Period Steak Trend: Kann das Power-Food deine Krämpfe lindern?

Wenn die Periode kommt, bringen Krämpfe, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen viele Frauen aus der Bahn. Während einige auf Wärmflaschen, Yoga oder Kräutertees setzen, sorgt ein Social-Media-Trend für Aufsehen: die Period Steak-Theorie. Sie verspricht, dass ein saftiges Steak zu Beginn der Periode Eisen auffüllt, Krämpfe lindert und die Stimmung stabilisiert. Aber wie viel davon stimmt wirklich?

Die Theorie im Detail

Die Period Steak-Theorie ist simpel: Während der Menstruation verliert der Körper Eisen, hauptsächlich durch das Blut. Eisen ist ein wichtiger Nährstoff für die Bildung von roten Blutkörperchen und die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff. Theoretisch könnte ein Mangel an Eisen zu Müdigkeit, Schwindel und allgemeinem Unwohlsein führen – und genau hier setzt die Theorie an.

Befürworter:innen argumentieren, dass ein Steak, reich an Häm-Eisen (der Form, die am besten vom Körper aufgenommen wird), die verlorenen Reserven schnell wieder auffüllt. Das klingt erst einmal logisch: Rotes Fleisch ist tatsächlich eine der besten Eisenquellen. Doch wie so oft bei vereinfachten Gesundheitsversprechen steckt die Realität im Detail.

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Eisenaufnahme: nicht so schnell, wie man denkt

Ein durchschnittliches 70-Gramm-Steak enthält etwa 2 bis 3 Milligramm Häm-Eisen. Klingt nicht schlecht, oder? Allerdings verliert eine menstruierende Frau/Person durchschnittlich zwischen 14 und 30 Milligramm Eisen pro Zyklus. Selbst wenn man also ein Steak isst, kann es die Reserven bei weitem nicht auffüllen.

Um den Verlust auszugleichen, müsste man mehrere Steaks am Tag essen – eine wenig praktikable Lösung, wenn man bedenkt, dass eine Woche Menstruation eher die Regel als die Ausnahme ist.

Zudem wird Eisen nicht zu 100 % aufgenommen. Tatsächlich absorbiert der Körper nur rund ein Viertel des Häm-Eisens aus Fleisch. Die Auffüllung der Eisenspeicher ist daher ein langfristiger Prozess, der Wochen oder sogar Monate dauert, insbesondere nach starkem Blutverlust. Ein einmaliges Period Steak ist also eher ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein als ein sofortiger Rettungsanker.

Wer könnte profitieren?

Es gibt jedoch ein Szenario, in dem die Theorie teilweise Sinn macht: Frauen mit sehr leichter Menstruation verlieren vielleicht weniger als ein Milligramm Eisen pro Zyklus. Für diese Gruppe könnte ein Period Steak tatsächlich ausreichen, um den Verlust zu decken. Aber hier zeigt sich schon das erste Problem: Die Wirkung ist stark individuell. Genetik, Ernährung, Lebensstil und die Menge des Blutverlustes spielen eine Rolle. Eine universelle Empfehlung gibt es daher nicht.

Krämpfe und Eisen

Hier wird es interessant. Viele Social-Media-Beiträge vermitteln den Eindruck, dass ein Period Steak die Krämpfe direkt lindert. Wissenschaftlich betrachtet ist der Zusammenhang zwischen Eisenaufnahme und Menstruationsschmerzen jedoch gering.

Die meisten Krämpfe entstehen durch Prostaglandine – hormonähnliche Stoffe, die Entzündungen und Muskelkontraktionen in der Gebärmutter auslösen. Auch Stress, Schlafmangel oder Ernährung können die Intensität beeinflussen. Ein Steak allein kann die chemischen Prozesse im Körper nicht stoppen.

Allerdings: Eisenmangel kann die körperliche Belastbarkeit reduzieren. Wer während der Menstruation ohnehin schon niedrige Eisenspeicher hat, fühlt sich müde, schlapp und anfälliger für Schmerzen. Hier könnte eine gute Eisenzufuhr langfristig helfen, das allgemeine Wohlbefinden zu stabilisieren – aber nicht als sofortiger „Schmerzstopp“.

Der Protein-Effekt

Wenn man die Period Steak-Theorie genauer betrachtet, könnte ein anderes Element der Schlüssel zum Wohlbefinden sein: Protein. Ein Period Steak ist nicht nur reich an Eisen, sondern auch an hochwertigem Protein. Protein unterstützt die Energieversorgung, Muskelregeneration, Blutbildung und sogar die Produktion von Neurotransmittern, die für Stimmung und Schmerzempfinden wichtig sind.

Es könnte also sein, dass diejenigen, die berichten, sich nach einem Steak besser zu fühlen, gar nicht primär von Eisen profitieren, sondern von der allgemeinen Wirkung von Protein auf den Körper. Ein stabiler Blutzuckerspiegel und ausreichend Energie tragen dazu bei, dass die Symptome der Periode leichter ertragen werden.

Was sagt die Forschung?

Eine Studie mit über 500 Frauen zeigte, dass eine insgesamt niedrige Proteinzufuhr mit einem höheren Risiko für Menstruationsstörungen verbunden ist. Das deutet darauf hin, dass ein ausgewogener Proteinspiegel über den gesamten Monat hinweg positive Effekte auf die Menstruation haben könnte.

Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, dass das gezielte „Frontloading“ von Protein am ersten Tag der Periode einen besonderen Vorteil bringt. Die körperliche Wirkung baut sich langsam auf, und ein einmaliges Steak kann keine Wunder bewirken. Es zählt also die konsequente Versorgung über Wochen hinweg.

Praktische Tipps für die Ernährung während der Periode

Auch wenn die Period Steak-Theorie nicht als Heilmittel taugt, lassen sich daraus einige nützliche Ratschläge ableiten:

  • Regelmäßige Eisenzufuhr: Statt auf ein einzelnes Lebensmittel zu setzen, ist es sinnvoll, über den Monat hinweg eisenreiche Lebensmittel zu essen – Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Eisen-Smoothies, grünes Blattgemüse und Nüsse.
  • Proteinreich essen: Ob Steak, Hühnchen, Tofu oder Hülsenfrüchte – eine ausreichende Proteinzufuhr stabilisiert Energie und Stimmung.
  • Auf den Körper hören: Während der Menstruation kann der Appetit schwanken. Kleine, proteinreiche Snacks wie Smoothies mit Proteinpulver, Nüssen und Chiasamen oder eine leichte Suppe helfen, Nährstoffe kontinuierlich aufzunehmen.
  • Ganzheitliche Unterstützung: Wärmflaschen, sanfte Bewegung, ausreichend Schlaf und Stressmanagement beeinflussen Krämpfe stärker als jede einzelne Mahlzeit.

Mythos vs. Realität

Die Period Steak-Theorie ist vor allem eines: ein cleverer Social-Media-Trend. Sie kombiniert eine wissenschaftlich begründete Beobachtung – Eisenverlust während der Menstruation – mit dem Wunsch nach einer einfachen, sofort wirksamen Lösung. Leider funktioniert der Körper nicht nach „Eins-zu-Eins-Rezepten“: Krämpfe, Müdigkeit und Stimmungsschwankungen sind das Ergebnis komplexer Prozesse, die Ernährung, Hormone, Genetik und Lebensstil umfassen.

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Bildquellen

  • Period Steak-Theory: iStockphoto.com/ Rawpixel

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