Osteoporose und Brustkrebs: Wie schädlich ist die Pille wirklich?

In den 1960er Jahren veränderte die Pille das Leben von Frauen weltweit. Plötzlich konnten Frauen erstmals selbst bestimmen, wann sie Kinder bekommen wollten – die Pille wurde zu einem Symbol für sexuelle Freiheit, gesellschaftlichen Wandel und gesundheitliche Autonomie. Jahrzehnte lang galt sie als sicher, verlässlich und nahezu selbstverständlich. Doch mit dem Beginn der Corona‑Pandemie geriet sie in die öffentliche Diskussion: Viele Frauen setzten sie ab, weil sie sich über Risiken wie Thrombosen oder hormonelle Nebenwirkungen sorgten. Gleichzeitig rückten Themen wie Körperbewusstsein und hormonelle Balance stärker in den Fokus.

Doch jetzt erfährt die Pille eine neue Aufmerksamkeit – und das nicht nur als Verhütungsmittel, sondern auch wegen zahlreicher gesundheitlicher Vorteile. Doch nicht alle Diskussionen sind leicht zu beantworten. Besonders Fragen nach Langzeitrisiken wie Osteoporose oder Brustkrebs verunsichern viele Frauen. Ist die Pille schädlich für die Knochen? Erhöht sie das Risiko für Brustkrebs? Welche Präparate gelten als „sicherer“ und worauf sollte man achten, besonders wenn eine familiäre Vorbelastung besteht?

Die Vorteile der Pille – weit mehr als reine Verhütung

Die Pille wird zwar oft als Verhütungsmittel gesehen, sie ist aber in vielen Fällen deutlich mehr: Ein vielseitiges hormonelles Werkzeug, das Einfluss auf zahlreiche körperliche Prozesse hat. Für viele Frauen bedeutet sie mehr Lebensqualität, deutlich weniger Schmerzen, planbare Zyklen und eine Entlastung von Symptomen, die sonst den Alltag beeinträchtigen würden.

  • Zuverlässiger Schutz vor ungewollter Schwangerschaft

Das Hauptargument für die Pille bleibt ihre Verlässlichkeit: In der typischen Anwendung schützt sie sehr gut vor einer ungewollten Schwangerschaft, besser als viele nicht‑hormonelle Methoden. Besonders für Frauen, die keine anderen Barrieren verwenden möchten oder eine langfristige Lösung suchen, ist sie oft erste Wahl.

  • Zyklusregulierung und Planbarkeit

Viele Frauen leiden unter unregelmäßigen Zyklen. Die Pille hilft, diesen zu stabilisieren. Das bedeutet:

  • regelmäßige Blutungen in definierten Abständen,
  • weniger Unsicherheit über den eigenen Körper,
  • bessere Planbarkeit für Reisen, Sportereignisse oder berufliche Verpflichtungen.
  • Linderung starker Regelschmerzen

Für viele Frauen sind starke Monatsblutungen und Schmerzen ein großes Problem. Durch die Einnahme der Pille werden hormonelle Schwankungen abgeflacht, was oft zu deutlich geringeren Schmerzen führt – ein Effekt, der den Alltag vieler Frauen spürbar erleichtert.

  • Bessere Haut und weniger hormonelle Akne

Hormonelle Akne ist für viele ein großes Belastungsthema, besonders in jungen Jahren. Aber auch Erwachsene kämpfen mit Hautunreinheiten und Pickeln (besonders am Kinn!) vor der Periode. Die Pille wirkt regulierend auf den Hormonhaushalt und kann bei vielen Frauen zu einer deutlichen Verbesserung des Hautbildes führen.

  • PMS-Linderung 

PMS (Prämenstruelles Syndrom) kann mit Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Reizbarkeit oder körperlichen Beschwerden einhergehen. Viele Frauen berichten, dass sich diese Symptome durch die Pille abschwächen oder besser planbar werden.

