Vitamin D-Mangel: Ist Solarium doch eine Lösung für den Winter?

Vitamin D spielt eine sehr wichtige Rolle für unsere Gesundheit: Es unterstützt den Knochenstoffwechsel, das Immunsystem und wirkt sich positiv auf zahlreiche Körperfunktionen aus. In Ländern mit langen, dunklen Wintern steigt jedoch das Risiko eines Vitamin-D-Mangels, weil die natürliche UVB-Strahlung der Sonne zur Vitamin-D-Synthese fehlt. Deshalb stellen sich viele Menschen auch hierzulande eine oft diskutierte Frage: Kann das Solarium im Winter tatsächlich helfen, einen Vitamin-D-Mangel auszugleichen oder vorzubeugen?

Was ist Vitamin D und warum ist es wichtig?

Vitamin D, oft auch als „Sonnenvitamin“ bezeichnet, ist ein fettlösliches Vitamin, das im Körper vor allem durch die Einwirkung von UVB-Strahlung auf die Haut gebildet wird. Es ist essenziell für die Aufnahme von Kalzium und Phosphat, was wiederum für den Aufbau und Erhalt starker Knochen wichtig ist. Darüber hinaus wirkt Vitamin D auf das Immunsystem, die Zellteilung und hat Auswirkungen auf Entzündungsprozesse.

Ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel wird in der Fachwelt mit einem Serum-25-Hydroxyvitamin-D-Wert von etwa 50–125 nmol/L (20–50 ng/mL) assoziiert, wobei Werte darunter oft als insuffizient oder mangelhaft gelten. Ein Mangel kann zu Knochenerkrankungen wie Rachitis bei Kindern oder Osteomalazie bei Erwachsenen führen und wird mit einem erhöhten Risiko für Infektionen, Autoimmunerkrankungen und bestimmte chronische Krankheiten in Verbindung gebracht.

Im Winter sinken die Umwelt-UVB-Werte in Mitteleuropa oft unter ein Niveau, das für eine effektive Vitamin-D-Synthese notwendig ist. Viele Menschen verbringen zudem weniger Zeit im Freien, was das Risiko eines saisonalen Vitamin-D-Mangels verstärkt.

Wie entsteht ein Vitamin-D-Mangel im Winter?

Der Hauptfaktor für Vitamin-D-Bildung ist ultraviolette Strahlung des Typs UVB (zwischen 290 und 315 nm). Diese Strahlung trifft in den Wintermonaten in Regionen mit höherer geografischer Breite (z. B. Europa, Nordamerika) kaum noch im notwendigen Spektrum auf die Erdoberfläche. Dadurch fällt die körpereigene Synthese praktisch aus.

Zudem führen folgende Aspekte im Winter zu sinkenden Vitamin-D-Werten:

  • Weniger Tageslicht und kürzere Tage, wodurch die Haut weniger Sonnenlicht ausgesetzt ist.
  • Kälte und Kleidung, die große Hautflächen bedecken, mindern die UV-Exposition weiter.
  • Lebensstil-Faktoren wie Indoor-Arbeit und geringere Outdoor-Aktivität.

Ernährung allein deckt den Bedarf für die meisten Menschen nicht vollständig, da nur wenige Lebensmittel nennenswerte Mengen an Vitamin D enthalten (z. B. fetter Fisch, Leber, Eigelb, angereicherte Lebensmittel).

Sonnenbank und Vitamin D-Synthese: Was ist da dran?

Einige Studien belegen, dass Solarien tatsächlich die Serum-25-Hydroxyvitamin-D-Konzentrationen erhöhen können. In einer klinischen Untersuchung war die regelmäßige Nutzung einer Sonnenbank mit UV-Emissionen ähnlich der natürlichen Sommerstrahlung über mehrere Wochen in der Lage, physiologisch relevante Vitamin-D-Niveaus zu erreichen. Dabei stieg der Vitamin-D-Spiegel der Teilnehmer:innen im Mittel deutlich an.

