Eine Erektion steht für viele für Selbstbewusstsein und körperliche Power. Aber was passiert, wenn sie einfach nicht mehr nachlässt? Wenn aus dem vermeintlich „beeindruckenden“ Dauerzustand plötzlich Schmerz, Spannungsgefühl und echte Sorge werden? Genau das ist ein Priapismus – eine Erektion, die länger als zwei Stunden anhält und nichts mit sexueller Erregung zu tun hat. Was manche noch mit einem lockeren Spruch abtun, ist in Wahrheit ein medizinischer Notfall.
Zwischen Mythos und Medizin
Filme, Serien und lockere Sprüche unter Freunden haben das Thema Dauererektion lange in eine schräge Comedy-Ecke gestellt. „Dauerständer“ klingt für manche eher nach Übertreibung oder peinlicher Anekdote als nach Gesundheitsproblem. Fast so, als wäre es ein kurioses Luxusphänomen. Die Wahrheit ist deutlich weniger witzig: Eine echte Dauererektion kann massiv schmerzen – und im schlimmsten Fall die Erektionsfähigkeit dauerhaft schädigen.
Der medizinische Begriff geht übrigens auf Priapos zurück, eine Figur aus der griechischen Mythologie, die mit einem übergroßen, permanent erigierten Penis dargestellt wurde. In der Antike war das ein Symbol für Fruchtbarkeit und Potenz. In der Realität des 21. Jahrhunderts ist ein Priapismus jedoch kein Zeichen von Stärke – sondern ein ernstzunehmender medizinischer Notfall.
Was genau passiert im Körper?
Um zu verstehen, warum eine Dauererektion gefährlich werden kann, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Mechanik einer normalen Erektion. Bei sexueller Erregung erweitern sich die Blutgefäße im Penis, Blut strömt in die Schwellkörper, und der venöse Abfluss wird gedrosselt – der Penis wird steif. Nach dem Höhepunkt oder dem Nachlassen der Erregung normalisiert sich der Blutfluss wieder.
Beim Priapismus jedoch gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht. Es gibt zwei Hauptformen:
1. Ischämischer (Low-Flow) Priapismus
Hier kann das Blut nicht mehr richtig abfließen. Es staut sich in den Schwellkörpern, verliert an Sauerstoff, und das Gewebe beginnt zu „ersticken“. Diese Form ist die häufigere – und gefährlichere. Sie geht fast immer mit starken Schmerzen einher.
2. Nicht-ischämischer (High-Flow) Priapismus
Hier fließt zu viel Blut in den Penis, meist infolge einer Verletzung. Der Zustand ist oft weniger schmerzhaft, aber ebenfalls behandlungsbedürftig.
Warum ist das so gefährlich?
Die eigentliche Gefahr liegt in der Zeit. Je länger das Blut in den Schwellkörpern eingeschlossen bleibt, desto stärker wird das Gewebe geschädigt.
Bereits nach sechs bis acht Stunden kann es zu ersten bleibenden Schäden kommen. Nach 24 Stunden steigt das Risiko für dauerhafte Erektionsstörungen dramatisch. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Männer, die sehr spät behandelt werden, langfristig unter Impotenz leidet.
Das Problem: Viele Betroffene zögern. Aus Scham. Aus Unsicherheit. Oder weil sie hoffen, „es wird schon wieder weggehen“. Doch genau dieses Abwarten kann fatale Folgen haben.
Ursachen: Von Medikamenten bis Blutkrankheiten
Eine Dauererektion entsteht selten ohne Grund. Häufige Auslöser sind:
- Blutkrankheiten wie Sichelzellenanämie oder Leukämie
- Bestimmte Medikamente, etwa Antidepressiva oder Mittel gegen Erektionsstörungen
- Injektionen in den Schwellkörper (z. B. bei einer SKAT-Therapie)
- Drogen wie Kokain oder Amphetamine
- Verletzungen im Becken- oder Genitalbereich
- Neurologische Erkrankungen
Besonders tückisch: Auch Medikamente, die eigentlich bei Erektionsproblemen helfen sollen, können in seltenen Fällen genau das Gegenteil bewirken – eine Erektion, die nicht mehr endet.
