Gefährliches Erbe: Risikofaktor hohes Cholesterin – was tun?

Ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel kommt selten mit Warnsignal. Keine Schmerzen, keine klaren Symptome – und doch wächst im Hintergrund das Risiko für Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Besonders brisant wird es, wenn hohe Cholesterinwerte genetisch bedingt sind. Die sogenannte Familiäre Hypercholesterinämie betrifft rund eine von 250 Personen. Alarmierend: Etwa 90 Prozent der Betroffenen wissen nichts davon – und bleiben damit unbehandelt.

Hohes Cholesterin: Frühdiagnose kann Leben retten

Die Familiäre Hypercholesterinämie ist eine genetische Erkrankung, die unbehandelt mit hoher Wahrscheinlichkeit ab dem 40. Lebensjahr zu manifester Arteriosklerose führt – mit möglichen Folgen wie Herzinfarkt, Stenokardie oder koronaren Gefäßerkrankungen.

Obwohl in Österreich statistisch jede 250. Person betroffen ist, bleibt die Mehrheit unerkannt. Dabei ist eine Diagnose vergleichsweise einfach und bereits vor dem 10. Lebensjahr besonders sinnvoll. Neben dem LDL-Wert liefert vor allem die Familienanamnese wichtige Hinweise. Wird die Erkrankung festgestellt, sollte die medikamentöse Therapie möglichst früh beginnen. Langzeitstudien zeigen klar: Eine frühzeitige Behandlung kann das Fortschreiten der Gefäßverkalkung verhindern. Kurt Widhalm, Präsident des ÖAIE erklärt:

„Die Therapie inkludiert immer den Lifestyle: Ernährung und Bewegung sind die Basis jeder Behandlung, erst dann werden Medikamente eingesetzt, diese sind aber heute sehr erfolgreich und kaum mit Nebenwirkungen behaftet“

Prävention verhindert hohe Folgekosten

Prävention bedeutet nicht nur mehr Lebensqualität für Betroffene, sondern auch eine deutliche Entlastung des Gesundheitssystems. Frühzeitige Maßnahmen helfen, teure Spätfolgen zu vermeiden. Auch die Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS) setzt verstärkt auf Vorsorgeprogramme.

„Die SVS treibt konsequent die Präventionstransformation voran, bietet ein umfangreiches Angebot und schafft Anreize, um die Akzeptanz zu steigern. Für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren haben wir den Gesundheitscheck Junior entwickelt. Ziel ist es, frühzeitig mögliche gesundheitliche Probleme und Risiken zu entdecken und diese erfolgreich behandeln zu können. Dieses Angebot wird jährlich von rund 16.000 jungen Menschen angenommen“, so Peter Lehner, Obmann der SVS.

Mythos Ei: Was wirklich zählt

Medikamente allein reichen bei genetisch erhöhten Blutfettwerten nicht aus und ebenso wenig ersetzt eine Ernährungsumstellung die medikamentöse Therapie. Vielmehr ergänzen sich beide Ansätze optimal. Lange galten Eier als Cholesterin-Bombe – Sven-David Müller dazu:

„Der Mythos, Eier würden die Blutfettwerte erhöhen, hält sich hartnäckig. Dabei kann ein moderater Konsum von bis zu einem Ei täglich bei gesunden Menschen sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle um 29 Prozent senken“

Entscheidender für erhöhte LDL-Werte ist der regelmäßige Verzehr gesättigter Fettsäuren – etwa in fettreicher Wurst, Butter oder Speck. Wer stattdessen auf Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Nüsse setzt, tut seinem Herz langfristig etwas Gutes. Eine nachhaltige, überwiegend pflanzliche Ernährung wirkt dabei doppelt positiv – für die eigene Gesundheit und die Umwelt.

Bewegung als langfristiger Schutzfaktor

Neben der Ernährung spielt regelmäßige Bewegung eine zentrale Rolle, wie auch Rhoia Clara Neidenbach vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Wien, betont:

„Sport und Bewegung nehmen eine Schlüsselrolle für Prävention, Therapie und langfristiger Gesundheitsförderung bei Familiärer Hypercholesterinämie ein“

Regelmäßige körperliche Aktivität verbessert die Gefäßfunktion und stärkt das Herz-Kreislauf-System. „Überprotektives Verhalten von Eltern aus Sorge um die Sicherheit der Kinder kann unbeabsichtigt zu Bewegungsarmut führen. Diese stellt jedoch einen eigenständigen Risikofaktor dar und sollte gezielt vermieden werden“, so die Expertin. Bereits 60 Minuten Bewegung täglich bei Kindern oder 150 Minuten pro Woche bei Erwachsenen zeigen deutliche Effekte.

Lipoprotein(a): Der Risikowert im Schatten

Neben LDL rückt ein weiterer Wert in den Fokus: Lipoprotein(a), kurz Lp(a). Auch dieser Faktor ist genetisch bedingt und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich. Tückisch: Er ist im Standard-Blutbild meist nicht enthalten und lässt sich durch Ernährung oder Sport kaum beeinflussen. Ernährungsmediziner Dr. Oliver Helk, Vizepräsident des ÖAIE erklärt:

„Lp(a) ist – anders als das LDL-Cholesterin – kaum durch Ernährung oder Sport beeinflussbar und es gibt aktuell keine Medikamente um es zu senken. Doch wir stehen kurz vor der Marktreife gezielter Therapien, die Lp(a) direkt senken können. Das macht eine frühzeitige Identifikation der Betroffenen heute wichtiger denn je“

Neue Therapien stehen jedoch kurz vor der Zulassung. Fachleute fordern deshalb, die Lp(a)-Messung stärker in Vorsorgeuntersuchungen zu integrieren. Denn wer sein genetisches Risiko kennt, kann rechtzeitig gegensteuern – bevor aus einer stillen Gefahr ein akuter Notfall wird.

Das Symposium des ÖIAE verfolgt das klare Ziel, das Bewusstsein bei Ärzt:innen und Patient:innen zu schärfen. Ein einmaliger Test im Leben reicht aus, um das genetische Risiko zu bestimmen. Angesichts der hohen Dunkelziffer in Österreich fordern Experten eine breitere Integration der Lp(a)-Messung in die Vorsorgeuntersuchungen. Widhalm dazu:

„Wir können die Genetik eines Patienten (noch) nicht ändern, aber wir können verhindern, dass sie zur tickenden Zeitbombe wird. Ein erhöhter Lp(a)-Wert ist der Startschuss für eine kompromisslose Optimierung aller anderen Risikofaktoren“

Foto v.l.: Lena-Rosa Hanauer (von Familiärer Hypercholesterinämie Betroffene), Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm (Präsident des ÖAIE und Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde), Hon. Prof. PhDr. Sven-David Müller, M.Sc.(staatlich geprüfter Diätassistent und Diabetesberater der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Medizinjournalist, Moderator und Buchautor), Ass.-Prof. Dr. Rhoia Clara Neidenbach, BSc. M.Sc. (Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft, Universität Wien), Dr. Oliver Helk (Vizepräsident des ÖAIE und Ernährungsmediziner), Peter Lehner (Obmann Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen)

Bildquellen

  • Vererbbares Cholesterin: ArtistGNDphotography/ iStockphoto.com

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