Für viele Frauen ist die Menstruation ein fester Bestandteil ihres Lebens – manchmal nervig, manchmal lästig, aber meist ein Zeichen dafür, dass alles „normal“ funktioniert. Doch was passiert, wenn die Periode plötzlich ausbleibt? Ob hormonelle Störungen, die Pille, Stress oder intensiver Sport – das Ausbleiben der Menstruation kann mehr sein als nur ein kleines Ärgernis. Es kann eine Kette von körperlichen und psychischen Veränderungen auslösen, die viele überraschen.
Wieso bleibt die Periode aus?
Medizinisch wird das Ausbleiben der Menstruation als Amenorrhoe bezeichnet. Dabei unterscheiden Ärzt:innen zwischen primärer und sekundärer Form: Während bei der primären Amenorrhoe die Menstruation bis zum 15. Lebensjahr nicht einsetzt, tritt die sekundäre Amenorrhoe auf, wenn Frauen, die zuvor regelmäßig ihre Periode hatten, diese über drei Monate oder länger nicht mehr bekommen.
Die Gründe für Amenorrhoe sind vielfältig. Häufig liegt eine hormonelle Dysbalance zugrunde: Das fein abgestimmte Zusammenspiel von Hypothalamus, Hypophyse und Eierstöcken wird gestört, sodass keine Eizellen freigesetzt werden und der Zyklus ausbleibt. Andere Ursachen sind Medikamente, vor allem hormonelle Verhütungsmittel, die gezielt den Zyklus unterdrücken können. Auch Lebensstilfaktoren wie intensiver Sport, chronischer Stress oder Essstörungen spielen eine große Rolle.
Wenn das hormonelle Gleichgewicht kippt
Die Menstruation ist mehr als nur ein monatlicher Zyklus – sie ist ein Spiegel unserer hormonellen Gesundheit. Östrogen und Progesteron regulieren den Aufbau und die Ablösung der Gebärmutterschleimhaut, während FSH und LH aus der Hypophyse die Eierstöcke steuern. Kommt es zu einem Ungleichgewicht, verändert sich der Körper auf vielfältige Weise.
Ein Mangel an Östrogen beispielsweise kann die Knochen schwächen und das Herz-Kreislauf-System belasten. Progesteron spielt eine wichtige Rolle für den Eisprung und die Fruchtbarkeit. Und bei hormonellen Störungen wie dem polyzystischen Ovarialsyndrom kann ein Überschuss männlicher Hormone entstehen, der zu vermehrtem Haarwuchs, Akne oder einer tieferen Stimme führt.
Doch die hormonellen Veränderungen betreffen nicht nur den Körper. Auch die Psyche spürt die fehlenden Hormonsignale: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, verminderte Konzentration oder sogar Depressionen sind keine Seltenheit.
Die körperlichen Folgen
Ein besonders stiller, aber schwerwiegender Effekt einer fehlenden Periode ist die verringerte Knochendichte. Östrogen schützt die Knochen, indem es den Abbau hemmt und die Neubildung fördert. Fehlt es über längere Zeit, steigt das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche – oft schon bei jungen Frauen. Besonders Sportlerinnen, die ihre Periode aufgrund von Untergewicht oder extremem Training verlieren, sind gefährdet.
Auch das Herz-Kreislauf-System leidet. Östrogen sorgt für elastische Gefäße, reguliert Cholesterin und wirkt auf die Blutgerinnung. Fehlt dieses Hormon, erhöht sich das Risiko für Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Durchblutungsstörungen. Viele junge Frauen unterschätzen dieses Risiko, da Herz-Kreislauf-Erkrankungen häufig als „Altersproblem“ gelten – doch hormonelle Dysbalancen können es frühzeitig auslösen.
Nicht zu unterschätzen ist auch die sexuelle Gesundheit: Vaginale Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und eine verringerte Libido können Folgen des Östrogenmangels sein. Diese Veränderungen wirken sich oft stark auf das Selbstbewusstsein und die Lebensqualität aus.
