Nahrungsergänzungsmittel sind längst Lifestyle geworden. Auf Instagram, in Drogeriemärkten und Online-Shops leuchten stylische Dosen mit riesigen Versprechen: mehr Energie, bessere Stimmung, Glow für die Haut, Schutz fürs Herz. Alles klingt clean, natürlich, unkompliziert. Genau das macht es so verführerisch – und so trügerisch. Denn hinter dem Wellness-Image verbergen sich bei manchen der beliebtesten Supplements Risiken, über die kaum jemand spricht. Hier kommen fünf Klassiker, die du definitiv nicht einfach gedankenlos einwerfen solltest.
1. Kava
Kava, eine Pflanze aus dem Südpazifik, wird für ihre beruhigende Wirkung geschätzt. Manche Menschen nutzen sie bei Angstzuständen oder Schlafproblemen. Die entspannende Wirkung setzt oft spürbar ein – genau das macht Kava so attraktiv. Doch Kava ist eines der umstrittensten pflanzlichen Präparate überhaupt.
Berichte über schwere Leberschäden – darunter Hepatitis, Leberzirrhose und sogar Leberversagen – führten in mehreren Ländern zu Warnungen oder zeitweisen Verboten. Besonders gefährlich wird es, wenn Kava mit Alkohol oder anderen leberbelastenden Medikamenten kombiniert wird. Zusätzlich können Kava-Supplements folgende Risiken haben:
- starke Müdigkeit verursachen
- Reaktionsfähigkeit und Konzentration beeinträchtigen
- Hautreaktionen oder Veränderungen hervorrufen
Viele Expertinnen und Experten raten daher klar von der Einnahme ab – vor allem ohne ärztliche Kontrolle.
2. Fischöl
Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl gelten seit Jahren als Herz-Booster. Wer seinem Herzen etwas Gutes tun will, greift zu Kapseln – so zumindest die verbreitete Annahme.
Doch neuere Studien zeigen ein differenzierteres Bild. Eine große Beobachtungsstudie mit Hunderttausenden Teilnehmer:innen deutet darauf hin, dass regelmäßige Fischöl-Einnahme bei gesunden Menschen möglicherweise das Risiko für Vorhofflimmern (Herzrhythmusstörung) erhöhen könnte. Andere Analysen zeigen zwar eine Senkung der Sterblichkeit durch Herzkrankheiten – jedoch ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen.
Die American Heart Association empfiehlt Omega-3-Präparate nicht für Personen ohne erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko.
Zusätzlich können Fischölkapseln:
- Blutungen verstärken (besonders in Kombination mit Blutverdünnern)
- Magen-Darm-Beschwerden verursachen
- bei hohen Dosen das Immunsystem beeinflussen
Omega-3-Fettsäuren lassen sich am besten über eine abwechslungsreiche Ernährung aufnehmen – etwa durch Lachs, Makrele, Walnüsse oder Leinsamen.
@adaezenwoha Should you stop taking fish oil?! There has been alot of buzz around fish oil lately and I just want to keep you in the loop. Atrial fibrillation (heart palpitations) is when your heart beats very fast like 150 beats per minute! (Just so you know) it is scary! Stick around to the end to hear some alternatives. What is your reason for taking fish oil? Will you still continue to take the supplement? #supplements #reversedisease #learnontiktok #insulinresistance #healthy #lifestylechanges #eatthisnotthat #healthcoach #houston #healthyfood #trending #viraltiktok #funny #hypertension #highbloodpressure #atrialfibrillation #heartpalpitations ♬ original sound – Christine Nwoha, MD
3. Johanniskraut
Johanniskraut wird häufig als „natürliches Antidepressivum“ beworben. Studien zeigen tatsächlich eine Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Depressionen – teilweise vergleichbar mit klassischen Antidepressiva.
Doch die Pflanze hat auch Schattenseiten: Johanniskraut wirkt stark auf den Stoffwechsel in der Leber und beeinflusst zahlreiche Enzymsysteme.
Gefährliche Wechselwirkungen sind möglich mit:
- Antibabypillen
- Blutverdünnern
- HIV-Medikamenten
- Immunsuppressiva nach Transplantationen
- bestimmten Krebsmedikamenten
In Kombination mit anderen Antidepressiva kann es zu einem Serotonin-Syndrom kommen – einem potenziell lebensbedrohlichen Zustand mit Fieber, Verwirrtheit, Zittern und Herzrasen.
