Fasten ist heute weit mehr als ein kurzfristiger Verzicht – es ist für viele ein bewusster Schritt hin zu mehr Selbstfürsorge, Klarheit und Gesundheit. Gleichzeitig halten sich rund um das Thema zahlreiche Mythen und Unsicherheiten.
Wie gelingt Fasten wirklich nachhaltig? Und warum ist weniger oft mehr? Für ihr neues Buch „Fasten, Fasten, Fasten“ haben wir die Ernährungswissenschaftlerin und Fastenleiterin Laura Junge sowie die Bestsellerautorin und Ernährungsexpertin Sarah Schocke interviewt. Gemeinsam zeigen sie, wie individuell, modern und alltagstauglich Fasten sein kann.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Entlastungs- und Aufbautagen – Phasen, die häufig unterschätzt werden. Warum sie für den Fastenerfolg entscheidend sind, erklären die Expertinnen im Gespräch.
Vom persönlichen Erlebnis zum modernen Fasten
Der Ursprung des Buches ist eng mit Lauras persönlichem Weg verbunden. „Fasten ist ein Thema, das Laura schon länger durch ihr Leben begleitet“, erzählen die Autorinnen. Sie habe selbst gesundheitlich stark von Fasten und einer Ernährungsumstellung profitiert, was sie schließlich dazu brachte, medizinische Ernährungswissenschaften zu studieren und sich zur ärztlich geprüften Fastenleiterin ausbilden zu lassen.
Aus dieser Erfahrung entstand der Wunsch, das Thema neu aufzubereiten – weg vom Verzichtsimage, hin zu einem zeitgemäßen Zugang. Viele Menschen wüssten gar nicht, welches Potenzial im Fasten steckt, erklären sie, und nähmen es noch immer als etwas Altmodisches wahr.
Um genau das zu verändern, entschieden sie sich für einen spielerischen Ansatz. „Laura ist seit Kindertagen eine leidenschaftliche Gamerin“, sagen sie – und so entstand die Idee, Fasten als Game mit Levels zu gestalten. Der spielerische Rahmen soll motivieren, ohne Druck aufzubauen, und zeigen, dass Gesundheitsfürsorge auch leicht und neugierig sein darf – ganz bewusst „ohne Dogma, ohne Abnehm-Fokus“.
Ein Buch für Neugierige, Erfahrene – und alle dazwischen
„Fasten, Fasten, Fasten“ richtet sich nicht an eine bestimmte Zielgruppe. „Egal ob Profi Faster:in oder Neuling: das Buch ist offen für alle!“, betonen Laura Junge und Sarah Schocke. Wer möchte, kann alle Level nacheinander durchlaufen und so die gesamte vorösterliche Fastenzeit gestalten. Genauso gut ist es aber möglich, einzelne Level herauszugreifen oder sie zeitlich anzupassen – je nach Lebensphase und Energie.
Entscheidend ist dabei nicht ein fixer Plan, sondern das eigene Gefühl:
„Am besten aufs Gefühl hören – was macht mich neugierig, auf was habe ich am meisten Lust?“
Es müsse nicht immer die größte Herausforderung sein. Vielmehr gehe es darum, mit dem zu beginnen, was gerade leichtfällt, und sich dann langsam zu steigern – ein Ansatz, der Druck herausnimmt und Vertrauen in den eigenen Körper stärkt.
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Scheinfasten und innere Check-ins: Fasten mit Verbindung
Eine besonders alltagstaugliche Fastenform ist das Scheinfasten. „Scheinfasten, auch Fasten Mimicking genannt, ist eine offizielle Fastenform“, erklären die Autorinnen, bei der trotz geringer Kalorienzufuhr wichtige Fastenprozesse wie die Autophagie aktiviert werden.
Anders als beim klassischen Buchinger-Heilfasten darf hier gegessen werden – allerdings nach klaren Vorgaben. Gerade für Menschen, denen kompletter Nahrungsverzicht schwerfällt, ist das eine attraktive Möglichkeit, von den Fasten-Benefits zu profitieren.
Gleichzeitig betonen Laura Junge und Sarah Schocke, dass Fasten nie nur den Körper betrifft. „Beim Fasten geht es darum, die eigene Bedürfnissstimme wieder lauter zu hören“, sagen sie. Check-ins, Reflexionsfragen und kleine Impulse helfen dabei, innezuhalten, mentale Muster zu erkennen und nicht nur den Verdauungstrakt, sondern auch den Kopf zu entlasten.
