wangen weich wirken. Wenn dieses Volumen schwindet, verändert sich das gesamte Erscheinungsbild.
Bei langsamem Gewichtsverlust kann sich die Haut oft besser anpassen. Doch wenn viele Kilos in kurzer Zeit verschwinden, verliert auch das Gesicht rasch an Volumen. Die Wangen wirken eingefallen, die Augen erscheinen tiefer liegend, die Haut kann schlaffer wirken. Falten, die vorher kaum auffielen, treten deutlicher hervor.
Viele Betroffene beschreiben einen irritierenden Moment: Der Körper fühlt sich leichter, gesünder und fitter an – doch im Gesicht scheint man plötzlich älter geworden zu sein.
Schlanker – aber auch älter?
Mit zunehmendem Alter verlieren wir natürlicherweise Fett im Gesicht. Gleichzeitig nimmt die Produktion von Kollagen und Elastin ab – zwei Proteine, die für Spannkraft und Elastizität verantwortlich sind. Schneller Gewichtsverlust kann diesen Prozess optisch beschleunigen.
Das Gesicht verliert gewissermaßen sein „Innenpolster“. Ohne diese Stütze kann die Haut weniger straff wirken. Besonders im Bereich der Wangen, entlang der Kieferlinie oder unter den Augen fallen Veränderungen auf. Lippen können schmaler erscheinen, die Wangenknochen markanter hervortreten.
Das Ergebnis ist nicht krankhaft – aber ungewohnt.
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Wer ist besonders betroffen?
Nicht jede Person, die mit Ozempic oder ähnlichen Medikamenten abnimmt, entwickelt ein sogenanntes „Ozempic Face“. Entscheidend sind mehrere Faktoren. Das Tempo der Gewichtsabnahme spielt eine große Rolle. Wer sehr schnell viel Gewicht verliert, erlebt häufig deutlichere Veränderungen.
Auch das Alter ist relevant. Ältere Menschen verfügen bereits über geringere Fettreserven im Gesicht und eine reduzierte Hautelastizität. Wenn dann zusätzlich Fett verloren geht, wird der Effekt stärker sichtbar. Hinzu kommen genetische Faktoren – manche Haut zieht sich besser zusammen als andere.
Außerdem ist entscheidend, wie viel Gewicht insgesamt verloren wird. Eine Reduktion von fünf Kilogramm macht meist weniger aus als eine von zwanzig oder dreißig.
Social Media: Verstärker oder Verunsicherer?
Dass „Ozempic Face“ ein so präsenter Begriff wurde, liegt vor allem an sozialen Medien. Vorher-Nachher-Bilder verbreiten sich rasend schnell, Prominente werden analysiert, Gesichter diskutiert. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, als sei dieses Phänomen dramatisch oder unvermeidlich.
Dabei ist die zugrunde liegende Veränderung keineswegs neu. Menschen, die stark abnehmen – sei es durch Diäten, intensive Trainingsprogramme oder bariatrische Operationen – berichten seit Jahrzehnten von ähnlichen Effekten. Neu ist vor allem die mediale Aufmerksamkeit und die Geschwindigkeit, mit der darüber gesprochen wird.
Social Media verstärkt Wahrnehmungen. Ein eingefallenes Gesicht wird dort schnell zum „Schreckensbild“, obwohl es in der Realität oft weniger drastisch wirkt.
Ist das gesundheitlich problematisch?
Aus medizinischer Sicht lautet die klare Antwort: nein. „Ozempic Face“ ist ein ästhetisches Thema, kein gesundheitliches Risiko. Es handelt sich um eine natürliche Folge von Fettverlust.
Die gesundheitlichen Vorteile einer erfolgreichen Gewichtsreduktion – verbesserte Blutzuckerwerte, geringeres Herz-Kreislauf-Risiko, Entlastung der Gelenke – bleiben davon unberührt. Wer aus gesundheitlichen Gründen abnimmt, sollte diese positiven Effekte nicht aus dem Blick verlieren.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die emotionale Reaktion auf die Veränderungen unwichtig wäre. Unser Gesicht ist zentral für Identität und Selbstwahrnehmung. Wenn es sich stark verändert, kann das verunsichern.
Kann man dem entgegenwirken?
Vollständig verhindern lässt sich ein Volumenverlust im Gesicht bei deutlicher Gewichtsabnahme nicht. Doch es gibt Strategien, um den Effekt abzumildern.
Ein entscheidender Faktor ist das Tempo. Eine langsame, stetige Gewichtsreduktion gibt dem Körper Zeit, sich anzupassen. Etwa ein halbes bis ein Kilogramm pro Woche gilt als moderater Richtwert. Dadurch hat auch die Haut bessere Chancen, sich zurückzubilden.
Eine eiweißreiche Ernährung unterstützt den Muskelerhalt während der Gewichtsabnahme. Krafttraining hilft ebenfalls, Muskelmasse zu erhalten und den Körper insgesamt straffer wirken zu lassen. Zwar ersetzt Muskeltraining kein verlorenes Gesichtsfett, doch ein gesunder Muskelanteil verbessert das gesamte Erscheinungsbild.
Nicht zu unterschätzen ist die Hautpflege. Täglicher Sonnenschutz schützt vor weiterem Kollagenabbau. Eine gute Feuchtigkeitspflege unterstützt die Hautbarriere. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr trägt dazu bei, dass die Haut elastischer wirkt.
Was tun, wenn das neue Gesicht stört?
Manche Menschen fühlen sich trotz aller positiven Veränderungen unsicher, wenn sie ihr neues Gesicht im Spiegel sehen. Das ist verständlich – schließlich ist das Gesicht eng mit unserem Selbstbild verbunden. Natürlich gibt es ästhetische Behandlungen, die Falten glätten oder Volumen zurückbringen können. Doch wichtiger als jede Methode ist die Frage: Fühle ich mich wirklich unwohl – oder muss ich mich nur erst an mein neues Aussehen gewöhnen?
Ein veränderter Körper bedeutet nicht automatisch einen „Makeln“. Oft zeigt er vielmehr, was man geschafft hat. Statt sofort nach Korrekturen zu suchen, kann es helfen, dem eigenen Spiegelbild Zeit zu geben und den Fokus auf Gesundheit, Stärke und Wohlbefinden zu legen. Selbstliebe heißt auch, Veränderungen anzunehmen und sich nicht ausschließlich über jugendliche Fülle oder glatte Haut zu definieren.
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Bildquellen
- Ozempic Face: iStockphoto.com/ Evrymmnt
