Beim Thema Intimhygiene hat Werbung über Jahre ein ziemlich klares Ideal verkauft: Die Vagina soll jederzeit „ultra-frisch“ sein – nach der Periode, nach dem Workout, nach dem Sex. Die Lösung, die uns präsentiert wurde? Die Vaginaldusche – auch Douching genannt. Klingt unkompliziert. Ist es aber nicht. Denn hinter dem scheinbar harmlosen Hygieneprodukt stecken Risiken, über die deutlich seltener gesprochen wird als über das versprochene Frischegefühl.
1. Vaginale Infektionen
Deine Vagina ist kein leerer Raum, den du einfach mit Wasser und Essig durchspülen kannst. Sie beherbergt ein komplexes Ökosystem aus Bakterien – die Scheidenflora. Dieses Gleichgewicht aus „guten“ und „schlechten“ Bakterien sorgt dafür, dass Krankheitserreger in Schach gehalten werden.
Wenn du eine Vaginaldusche verwendest, störst du dieses natürliche Gleichgewicht. Studien zeigen, dass Frauen, die regelmäßig douchten, deutlich häufiger an bakterieller Vaginose leiden. Diese Infektion äußert sich durch unangenehmen Geruch, Ausfluss oder Jucken.
Was viele nicht wissen: Bakterielle Vaginose ist nicht nur lästig – sie kann das Risiko für sexuell übertragbare Infektionen (STIs) wie Chlamydien, Gonorrhoe oder sogar HIV erhöhen. Die vermeintliche „Frische“ kann also in eine Infektion umschlagen.
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2. Beckenentzündung
Ein weiteres großes Risiko ist die Beckenentzündung (Pelvic Inflammatory Disease, PID). Diese ernste Infektion betrifft Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke und kann langfristige gesundheitliche Folgen haben – darunter Unfruchtbarkeit.
Wie kommt es dazu? Wenn du douchst, können Bakterien, die normalerweise harmlos in der Vagina leben, in die oberen Fortpflanzungsorgane gelangen. Studien zeigen, dass Frauen, die regelmäßig douchten, ein bis zu 73 % höheres Risiko für PID haben.
Und das Problem: PID verläuft oft schleichend. Du bemerkst vielleicht lange nichts – und wenn sie behandelt wird, kann der Schaden schon entstanden sein. Wer hätte gedacht, dass „ein bisschen Spülen“ so riskant sein kann?
3. Schwieriger schwanger werden
Die Vaginaldusche kann sogar deinen Weg zur Schwangerschaft erschweren. Frauen, die mehr als einmal pro Woche douchten, hatten laut Studien größere Schwierigkeiten, schwanger zu werden.
Warum? Die ständige Veränderung der Vaginalflora kann das Milieu stören, das für die Überlebensfähigkeit der Spermien wichtig ist. Eine „saubere“ Vagina klingt vielleicht gut – doch ein künstlich verändertes Umfeld kann Spermien schädigen oder ihre Beweglichkeit einschränken.
Kurz gesagt: Regelmäßiges Douching kann deine Fruchtbarkeit unbewusst sabotieren.
4. Eileiterschwangerschaft
Noch alarmierender ist das erhöhte Risiko einer Eileiterschwangerschaft. Dabei nistet sich der Embryo nicht in der Gebärmutter ein, sondern in einem Eileiter – eine potenziell lebensbedrohliche Situation.
Forschungen zeigen, dass regelmäßiges Douching das Risiko dafür deutlich erhöhen kann. Der Grund: Entzündungen oder aufsteigende Bakterien können die Eileiter schädigen, sodass die befruchtete Eizelle ihren Weg nicht korrekt in die Gebärmutter findet.
5. Frühgeburt
Wenn du schwanger bist, kann Douching ebenfalls problematisch sein. Studien deuten darauf hin, dass Frauen, die während der Schwangerschaft vaginale Spülungen verwenden, ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten haben.
Warum genau, wird noch erforscht. Klar ist aber: Entzündliche Prozesse im Intimbereich können vorzeitige Wehen begünstigen. Für dich und dein Baby bedeutet das ein höheres Gesundheitsrisiko.
6. Zervixkarzinom
Langfristig wird regelmäßiges Douching auch mit einem erhöhten Risiko für Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht.
Einige Untersuchungen zeigen, dass Frauen, die mindestens einmal pro Woche douchten, häufiger zervikale Zellveränderungen aufwiesen. Auch wenn der direkte Zusammenhang weiter erforscht wird, legen Daten nahe, dass chronische Reizungen und Störungen der Vaginalflora eine Rolle spielen könnten.
7. Falsches Sicherheitsgefühl
Vielleicht das gefährlichste Risiko: das psychologische. Nach einer Vaginaldusche fühlst du dich möglicherweise „sauber“ oder „geschützt“. Manche glauben sogar, dadurch eine Schwangerschaft oder STI verhindern zu können.
Doch Douching schützt weder vor sexuell übertragbaren Infektionen noch vor einer Schwangerschaft. Im Gegenteil: Indem du schützende Bakterien entfernst, erhöhst du möglicherweise sogar dein Infektionsrisiko.
Dieses falsche Sicherheitsgefühl kann dazu führen, dass Warnzeichen ignoriert oder Risiken unterschätzt werden.
Deine Vagina ist nicht „unrein“
Die gute Nachricht: Deine Vagina kann sich selbst reinigen. Wirklich.
Sie produziert Schleim, der Blut, Sperma und Ausfluss auf natürliche Weise abtransportiert. Ein leichter Geruch ist völlig normal und verändert sich im Laufe des Tages – je nach Hormonen, Zyklus oder körperlicher Aktivität.
Was du stattdessen tun kannst:
- Reinige nur die äußeren Genitalien mit warmem Wasser.
- Verwende bei Bedarf milde, unparfümierte Seife.
- Verzichte auf Duftprodukte wie parfümierte Tampons, Binden oder Intimsprays.
- Lass ungewöhnliche Symptome ärztlich abklären.
Medizinische Fachgesellschaften wie das American College of Obstetricians and Gynecologists raten klar von Vaginalduschen ab.
Vertrau auf deinen natürlichen Säureschutz und das Gleichgewicht deiner Vaginalflora – dein Körper weiß ziemlich gut, was er tut.
@marieeejoan Die richtige VV Pflege mit den besten Tipps für euch zusammengefasst. Sowas kriegen wir Frauen höchstens beim Frauenarzt beigebracht, aber häufig schämen wir uns in Beziehungen für den Geruch o.ä. obwohl der komplett normal ist ♥️ #beziehung #girlssupportgirls #frauenarzt ♬ Originalton – Marie 🧦
Bildquellen
- Vaginaldusche: iStockphoto.com/ Daryna Pyrig