Risiken und Nebenwirkungen – ein realistischer Blick

So klar die Vorteile sind, so wichtig ist es, auch die Risiken ehrlich zu betrachten. Kein Medikament ist ohne Nebenwirkungen – und die Pille wirkt hormonell, was bedeutet, dass sie viele Systeme im Körper beeinflusst.

  • Thromboserisiko: Ein Risiko, das immer wieder diskutiert wird, ist die erhöhte Wahrscheinlichkeit für Blutgerinnsel (Thrombosen). Besonders betroffen sind:
  • Frauen über 35,
  • Raucherinnen,
  • Frauen mit Übergewicht,
  • solche mit familiärer Vorbelastung für Gerinnungsstörungen.

Das Risiko für eine tiefe Venenthrombose oder Lungenembolie ist bei einigen hormonellen Pillen erhöht, besonders in der kombinierten Form mit Östrogen und Gestagen.

Bewertungen der European Medicines Agency (EMA) zeigen, dass Pillen mit Drospirenon ein höheres Thromboserisiko haben als Pillen mit Levonorgestrel (häufig in älteren Präparaten).

Allerdings gilt: Auch eine Schwangerschaft selbst erhöht das Thromboserisiko deutlich stärker als die Pille. Wichtig ist eine sorgfältige Risikoabwägung mit einer Ärztin oder einem Arzt.

  • Hormonelle Nebenwirkungen:

Einige Frauen berichten über:

  • Stimmungsschwankungen
  • Libidoveränderungen
  • Gewichtsschwankungen
  • Kopfschmerzen oder Migräne
  • Brustspannen

Aber: Diese Effekte treten nicht bei allen auf, aber sie können die Lebensqualität bei den Betroffenen beeinflussen und Grund für ein Umdenken oder einen Präparatewechsel sein.

  • Einfluss auf Stoffwechsel und Blutdruck

Die Pille kann den Blutdruck leicht erhöhen oder den Lipid‑ und Glukosestoffwechsel beeinflussen. Das ist besonders für Frauen mit bestehenden Herz‑Kreislauf‑Risiken relevant und sollte regelmäßig ärztlich kontrolliert werden.

Osteoporose und die Pille – ein komplexes Thema

Osteoporose tritt vor allem im höheren Alter auf, kann aber auch bei jüngeren Frauen relevant sein – insbesondere dann, wenn hormonelle Einflüsse oder genetische Faktoren eine Rolle spielen. Östrogen ist ein Schlüsselhormon für die Knochengesundheit. Es verlangsamt den Abbau von Knochengewebe und unterstützt den Aufbau. Nach den Wechseljahren, wenn der Östrogenspiegel stark sinkt, steigt das Risiko für Osteoporose deutlich.

Die wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ist komplex, weil viele Faktoren eine Rolle spielen – Alter, Einnahmedauer, Wirkstoffzusammensetzung, Lebensstil und genetische Faktoren. Hier sind zwei zentrale Erkenntnisse:

  • Studie A – große Kohortenanalyse

Eine Analyse von über 250.000 Frauen zeigte, dass die Einnahme der Pille nicht mit einem geringeren Knochenmineraldichte‑Wert verbunden war; in vielen Fällen war die Knochendichte bei Nutzerinnen sogar höher als bei Nicht‑Nutzerinnen, besonders bei längerem Gebrauch.

  • Studie B – systematischer Review

Eine Übersicht von 75 Studien ergab, dass bei perimenopausalen Frauen hormonelle Kontrazeptiva tendenziell eher einen stabilisierenden Effekt auf die Knochenmineraldichte haben können, während die Effekte bei jüngeren Frauen weniger klar sind und von den Dosierungen abhängen. Bei dieser Altersgruppe (die Frauen, die sich in der Phase des maximalen Knochenaufbaus befinden) können extrem niedrige Östrogendosen oder bestimmte Präparate den Aufbau leicht beeinflussen.

Lebensstilfaktoren wie Ernährung, Bewegung, Vitamin‑D‑Status und genetische Vorbelastung sind oft entscheidender für die Knochengesundheit.

