Skin Longevity: Haut trainieren statt überpflegen

Longevity ist mehr als ein Trendwort – es ist das leise Versprechen, dem eigenen Leben nicht nur mehr Jahre, sondern mehr Qualität zu schenken. In einer Zeit, in der wir alles optimieren wollen, rückt plötzlich etwas in den Fokus, das wir jeden Tag sehen und doch selten wirklich verstehen: unsere Haut.

Sie ist nicht nur Spiegel unseres Alters, sondern unserer Entscheidungen. Und vielleicht der ehrlichste Indikator dafür, wie wir mit uns selbst umgehen. Wir haben mit der Autorin Liv Kraemer gesprochen, was eigentlich “Skin Longevity” bedeutet und warum sie dem Thema ihrem neuen Buch widmet.

Skin Longevity: Die Haut als Spiegel des Lebens

Was bedeutet der Begriff „Skin Longevity“ eigentlich? Für Kraemer ist die Antwort klar – und deutlich tiefgreifender als klassische Hautpflege. Haut sei nicht einfach eine Oberfläche, sondern ein Organ und zugleich ein hochsensibles Frühwarnsystem. Sie vergleicht sie mit einem Dashboard oder Armaturenbrett: Schlafmangel, Stress, Entzündungen, hormonelle Veränderungen oder Nährstoffmängel würden sich oft zuerst an der Haut zeigen.

Skin Longevity beschreibt laut Kraemer die Fähigkeit der Haut, über Jahrzehnte hinweg gesund, funktional und anpassungsfähig zu bleiben – nicht nur optisch ansprechend, sondern biologisch leistungsfähig. Es gehe darum, Alterungsprozesse zu verlangsamen, Zellfunktionen zu stärken und die Haut als Einstieg in Prävention zu nutzen. Ihr prägnanter Satz bringt es auf den Punkt: „Skin is the dashboard of the longevity funnel.“

Warum Skin Longevity kein Hype ist – sondern eine Notwendigkeit

Warum ist Skin Longevity mehr als nur ein Trend? Weil sich unsere Lebensrealität radikal verändert hat. Wir leben heute deutlich länger als frühere Generationen – und unsere Haut muss nicht mehr 60, sondern 80, 90 oder sogar mehr Jahre funktionieren. Kraemer betont, dass Longevity kein Schwarz-Weiß-Konzept sei.

Zwischen gesund und krank existieren viele Grauzonen, und genau dort finde Prävention statt. Skin Longevity bedeute, nicht zu reparieren, wenn es zu spät ist, sondern frühzeitig Strukturen aufzubauen, die die Haut langfristig stabil halten. Es gehe um Weitsicht statt um kurzfristige Korrekturen – um Aufbau statt Schadensbegrenzung.

Hautpflege-Mythen: Warum Marketing oft lauter ist als Wissenschaft

In ihrem Buch setzt Liv Kraemer bewusst auf Wissenschaft statt Marketingversprechen. In ihrer Praxis begegnen ihr immer wieder dieselben Mythen: Teuer heiße automatisch besser, natürlich sei immer verträglich, viele Produkte führten zu besseren Ergebnissen, einzelne Länder hätten grundsätzlich mehr Hautpflege-Kompetenz als andere – und schnelle Effekte seien gute Effekte. Die Realität sieht anders aus:

“In Wahrheit zählt: richtige Wirkstoffe, richtige Qualität, richtige Konzentration, richtige Reihenfolge. Hautpflege ist kein Versprechen – sie ist Biologie.”

Haut „trainieren“ statt überpflegen: Ein neuer Denkansatz

Kraemer spricht davon, die Haut gezielt trainieren zu können – ein Bild, das hängen bleibt. Die Haut sei ein Organ wie die Muskulatur und brauche Reize, aber in der richtigen Dosis. Durch den natürlichen Zellturnover ersetze sie alte Zellen kontinuierlich durch neue. Training bedeute deshalb “sanft reinigen, regelmäßig schützen, gezielt zur Erneuerung anregen – nicht überfordern, nicht unterfordern. Wie beim Sport: Struktur schlägt Chaos.”, so die Expertin.

Wirkstoffe statt Worthülsen: Worauf es bei Pflegeprodukten ankommt

Welche Rolle spielen aktive Inhaltsstoffe wirklich? Für Kraemer sind sie der Kern jeder wirksamen Hautpflege. Nicht Verpackung, Duft oder Versprechen entscheiden über den Erfolg, sondern “wissenschaftlich belegte Wirkstoffe, wie sie auch in der dermatologischen Klinik eingesetzt werden. Ebenso wichtig sind stabile Formulierungen und eine klare Funktion pro Produkt. Ein gutes Produkt wisse, was es kann – und auch, was nicht”, so Kraemer.

 

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Sofort-Effekt oder Langzeitstrategie: Der Unterschied zählt

Der Unterschied zwischen kurzfristig wirksamer Pflege und einer nachhaltigen Hautstrategie ist fundamental:

“Kurzfristige Pflege glättet und polstert auf – wie der “Spanx-Effekt”: perfekt für morgen, aber nicht für nächstes Jahr. Sie kaschiert, statt zu verändern.”

Eine nachhaltige Strategie hingegen brauche Zeit, Konsequenz und Geduld. Sie stärke Zellfunktionen, stabilisiere die Hautbarriere und fördere Regeneration.

