Anti-Aging aus der Alge: Wie wirksam ist Astaxanthin wirklich?

Er ist leuchtend rot, verleiht Lachs sein appetitliches Orange und gilt auch als eines der stärksten Antioxidantien der Welt: Astaxanthin. Kaum ein anderer Pflanzenstoff wird derzeit so häufig mit Schlagworten wie Anti-Aging, Zellschutz oder natürlicher Jungbrunnen in Verbindung gebracht. Doch was steckt wirklich hinter dem Hype um den roten Farbstoff?

Warum Astaxanthin überhaupt existiert

Astaxanthin gehört zur großen Familie der Carotinoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind verantwortlich für viele der intensiven Farben in der Natur: das Orange der Karotte, das Gelb von Mais oder das tiefe Rot reifer Tomaten. Sie sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern erfüllen in Pflanzen und Algen lebenswichtige Funktionen. Carotinoide schützen vor UV-Strahlung, neutralisieren aggressive Sauerstoffverbindungen und helfen dabei, Stress zu überstehen.

Astaxanthin zählt innerhalb dieser Gruppe zu den Xanthophyllen – einer Unterklasse, die Sauerstoffatome enthält und dadurch besonders reaktionsfreudig ist. Die wohl bekannteste natürliche Quelle ist die Süßwasseralge Haematococcus pluvialis. Gerät sie unter Stress – etwa durch starke Sonneneinstrahlung oder Nährstoffmangel –, produziert sie große Mengen Astaxanthin. Der Farbstoff wirkt wie ein biologischer Schutzschild: Er fängt freie Radikale ab und verhindert Zellschäden.

Diese Strategie hat sich evolutionär bewährt. Tiere, die die Alge fressen – etwa Krebstiere oder bestimmte Fischarten –, lagern das Astaxanthin in ihrem Gewebe ein. Flamingos wiederum erhalten ihre rosa Färbung, weil sie sich von genau diesen Organismen ernähren. Die Farbe ist also kein Zufall, sondern ein sichtbares Nebenprodukt biochemischer Überlebensstrategien.

Vom Pflanzenfarbstoff zum Nahrungsergänzungsmittel

Entdeckt wurde Astaxanthin bereits 1938. Lange galt es jedoch als reiner Farbstoff ohne größere Bedeutung für den Menschen. Erst in den vergangenen Jahrzehnten änderte sich das Bild. Forschende stellten fest, dass Astaxanthin nicht nur in Pflanzen und Tieren wirkt, sondern auch im menschlichen Körper aktiv sein kann.

Besonders auffällig: Astaxanthin ist fettlöslich und kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden – eine Barriere, die viele Substanzen nicht passieren. Das machte den Stoff für die Forschung besonders interessant. Könnte ein natürlicher Farbstoff tatsächlich Zellen im Gehirn schützen? Könnte er Entzündungen dämpfen, Alterungsprozesse verlangsamen oder das Immunsystem stärken?

Mit diesen Fragen begann der Aufstieg Astaxanthins vom Nischenstoff zum beliebten Inhaltsstoff von Nahrungsergänzungsmitteln.

Antioxidans mit besonderem Talent

Eines lässt sich kaum bestreiten: Astaxanthin wirkt antioxidativ. Antioxidantien neutralisieren sogenannte freie Radikale – hochreaktive Moleküle, die im Stoffwechsel entstehen oder durch Umweltfaktoren wie UV-Strahlung, Luftverschmutzung oder Rauchen vermehrt auftreten. In zu großer Menge können freie Radikale Zellen schädigen und Entzündungsprozesse fördern.

Astaxanthin besitzt eine chemische Struktur, die es ihm erlaubt, sowohl innerhalb als auch außerhalb von Zellmembranen aktiv zu sein. Während viele Antioxidantien nur einen Teil der Zelle schützen, wirkt Astaxanthin gewissermaßen beidseitig. In Laborversuchen zeigt es dabei eine starke Radikalfängeraktivität – stärker als Vitamin E oder Beta-Carotin.

Doch hier beginnt bereits der erste Stolperstein: Was im Reagenzglas beeindruckend wirkt, entfaltet im menschlichen Körper nicht automatisch dieselbe Wirkung.

Entzündungen, Alterung und chronische Krankheiten

In wissenschaftlichen Studien wird Astaxanthin häufig mit entzündungshemmenden Effekten in Verbindung gebracht. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass der Stoff bestimmte Signalwege beeinflussen kann, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind. Das weckte Hoffnungen im Hinblick auf Erkrankungen wie Arteriosklerose, Typ-2-Diabetes, Alzheimer oder Osteoporose – alles Krankheiten, bei denen chronische Entzündungen eine Rolle spielen.

Allerdings stammen viele dieser Erkenntnisse aus Zellkultur- oder Tierstudien. Humanstudien existieren zwar, sind jedoch oft klein, kurzzeitig oder methodisch eingeschränkt. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber nicht eindeutig genug, um Astaxanthin als Therapie oder Präventionsmittel zu empfehlen.