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Psychische und emotionale Auswirkungen
Hormone beeinflussen unser Gehirn stärker, als viele denken. Östrogen wirkt stimmungsaufhellend, unterstützt Gedächtnis und Konzentration und reguliert das Belohnungssystem. Fehlt dieses Hormon, können Stimmungsschwankungen, Ängste oder depressive Verstimmungen auftreten. Frauen berichten oft, dass sie sich gereizter, erschöpfter oder weniger leistungsfähig fühlen. Besonders junge Frauen, bei denen die Pubertät verzögert verläuft, bemerken die psychischen Auswirkungen deutlich.
Fruchtbarkeit und hormonelle Veränderungen
Natürlich ist die fehlende Menstruation auch ein Signal für Fruchtbarkeitsprobleme. Ohne Eisprung gibt es keine Chance auf eine Schwangerschaft. Dies kann vorübergehend sein, etwa bei Stress oder intensivem Sport, oder dauerhaft, zum Beispiel bei genetischen Störungen oder frühzeitiger Ovarialinsuffizienz. Viele Frauen bemerken die Einschränkung erst, wenn der Kinderwunsch akut wird.
Hormonelle Störungen wie PCOS führen oft zu einem Überschuss männlicher Hormone, was sich durch starke Körperbehaarung, Haarausfall am Kopf, Akne oder eine tiefer werdende Stimme bemerkbar macht. Diese körperlichen Veränderungen können psychisch belastend sein und das Selbstbewusstsein stark beeinflussen.
Darüber hinaus kann die hormonelle Dysbalance den Stoffwechsel verändern. Manche Frauen nehmen plötzlich zu, andere verlieren Gewicht. Langfristig können solche Schwankungen das Risiko für Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen erhöhen.
Ursachen einer fehlenden Periode
Die Gründe, warum die Periode ausbleibt, sind komplex. Häufig sind hormonelle Ursachen wie PCOS, vorzeitige Ovarialinsuffizienz oder hypothalamische Amenorrhoe verantwortlich. Auch Medikamente, insbesondere hormonelle Verhütungsmittel, Antidepressiva oder Chemotherapie, können den Zyklus beeinflussen.
Lebensstilfaktoren spielen ebenfalls eine Rolle: Intensiver Sport, chronischer Stress oder Essstörungen stören die hormonelle Balance und führen oft zur Amenorrhoe. Schließlich können organische Ursachen wie Geburtsfehler, Verwachsungen in der Gebärmutter oder Tumore der Eierstöcke oder Hypophyse den Zyklus blockieren.
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Was tun, wenn die Periode fehlt?
Zuerst sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen. Hormonspiegel, Ultraschalluntersuchungen und gegebenenfalls weitere Tests helfen, die Ursache zu finden. Oft reicht es, den Lebensstil anzupassen – Ernährung verbessern, Training anpassen, Stress abbauen.
In manchen Fällen ist eine medikamentöse Therapie sinnvoll. Hormonersatz, Progestin oder Kombinationstherapien können die Menstruation wiederherstellen und die Nebenwirkungen des Östrogenmangels verhindern. Zusätzlich kann eine langfristige Vorsorge für Knochen, Herz und Stoffwechsel nötig sein, beispielsweise durch Vitamin D, Kalzium oder Medikamente gegen Knochenschwund.
Die Periode ist mehr als nur lästiges Blut
Das Ausbleiben der Menstruation ist kein rein kosmetisches oder lästiges Problem – es ist ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Von Knochen über Herz und Psyche bis hin zur Fruchtbarkeit – die Auswirkungen können weitreichend sein. Frauen sollten die Ursachen ernst nehmen und gegebenenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Die Periode ist ein Barometer der Gesundheit. Wer das Signal „Periode fehlt“ ignoriert, übersieht oft stille Warnzeichen, die langfristig zu Problemen führen können. Eine frühzeitige Abklärung und Behandlung schützt nicht nur den Körper, sondern auch das Wohlbefinden und die Lebensqualität.
Bildquellen
- Periode bleibt aus: iStocphoto.com/ bymuratdeniz