Wie beim Sport sei das kein Sprint, sondern ein Marathon. Sichtbare, echte Veränderungen durch aktive Inhaltsstoffe zeigten sich meist erst nach sechs bis acht Wochen.

Unreine Haut im Erwachsenenalter: Die häufigsten Pflegefehler

Unreine Haut betrifft längst nicht nur Jugendliche. In der Pflege von Erwachsenenhaut beobachtet Kraemer immer wieder dieselben Fehler: zu aggressive oder gar keine Reinigung, zu viele Produkte, ein einseitiger Fokus auf „gegen Pickel“ statt auf Balance sowie das Ignorieren von Schlaf, Stress und Ernährung. Nicht alles sei die Schuld von Hormonen.

Wer seine Hautpflege im Griff habe, könne auch mit Hormonschwankungen eine gute Haut behalten – unabhängig vom Alter, so die Expertin. Interessant: Viele Produkte aus dem Anti-Aging-Bereich stammen ursprünglich aus der Akne-Behandlung.

Lifestyle schlägt Creme: Wie stark unser Alltag die Haut prägt

Der Einfluss von Lebensstil, Ernährung und Stress auf die Hautalterung ist enorm. Kraemer verweist auf Studien mit Zwillingen, die zeigen, dass rund 80 Prozent unseres Hautbildes durch Lifestyle bestimmt werden und nur etwa 20 Prozent genetisch festgelegt sind.

“Sonne, Ernährung, Rauchen, Schlaf und Stress verändern das Aussehen massiv. Kosmetik kann unterstützen – aber sie ersetzt keinen gesunden Lebensstil. Die Haut zeigt, was im Inneren passiert.”

Wissen als Schlüssel: Warum Verständnis wichtiger ist als Produktempfehlungen

Ihr Buch richtet sich bewusst auch an Menschen ohne medizinisches Vorwissen. Kraemer wollte kein Fachbuch schreiben, sondern ein Denkwerkzeug. Leserinnen und Leser sollen verstehen, wie Haut funktioniert – nicht nur, was sie kaufen sollen.

Rund 35 Prozent ihrer Patienten seien selbst Ärzt:innen aus anderen Fachrichtungen und selbst sie denken oft zu kompliziert: “Auf Social Media, etwa auf Instagram, wird oft über Details diskutiert, die im Alltag kaum eine Rolle spielen. Viele wollen gleich das Bootcamp mit Arnold Schwarzenegger buchen, ohne je auf einem Stepper gestanden zu haben. Deshalb ist mir die logische, übergeordnete Perspektive so wichtig: erst das große Ganze verstehen, bevor man in die Tiefe geht.”, so Kraemer.

 

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Hauttyp war gestern: Ein neuer Blick auf Pflegeroutinen

Einen klassischen Hauttyp gebe es laut Kraemer eigentlich nicht mehr – sie verrät: “Dieses Konzept stammt aus den 1920er-Jahren von Helena Rubinstein und ist heute überholt. Haut ist kein starres Schema, sondern ein dynamisches Organ, das sich ständig verändert.

“Ich vergleiche Hautpflege mit Sport: Alter, Geschlecht oder Hauttyp spielen keine Hauptrolle. Als Skin-Trainer stelle ich zuerst alle auf den Stepper, dann an die Hanteln – erst danach kommt die individuelle Feinjustierung.”

Ihr Dr. Liv Level System funktioniere wie ein Trainingsplan: Basis, Aufbau, Individualisierung. Erst müsse man das System verstehen, bevor man sich mit Wirkstoffen, Konzentrationen und Formulierungen beschäftige.

Die wichtigste Erkenntnis: Verantwortung statt Trends

Wenn Leserinnen und Leser nur eine zentrale Erkenntnis aus Skin Longevity mitnehmen, dann diese: Man lebt in diesem Körper – und man geht auch aus ihm. Liv Kraemer betont: “Man lebt in diesem Körper – und man geht auch aus ihm. Das sollte uns bewusst sein. Deshalb sollten wir unsere Entscheidungen mit Wissen treffen und nicht nach Trends. Hautalterung entsteht aus vielen kleinen Entscheidungen: was wir essen, wie wir schlafen, wie wir uns bewegen und wie wir mit unserer Haut umgehen”

Kraemer möchte Menschen wieder in den „Driver Seat“ setzen. Das Wissen, das ihr Mentor Prof. Sterry ihr vermittelte – „Was das Gehirn nicht weiß, das Auge nicht sieht“ – gibt sie heute weiter. Gerade in Zeiten von AI sei Hinterfragen wichtiger denn je.

Ihr persönlicher Tipp für langlebige, gesunde Haut: langfristig denken, die Haut wie ein Organ behandeln, Entscheidungen mit Wissen statt Trends treffen. Viele kleine, kluge Schritte jeden Tag schlagen jede schnelle Lösung. Weniger ist oft mehr.

Die renommierte Dermatologin Dr. Liv Kraemer enthüllt in Skin Longevity die Geheimnisse gesunder und strahlender Haut. In einer Welt voller Kosmetikversprechen und kurzlebiger Trends bietet dieses Buch einen klaren, wissenschaftlich fundierten Leitfaden, um die Haut optimal zu pflegen und langfristig zu schützen.

Bildquellen

  • Skinlongevity: iStockphoto.com/ miniseries

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