Viele Menschen erwähnen pflanzliche Präparate nicht beim Arztbesuch – ein riskanter Fehler.
4. Kalzium
Kalzium gilt als unverzichtbar für stabile Knochen. Besonders Frauen nach der Menopause greifen zu Supplementen, um Osteoporose vorzubeugen. Doch hohe Dosierungen können problematisch sein.
Einige Studien bringen Kalziumpräparate mit einem erhöhten Risiko für Arterienverkalkung (Atherosklerose) und Herzinfarkte in Verbindung. Die Datenlage ist zwar nicht eindeutig, aber ausreichend, um zur Vorsicht zu mahnen.
Der mögliche Mechanismus: Überschüssiges Kalzium aus Tabletten gelangt direkt ins Blut und wird nicht automatisch in die Knochen eingebaut. Bestehende Gefäßablagerungen könnten sich dadurch theoretisch verstärken.
Empfohlene Höchstmengen:
- 2.500 mg täglich (19–50 Jahre)
- 2.000 mg täglich (ab 51 Jahren)
Besser ist es, Kalzium über Lebensmittel wie Joghurt, Käse, Tofu oder grünes Gemüse aufzunehmen.
@unmaskedceo Why You Should STOP Taking Calcium Supplements For Your Heart #diaryofaceo #hearthealth #cardiologist #stevenbartlett #supplements ♬ original sound – Unmasked CEOs
5. Vitamin D
Vitamin D wird oft als Wundermittel gefeiert: für starke Knochen, ein robustes Immunsystem und sogar zur Krebsprävention. Zwar ist Vitamin D essenziell für den Körper – doch für viele gesunde Erwachsene bringt eine zusätzliche Einnahme keinen klaren Vorteil. Das Supplement birgt sogar ernste Risiken.
Große klinische Studien konnten weder eine deutliche Senkung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch von Krebs durch routinemäßige Supplementierung nachweisen. Für bestimmte Gruppen kann Vitamin D sinnvoll sein, etwa bei nachgewiesenem Mangel oder bei Erkrankungen mit gestörter Nährstoffaufnahme wie Crohn’s disease.
Die Risiken einer Überdosierung sind jedoch real:
- Übelkeit und Erbrechen
- erhöhte Kalziumspiegel im Blut
- Nierensteine
- Wechselwirkungen mit Diuretika, Kortison oder Cholesterinsenkern
Da Vitamin D fettlöslich ist, wird es im Körper gespeichert. Dauerhaft hohe Dosen können daher schaden.
Wann diese Supplements sinnvoll sein können
So kritisch man die Risiken betrachten sollte – es gibt durchaus Situationen, in denen diese Nahrungsergänzungsmittel medizinisch sinnvoll oder sogar notwendig sein können. Vitamin D ist empfehlenswert bei nachgewiesenem Mangel, bei älteren Menschen mit geringer Sonnenexposition oder bei Erkrankungen mit gestörter Nährstoffaufnahme wie Crohn’s disease.
Kalzium kann bei diagnostizierter Osteoporose oder wenn über die Ernährung dauerhaft zu wenig aufgenommen wird, unterstützend eingesetzt werden – idealerweise in ärztlich abgestimmter Dosierung.
Fischöl bzw. Omega-3-Fettsäuren können bei bestimmten Herzpatienten mit erhöhtem Risiko sinnvoll sein, sofern dies medizinisch begleitet wird und die Empfehlungen der American Heart Association berücksichtigt werden.
Johanniskraut kann bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen eine Option sein, wenn keine kritischen Medikamentenwechselwirkungen bestehen.
Kava wird in einigen Fällen kurzfristig bei leichter Angst eingesetzt, sollte jedoch wegen möglicher Leberschäden nur unter strenger ärztlicher Kontrolle erfolgen. Entscheidend ist immer: Nicht das Supplement an sich ist gut oder schlecht – sondern die individuelle Situation, Dosierung und fachliche Begleitung machen den Unterschied.
Bildquellen
- Supplements mit Risiken: iStockphoto.com/ FreshSplash