Eine noch frühere Studie zeigte, dass Personen, die mindestens einmal pro Woche ein Solarium nutzten, ca. 90 % höhere 25(OH)D-Werte hatten als Nicht-Nutzer. Gleichzeitig zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen höherem Vitamin-D-Spiegel und Knochenmineraldichte.

Weitere Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass unterscheidliche Solarien-Modelle mit verschiedenen UVB-Anteilen in 12 Wochen Nutzung den 25(OH)D-Spiegel um signifikante Werte steigern können.

Diese Studien zeigen grundsätzlich, dass künstliche UV-Bestrahlung sehr wohl Vitamin D-Produktion auslösen kann, sofern UVB-Anteile vorhanden sind.

Risiken der Solariennutzung: Neue Studien zeigen, wie sehr das Hautkrebsrisiko steigt

Trotz dieser potenziellen Erhöhung des Vitamin-D-Spiegels stehen gesundheitliche Risiken der Solariennutzung im Vordergrund zahlreicher medizinischer Empfehlungen.

Internationale Gesundheitsorganisationen – darunter die World Health Organization (WHO) – klassifizieren UV-Emittierende Bräunungsgeräte als Gruppe-1-Karzinogene, also als eindeutig krebserregend. Das bedeutet, dass wiederholte oder intensive Nutzung eines Solariums das Risiko für Hautkrebsarten wie Melanom, Basalzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom deutlich erhöht, wie schon vor Jahren zahlreiche Studien zeigten.

Eine aktuelle Studie von Dezember 2025 zeigt eindrücklich, wie schädlich Solarien tatsächlich für die Haut sein können. Forschende verglichen die Haut von Menschen in ihren Dreißigern und Vierzigern, die regelmäßig Solarien nutzten, mit der Haut von Personen in ihren Siebzigern und Achtzigern, die nie künstlicher UV-Strahlung ausgesetzt waren. Ergebnis: Die Haut junger Solariumnutzer:innen wies teilweise mehr Mutationen auf als die Haut deutlich älterer Menschen – die Haut wirkte genetisch um Jahrzehnte gealtert.

Die Forscher:innen kombinierten dafür die Analyse von Krankenakten von über 32.000 Patienten mit der Untersuchung von 182 einzelnen pigmentbildenden Hautzellen aus Hautproben von 26 Spendern. Jede UV-Exposition hinterlässt kleine DNA-Schäden. Während ein Teil repariert wird, bleiben manche Mutationen bestehen und sammeln sich über die Zeit an. Diese Mutationslast betrifft oft Gene, die direkt mit der Entstehung von Melanomen verbunden sind, der tödlichsten Form von Hautkrebs.

Besonders stark betroffen waren Bereiche, die im Alltag selten Sonnenlicht bekommen, wie unterer Rücken und Gesäß. Dort war die Haut von Solariumnutzern regelrecht durchsetzt mit genetischen Veränderungen, die das Risiko für Hautkrebs erheblich erhöhen. Die Studie belegt klar: Regelmäßige Solarienbesuche lassen die Haut biologisch altern und steigern das Krebsrisiko, selbst wenn sie äußerlich gesund und gebräunt wirkt.

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Solarium versus natürliche Sonne: Vergleich der UV-Strahlen

Ein entscheidender Unterschied zwischen natürlicher Sonne und Solarien liegt im Spektrum der Strahlung:

  • Die Sonne produziert UVB und UVA in natürlichen Verhältnissen, die sich saisonal verändern.
  • Solarien arbeiten oft mit überwiegend UVA-Strahlung, die zwar die Haut bräunt, aber deutlich weniger effektiv für Vitamin-D-Synthese ist als UVB.