Brustkrebsrisiko und die Pille – aktuelle Forschungslage

Ein weiteres Themenfeld, das im Zusammenhang mit der Einnahme der Pille häufig in diversen Social Media Reels oder Foren im Internet diskutiert wird, ist: Erhöht die Pille das Brustkrebsrisiko? Die Forschung zeigt ein differenziertes Bild.

Eine Meta‑Analyse von 13 prospektiven Studien mit fast 870.000 Frauen fand, dass die Einnahme der Pille mit einem leicht erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden sein kann. Die relative Risikoerhöhung lag bei ca. 1,08, und längere Einnahmedauer (>10 Jahre) zeigte einen etwas stärkeren Effekt. Relatives Risiko beschreibt den Vergleich zwischen Gruppen: Ein 20 % höheres relatives Risiko bedeutet bei jungen Frauen nur einen geringen absoluten Anstieg. Mit zunehmendem Alter oder familiärer Belastung kann das Risiko relevanter werden.

Welche Pillen/Wirkstoffe sind besser bzw. weniger geeignet bei Risiko für Osteoporose oder Brustkrebs

Bei der Wahl einer Pille spielen die Zusammensetzung der Hormone und damit verbundene Risiken eine weitere große Rolle. Die wichtigsten Wirkstoffgruppen bei kombinierten hormonellen Pillen sind:

1) Östrogen-Komponente

Ethinylestradiol (EE) – das am häufigsten verwendete künstliche Östrogen in Kombinationspillen.

Niedrigere Dosen von EE (< 30 µg) sind mit einem geringeren Thromboserisiko verbunden als höhere Dosen.

2) Gestagen-Komponente (der „zweite Wirkstoff“)

Die verschiedenen Gestagene unterscheiden sich in ihrer Wirkung, ihrem Nebenwirkungsprofil und im Risiko für Thrombose, Brustkrebs oder Osteoporose:

 

Wirkstoff (Gestagen) Typ Beispiele für Pillen Osteoporose‑Einfluss Brustkrebs‑Einschätzung  Thromboserisiko
Levonorgestrel Kombi Microgynon, Levlen neutral bis gut¹ tendenziell niedriger als andere Gestagene² Geringes Thromboserisiko; Standard‑Option
Norethisteron / Norgestimat Kombi einige klassische Kombipillen neutral ähnlich moderat wie Levonorgestrel² Ebenfalls niedriges Thromboserisiko¹
Drospirenon Kombi Yasmin, Yasminelle, Yaz neutral möglicherweise ähnlich wie Levonorgestrel² Antiandrogene Wirkung → Hautverbesserung; leicht erhöhtes Thromboserisiko¹
Desogestrel / Gestoden Kombi verschiedene moderne Pillen neutral etwas höheres Brustkrebsrisiko möglich² Höheres Thromboserisiko¹
Dienogest / Nomegestrol Kombi moderne Pillen neutral / Datenlage gemischt Datenlage gemischt² Mittleres Thromboserisiko¹
Progestin‑only (Minipille) Nur Gestagen Cerazette, Mini‑Varianten kein Knochenaufbau Brustkrebsrisiko gemischt³ Sehr niedriges Thromboserisiko; Hautwirkung variabel³
Medroxyprogesteronacetat (DMPA) Depot / Injektion Depotspritze kann Knochen reduzieren bei Langzeit⁴ Brustkrebsdaten weniger klar² Thromboserisiko gering; nur in speziellen Fällen empfohlen

Praktische Tipps für den Alltag

Ärztin oder Arzt bei familiärer Belastung konsultieren. Außerdem kann Lebensstil optimieren: Bewegung, Kalzium, Vitamin D, Rauchstopp, moderater Alkoholkonsum sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen einhalten.

Fazit: Die Pille bietet viele Vorteile und die Risiken wie leicht erhöhtes Brustkrebsrisiko oder Einfluss auf die Knochen existieren, sind meist moderat und stark abhängig von individuellen Faktoren. Wichtig ist, sich nicht von Social Media Videos verunsichern zu lassen und immer ärztlichen Rat einzuholen.

Bildquellen

  • Frau nimmt die Pille: iStockphoto.com/ Mindful Media

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