Inositol bei PCOS: Kann das Supplement wirklich helfen?

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist für viele Frauen eine große Belastung. Unregelmäßige Perioden, Hautprobleme oder Gewichtszunahme – der Hormonhaushalt gerät oft aus dem Gleichgewicht. In den letzten Jahren wird dabei immer häufiger auf Social Media und in Podcasts ein bestimmtes Supplement erwähnt: Inositol. Doch kann ein relativ einfaches Nahrungsergänzungsmittel tatsächlich bei PCOS helfen?

PCOS: Mehr als nur ein Hormonproblem

PCOS gehört zu den häufigsten hormonellen Störungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Schätzungen zufolge ist etwa jede zehnte Frau betroffen. Die Symptome können dabei sehr unterschiedlich aussehen.

Manche Menschen haben vor allem mit unregelmäßigen Zyklen zu kämpfen. Andere bemerken Hautprobleme wie Akne, vermehrte Gesichts- oder Körperbehaarung oder Haarausfall am Kopf. Auch Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten, schwanger zu werden, können dazugehören.

Was viele überrascht: Hinter vielen dieser Symptome steckt nicht nur ein Hormonproblem, sondern auch ein Stoffwechselproblem. Bei einem großen Teil der Betroffenen spielt nämlich Insulinresistenz eine wichtige Rolle.

Insulin und PCOS

Insulin ist das Hormon, das dafür sorgt, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt. Wenn die Zellen jedoch weniger empfindlich auf Insulin reagieren, muss der Körper immer mehr davon produzieren. Diese dauerhaft erhöhten Insulinspiegel können wiederum den Hormonhaushalt beeinflussen.

Die Eierstöcke beginnen dann häufig, mehr männliche Hormone zu produzieren – sogenannte Androgene. Genau das kann viele typische PCOS-Symptome erklären.

Und genau hier kommt Inositol ins Spiel.

Was Inositol im Körper eigentlich macht

Inositol ist eine zuckerähnliche Verbindung, die natürlicherweise im Körper vorkommt. Außerdem steckt sie in vielen Lebensmitteln, etwa in Bohnen, Vollkornprodukten, Zitrusfrüchten oder Nüssen.

Früher wurde Inositol sogar als Vitamin B8 bezeichnet. Heute weiß man jedoch, dass der Körper bestimmte Formen selbst herstellen kann, weshalb es streng genommen kein echtes Vitamin ist.

Seine wichtigste Aufgabe liegt in der Kommunikation zwischen Zellen. Inositol hilft dabei, Signale von Hormonen innerhalb der Zellen weiterzuleiten. Besonders relevant ist das bei Insulin.

Inositol funktioniert dabei als Vermittler, der dabei hilft, dass Hormonsignale überhaupt richtig verstanden werden. Wenn dieser Prozess nicht optimal funktioniert, kann das Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben – und genau das scheint bei vielen Menschen mit PCOS der Fall zu sein.

@thepcosmentorInositol is so bloody good for PCOS, and honestly, there’s a reason it gets talked about so much. A lot of PCOS symptoms feel random. The weight that won’t budge. The constant cravings. Energy crashes. Irregular periods. Skin flaring up for no clear reason. It can feel like your body is working against you. For many women with PCOS, all of that is connected. Inositol helps your body use insulin better. And when insulin isn’t doing its job properly, it can make everything harder. Your body stores fat more easily, cravings feel out of control, energy dips, and hormones get messier than they need to be. When insulin starts working more smoothly, things often feel calmer. Appetite feels more manageable. Energy is more steady. Weight loss doesn’t feel like such an uphill battle. Cycles can start to feel more predictable. Not because inositol is “fixing” each symptom one by one, but because it’s helping the body work the way it’s meant to. That’s why so many women notice changes across multiple areas at once. Not overnight. Not magically. But in a way that actually feels sustainable. Inositol isn’t about forcing your body into change. It’s about supporting it so it doesn’t have to fight you all the time. And when that happens, PCOS stops feeling quite so overwhelming.♬ original sound – Drew Baird | the PCOS mentor

Zwei Formen von Inositol

Es gibt mehrere Varianten von Inositol, doch zwei davon stehen besonders im Fokus der Forschung: Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol.

Beide übernehmen unterschiedliche Aufgaben im Körper. Myo-Inositol ist die häufigste Form und spielt eine wichtige Rolle bei der Signalübertragung zwischen Zellen. D-Chiro-Inositol hingegen ist stärker mit dem Insulinstoffwechsel verbunden.

Interessant ist dabei das Verhältnis dieser beiden Formen im Körper. Normalerweise liegt im Blut etwa ein Verhältnis von 40 zu 1 vor – also deutlich mehr Myo-Inositol als D-Chiro-Inositol.

Bei vielen Menschen mit PCOS scheint dieses Gleichgewicht gestört zu sein. Einige Studien zeigen, dass in den Eierstöcken häufig zu wenig Myo-Inositol vorhanden ist. Das kann sich negativ auf die Entwicklung der Follikel und die Qualität der Eizellen auswirken.