@robmedc Ja, das ist tatsächlich so passiert. Der Meister hat am eigenen Leib erfahren, was Priapismus ist. Priapismus bezeichnet eine äußerst schmerzhafte Erektion, die länger als zwei Stunden anhält und nicht durch $€xuelle Erregung bedingt ist. Man unterscheidet zwischen dem Low-Flow- und dem High-Flow-Priapismus. In diesem Fall handelt es sich um die Low-Flow-Form, bei der das Gewebe unter Sauerstoffmangel leidet. Es ist ein zeitkritischer Notfall, der schnell behandelt werden muss, da sonst dauerhafte Potenzstörungen drohen. Priapismus kann als Nebenwirkung von Medikamenten oder infolge einer Rückenmarksverletzung auftreten, unter anderem. Eine mögliche Behandlung besteht darin, das Blut mit einer Nadel aus dem Schwellkörper zu entfernen. #rettungsdienst #humor Yes, that really happened. This dude experienced firsthand what priapism is. Priapism is an extremely painful erection that lasts longer than two hours and is not caused by $€xual arousal. There are two types of priapism: low-flow and high-flow. In this case, it is the low-flow type, where the tissue suffers from a lack of oxygen. It is a time-critical emergency that must be treated quickly to avoid permanent erectile dysfunction. Priapism can occur as a side effect of medication or as a result of a spinal cord injury, among other causes. One possible treatment is to remove the blood from the corpora cavernosa using a needle. #ems #comedy @Robert Constantin🩺 ♬ Originalton – Robert Constantin🩺
Der Schmerz als Warnsignal
Viele Männer berichten von einem zunehmenden Druckgefühl, das sich zu starken Schmerzen steigert. Der Penis ist hart, gespannt, manchmal bläulich verfärbt. Die Eichel bleibt oft weich – ein typisches Zeichen für die gefährliche Low-Flow-Variante.
Schmerz ist in diesem Fall kein Nebeneffekt, sondern ein Alarmzeichen. Er signalisiert, dass das Gewebe unter Sauerstoffmangel leidet. Und Sauerstoffmangel ist Gift für empfindliche Strukturen.
Was passiert beim Arzt?
In der Notaufnahme zählt jede Minute. Zunächst wird geklärt, wie lange die Erektion bereits besteht und ob Schmerzen vorhanden sind. Eine Blutgasanalyse aus dem Schwellkörper kann zeigen, ob es sich um die ischämische oder nicht-ischämische Form handelt.
Bei der gefährlicheren Variante wird häufig zunächst Blut aus dem Schwellkörper abgesaugt. Das klingt dramatisch – und ist es auch –, doch es ist oft der effektivste Weg, den Druck zu senken. Zusätzlich können gefäßverengende Medikamente injiziert werden. In schweren Fällen ist ein operativer Eingriff nötig, bei dem ein künstlicher Abfluss geschaffen wird.
Beim High-Flow-Priapismus hingegen kann manchmal abgewartet werden. Wenn der Zustand anhält, kann eine gezielte Gefäßverödung (Embolisation) helfen.
@dr.anika.ackerman Be careful out there guys! #emergency #emergencyroom #urology #urologist #emergencymedicine ♬ original sound – Dr. Anika Ackerman
Priapismus bei Kindern und Frauen?
Auch wenn man es kaum vermuten würde: Eine Dauererektion kann bereits im Kindesalter auftreten. Besonders Jungen mit Sichelzellenanämie sind gefährdet. Für Eltern ist das eine belastende Situation – umso wichtiger ist eine schnelle medizinische Abklärung.
Weniger bekannt ist, dass es auch bei Frauen eine ähnliche Erscheinung geben kann: eine anhaltende, schmerzhafte Schwellung der Klitoris, manchmal als Klitorismus bezeichnet. Auch hier gilt: Anhaltende Schmerzen und Schwellungen sollten ärztlich untersucht werden.
Kann man vorbeugen?
Nicht jeder Fall ist vermeidbar. Doch wer zu einer Risikogruppe gehört, kann einiges tun:
- Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen
- Nebenwirkungen ernst nehmen
- Drogenkonsum vermeiden
- Grunderkrankungen konsequent behandeln
- Frühere Episoden unbedingt ärztlich abklären lassen
Besonders wichtig ist Aufklärung. Wer weiß, dass eine Erektion über zwei Stunden ein Warnsignal ist, wird eher handeln.
Die wichtigste Regel: Zwei Stunden sind die Grenze
Vielleicht ist das die zentrale Botschaft dieses Themas: Eine Erektion, die länger als zwei Stunden anhält und nicht auf sexuelle Erregung zurückzuführen ist, ist kein Kuriosum – sie ist ein Notfall.
Wer starke Schmerzen verspürt, sollte nicht zögern und direkt in eine Notaufnahme gehen. Selbst wenn sich die Situation am Ende als weniger dramatisch herausstellt – einmal zu viel untersucht ist immer besser als einmal zu spät.
Warum das Thema enttabuisiert werden sollte
Sexuelle Gesundheit wird noch immer häufig verschämt behandelt. Dabei gehört sie genauso selbstverständlich zur Medizin wie Herz- oder Lungenerkrankungen. Ein Priapismus ist keine peinliche Anekdote, sondern eine ernstzunehmende Durchblutungsstörung.
Je offener darüber gesprochen wird, desto eher trauen sich Betroffene, Hilfe zu suchen. Und genau das entscheidet oft über den Ausgang.
Bildquellen
- Dauererektion: iStockphoto.com/ Iuliia Pilipeichenko