Achtsamkeit, Fleischfasten und bewusster Verzicht
Mentales Wohlbefinden zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. „Der Fastenprozess selbst wird idealerweise durch Maßnahmen begleitet, die das mentale Wohlbefinden fördern“, erklären die Expertinnen. Dazu zählen Impulse wie Journaling oder Digital Detox, die helfen, sich während des Fastens bewusster wahrzunehmen und den Prozess zu vertiefen.
Auch das Fleischfasten ist bewusst als eigenes Level integriert. „Fleischfasten haben wir im Buch, weil es integraler Bestandteil der vorösterlichen Fastenzeit ist“, erklären sie. Gleichzeitig geht es ihnen um einen ganzheitlichen Gesundheitsansatz. Da viele Menschen zu viel Fleisch und zu wenig pflanzliche Lebensmittel essen, bietet diese Phase die Möglichkeit, neue Speisen zu entdecken und der Ernährung mehr Vielfalt und Leichtigkeit zu schenken.
Zuckerfasten und Heilfasten: Zwei Wege in die Tiefe
Zucker ist allgegenwärtig – oft unbemerkt. „Zucker versteckt sich heute in so vielen Lebensmitteln“, sagen Laura Junge und Sarah Schocke. Wer dauerhaft zu viel davon konsumiert, bringe den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht, mit möglichen langfristigen Folgen. Eine bewusste Zuckerpause kann helfen, dem Körper Erholung zu schenken und das eigene Süßempfinden neu zu justieren. Nach einer Phase der Abstinenz brauche man deutlich weniger Zucker, um Süße wahrzunehmen.
Das Heilfasten hingegen ist die intensivste Form. „Heilfasten ist die Königsdisziplin oder auch Endgegner“, sagen die Autorinnen offen. Es unterscheidet sich von allen anderen Levels dadurch, dass keine feste Nahrung erlaubt ist. Umso wichtiger ist der klare Aufbau: Entlastungstage, Fastenphase und Aufbautage bilden eine untrennbare Einheit.
Ketose, Autophagie und alkoholfreier Genuss
Auf biochemischer Ebene entfaltet Fasten seine besondere Wirkung:
„Wenn der Körper über längere Zeit keine Nahrung bekommt, schaltet er in einen besonderen Energiemodus“
Dieser Zustand – die Ketose – versorgt Gehirn und Muskeln mit Energie aus Fettreserven. Gleichzeitig wird die Autophagie aktiviert, ein Prozess, den sie als „zellulären Hausputz“ beschreiben, bei dem beschädigte Zellbestandteile recycelt werden.
Auch beim Alkoholfasten setzen sie auf zeitgemäße Lösungen. Die Idee hinter den „Zero Liq“-Drinks: Genuss ohne Alkohol. Alkoholfreie Alternativen ermöglichen soziale Momente, Geschmack und Spaß – und unterstützen dabei, dem Körper bewusst eine Pause zu gönnen.
Entlastungs- und Aufbautage: Das Fundament jeder Fastenzeit
Fasten darf sich in den Alltag einfügen, ohne zusätzlichen Stress zu erzeugen. Einige Fastenarten lassen sich gut vorbereiten und flexibel umsetzen, erklären die Autorinnen. Das Heilfasten hingegen braucht Zeit, Ruhe und bewusste Begleitung.
Besonders entscheidend sind dabei die Entlastungs- und Aufbautage. „Die Entlastungs- und Aufbautage gehören so fest mit der Fastenphase zusammen wie das Amen in der Kirche“, betonen die Expertinnen im Interiview. Sie helfen, den Körper sanft auf den Nahrungsverzicht vorzubereiten und ihn danach behutsam wieder ans Essen heranzuführen. Gleichzeitig verlängern sie die positiven Effekte des Fastens.
Unterstützung spielt ebenfalls eine große Rolle. Fasten in der Gruppe oder mit Rückhalt aus dem Umfeld sei oft leichter und motivierender. Die wichtigste Botschaft aus dem Buch bringen Laura Junge und Sarah Schocke schließlich auf den Punkt: „Dein Fasten, dein Körper, deine Spielregeln. Drücke Start und dreh die eigene Bedürfnissstimme endlich wieder lauter!“
Bildquellen
- Fasten leicht gemacht: iStockphoto.com/ Pressmaster