Deshalb setzen viele moderne Nahrungsergänzungsmittel genau hier an und kombinieren beide Formen in einem Verhältnis, das dem natürlichen Gleichgewicht im Körper möglichst nahekommt.

Was im Körper passiert, wenn Insulin sich stabilisiert

Der Hauptgrund, warum Inositol so interessant für PCOS ist, liegt in seiner Wirkung auf den Insulinstoffwechsel. Wenn die Zellen wieder sensibler auf Insulin reagieren, muss der Körper weniger davon produzieren. Das klingt zunächst nach einem kleinen Effekt, kann aber eine ganze Reihe von Veränderungen auslösen.

Sinkt der Insulinspiegel, wird auch die Produktion männlicher Hormone in den Eierstöcken reduziert. Das kann dazu führen, dass Symptome wie Akne oder verstärkte Körperbehaarung mit der Zeit weniger werden.

Auch der Menstruationszyklus kann profitieren. Viele Menschen mit PCOS haben sehr lange Zyklen oder bekommen ihre Periode nur wenige Male pro Jahr. Wenn sich der Hormonhaushalt stabilisiert, kann der Zyklus wieder regelmäßiger werden.

Ein weiterer möglicher Effekt betrifft die Fruchtbarkeit. Wenn der Eisprung wieder häufiger stattfindet und sich die Qualität der Eizellen verbessert, steigen auch die Chancen auf eine Schwangerschaft.

Inositol im Vergleich zu Medikamenten

Bei PCOS wird häufig ein Medikament eingesetzt, das ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurde: Metformin.

Metformin verbessert ebenfalls die Insulinempfindlichkeit und kann dadurch den Hormonhaushalt stabilisieren. In einigen Studien zeigt es sogar eine etwas stärkere Wirkung als Inositol.

Allerdings hat das Medikament auch einen Nachteil: Viele Menschen leiden unter Nebenwirkungen im Verdauungssystem, etwa Übelkeit oder Durchfall.

Inositol wird dagegen in der Regel sehr gut vertragen. Deshalb entscheiden sich manche Betroffene zunächst für diesen Ansatz oder kombinieren ihn mit anderen Maßnahmen.

Wie sollte man Inositol einnehmen?

Inositol ist als Pulver oder als Kapseln erhältlich. In Studien zu PCOS wird häufig eine Tagesmenge von etwa vier Gramm verwendet.

Diese Menge wird meist auf zwei Portionen aufgeteilt – eine am Morgen und eine am Abend. Das Pulver hat einen leicht süßlichen Geschmack und lässt sich problemlos in Wasser, Tee oder Smoothies mischen.

Nebenwirkungen sind selten. Bei sehr hohen Mengen können gelegentlich leichte Verdauungsbeschwerden auftreten, doch insgesamt gilt Inositol als gut verträglich.

@alicelich wie versprochen meine Supplement routine, die dabei geholfen hat, viele PCOS Symptome in den Griff zu bekommen!! 🫂🫶🏼 #pcos ♬ Originalton – Alice Lich

Kann Ernährung den gleichen Effekt haben?

Inositol steckt tatsächlich in vielen Lebensmitteln. Besonders reich daran sind zum Beispiel Hülsenfrüchte, Hafer, Buchweizen, Zitrusfrüchte oder Beeren.

Trotzdem gibt es einen kleinen Haken: Die durchschnittliche Ernährung liefert meist nur etwa ein Gramm Inositol pro Tag. Für die Effekte, die in Studien beobachtet wurden, werden jedoch oft rund vier Gramm täglich verwendet.

Deshalb greifen viele Menschen zusätzlich zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Auch der Darm könnte eine Rolle spielen

Ein spannender Forschungsbereich beschäftigt sich gerade mit dem Zusammenhang zwischen Darmflora und Inositol. Einige Darmbakterien sind nämlich in der Lage, selbst Inositol zu produzieren.

Eine gesunde Darmflora könnte daher indirekt dazu beitragen, den Inositolspiegel im Körper zu unterstützen. Ballaststoffreiche Lebensmittel, Vollkornprodukte und fermentierte Speisen fördern eine vielfältige Darmflora und könnten so auch den Stoffwechsel positiv beeinflussen.

Kein Wundermittel – aber ein vielversprechender Baustein

So spannend die Forschung zu Inositol auch ist: PCOS lässt sich bisher nicht vollständig heilen. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, deren Symptome im Laufe des Lebens stärker oder schwächer werden können.

Behandlungen zielen deshalb meist darauf ab, den Hormonhaushalt zu stabilisieren, den Zyklus zu regulieren und langfristige Gesundheitsrisiken zu senken.

Inositol kann dabei ein hilfreicher Baustein sein – besonders für Menschen, bei denen Insulinresistenz eine große Rolle spielt. Es ersetzt jedoch nicht andere wichtige Faktoren wie Ernährung, Bewegung, Schlaf und medizinische Betreuung.

Bildquellen

  • Inositol: iStockphoto.com/ Gingagi

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