Auch der häufig beworbene Anti-Aging-Effekt beruht vor allem auf theoretischen Überlegungen: Wenn oxidativer Stress und Entzündungen Alterungsprozesse fördern – und Astaxanthin beides beeinflusst –, könnte es indirekt zur Gesunderhaltung beitragen. Ein bewiesenes „Jungbrunnen-Molekül“ ist es damit jedoch nicht.

Augen, Gehirn und Immunsystem – was ist dran?

Besondere Aufmerksamkeit erhielt Astaxanthin im Zusammenhang mit der Augengesundheit. Einige Studien deuten darauf hin, dass der Stoff die Durchblutung im Auge verbessern und oxidative Schäden reduzieren könnte. Das machte ihn interessant im Kontext von Bildschirmarbeit, Sehschärfe oder altersbedingten Veränderungen.

Doch auch hier gilt: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat entsprechende gesundheitsbezogene Werbeaussagen geprüft – und abgelehnt. Die Datenlage reichte nicht aus, um einen klaren Nutzen zu bestätigen.

Ähnlich verhält es sich beim Immunsystem. Astaxanthin kann offenbar bestimmte Immunzellen aktivieren, darunter natürliche Killerzellen. Ob dies jedoch im Alltag zu einer messbar besseren Immunabwehr führt, ist offen. Ein stärker reagierendes Immunsystem ist zudem nicht automatisch ein gesünderes.

@priceplowTHANKS TO NOW FOODS FOR THE TRUTH.♬ original sound – PricePlow

Kapsel oder Lachsfilet?

Im Handel sind Astaxanthin-Präparate weit verbreitet. Eine einzelne Kapsel enthält oft vier bis acht Milligramm des Farbstoffs – deutlich mehr, als über die normale Ernährung aufgenommen wird. Zum Vergleich: 100 Gramm Lachs liefern meist weniger als ein Milligramm Astaxanthin.

Heißt das, dass Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind? Nicht unbedingt. Astaxanthin ist kein essenzieller Nährstoff. Ein Mangel führt zu keinen bekannten Krankheitsbildern. Wer keinen Astaxanthin zu sich nimmt, ist nicht automatisch schlechter versorgt.

Hinzu kommt: In Lebensmitteln wie Lachs oder Garnelen tritt Astaxanthin gemeinsam mit anderen wertvollen Nährstoffen auf – etwa Omega-3-Fettsäuren, hochwertigem Eiweiß und Vitamin E. Diese Kombination könnte entscheidend sein. Isolierte Hochdosen in Kapselform bieten dagegen keinen nachgewiesenen Zusatznutzen für gesunde Menschen.

@doctorgroosFinger weg von Astaxanthin, wenn du diese eine Sache nicht beachtest! Astaxanthin wird gerade als Anti-Aging-Wunder gehypt. Starkes Antioxidans, sogar stärker als Vitamin C, gut für die Haut, Augen, Mitochondrien. Und alles andere gefühlt auch… Aber was die die wenigsten sagen: Astaxanthin wirkt nur dann, wenn du es richtig einnimmst! Astaxanthin ist ein Antioxidans, was fettlöslich ist. Nimmst du es also nüchtern oder einfach „mal eben morgens“, landet ein Großteil davon ungenutzt im Körper. Studien zeigen, dass die Bioverfügbarkeit um ein Vielfaches höher ist, wenn es zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen wird. Ohne Fett bringt es dir also fast garnichts! Meine Empfehlung ist daher, 4–8 mg Astaxanthin täglich, immer zu einer Mahlzeit mit Fett, idealerweise mittags oder abends, z. B. mit Olivenöl, Eiern oder Fisch. Optional sinnvoll kombiniert mit Omega-3 und nicht gleichzeitig mit hochdosierten Antioxidantien. Folg mir wenn du mehr zum Thema Gesundheit und Longevity erfahren möchtest.♬ Originalton – doctorgroos

Hat Astaxanthin Nebenwirkungen?

Astaxanthin gilt in moderaten Mengen als sicher. Die EFSA stuft eine tägliche Aufnahme von bis zu acht Milligramm für Erwachsene als unbedenklich ein. Gleichzeitig hat sie zahlreiche Werbeversprechen untersagt – darunter Aussagen zu Anti-Aging, Sehschärfe oder Krankheitsprävention.

Das ist ein wichtiger Punkt: Ein Stoff kann sicher sein, ohne wirksam im beworbenen Sinne zu sein. Genau hier liegt der Unterschied zwischen wissenschaftlichen Nachweisen und Marketing.

Kein einzelner Pflanzenstoff kann eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement ersetzen.

Bildquellen

  • Astaxanthin: iStockphoto.com/ Gingagi

Empfohlene Artikel

Melde dich für unseren Newsletter an

Keine Sorge, wir spamen dich nicht zu ;) Du bekommst 1-mal jede 2 Wochen die beliebtesten Beiträge und Videos von uns.