Tatsächlich haben Geräte, die vor allem UVA abstrahlen, nur minimalen Einfluss auf die Vitamin-D-Bildung, weil Vitamin D überwiegend durch UVB-Einstrahlung synthetisiert wird. Selbst bei Solarien mit höherem UVB-Anteil bleibt die Nutzung im Verhältnis zur natürlichen Sonne ein künstlicher und intensiver Eingriff, der die Haut stärker belastet als ein Aufenthalt im moderaten Sonnenlicht im Freien.

Außerdem speichert der menschliche Körper im Sommer produziertes Vitamin D – überschüssiges wird gespeichert und kann über den Winter hinweg partiell genutzt werden. Dies ist ein Vorteil der natürlichen Sonnenexposition, den Solarien so nicht ersetzen können.

Ergänzung: Dermatologische Einschätzung und Tan Dysmorphia

Der Dermatologe Dr. Tzovaras warnt ausdrücklich vor den langfristigen Folgen der Solariumnutzung: „Die Folgen sind vor allem eine beschleunigte Hautalterung, da die im Solarium dominierende UVA-Strahlung tief in die Haut eindringt und dort die Kollagenfasern schädigt.“ Diese strukturellen Schäden führen nicht nur zu Faltenbildung und Elastizitätsverlust, sondern begünstigen auch chronische Hautveränderungen.

Auch eine vermeintlich „natürliche“ Bräune bietet laut Dr. Tzovaras keinen verlässlichen Schutz vor UV-Schäden. Zwar regt UV-Strahlung die Bildung von Melanin an, welches einen gewissen photoprotektiven Effekt besitzt und bis zu 90 Prozent der UV-Strahlung absorbieren kann. Dennoch dringen trotz Pigmentierung weiterhin etwa 20 Prozent der UVB-Strahlen und rund 50 Prozent der UVA-Strahlen in tiefere Hautschichten ein. Dort können sie DNA-Schäden verursachen, die langfristig das Hautkrebsrisiko erhöhen.

Besonders besorgniserregend ist laut Dr. Tzovaras ein zunehmend beobachteter Trend, die sogenannte Tan Dysmorphia – eine psychische Störung, bei der Betroffene eine zwanghafte Wahrnehmung entwickeln, nie „braun genug“ zu sein. Diese Bräunungssucht führt häufig zu exzessiver Solariumnutzung. Gerade die dort eingesetzte hochdosierte UVA-Strahlung gilt als problematisch, da sie die DNA direkt schädigt und signifikant zur Entstehung von malignem Melanom (schwarzem Hautkrebs) beitragen kann.

Alternative: Supplemente und sichere Wege zur Vitamin D-Optimierung

Angesichts der Risiken ist die medizinische Empfehlung klar: Solarien sind kein geeigneter Weg, um einem Vitamin-D-Mangel vorzubeugen oder zu behandeln. Stattdessen empfehlen Experten sichere, risikoarme Maßnahmen.

  1. Vitamin-D-Supplementierung

Die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten ist eine sehr gängige, gut untersuchte und sichere Methode, um einen Mangel zu beheben. Sie ermöglicht kontrollierte Dosierungen und ist frei von UV-Risiken. Viele Studien stützen die Effizienz von Vitamin-D-Supplementen bei der Normalisierung von Serumwerten, insbesondere im Winter oder bei eingeschränkter Sonnenexposition.

2. Ernährung

Obwohl ernährungsbedingt meist weniger Vitamin D aufgenommen wird als über Sonnenlicht, kann eine bewusste Ernährung mit Vitamin-D-reichen Lebensmitteln (z. B. fetter Fisch, angereicherte Milchprodukte, Eier) zur Unterstützung beitragen.

3. Aufenthalt im Tageslicht

Schon tägliche Aufenthalte im Freien von 10–30 Minuten an sonnigen Tagen können die körpereigene Vitamin-D-Produktion anregen, sofern genügend Haut unbedeckt ist und der UV-Index ausreichend hoch ist.

4 ärztliche Betreuung

Ein Bluttest auf Vitamin-D-Spiegel und eine ärztliche Beratung können helfen, den optimalen Bedarf zu bestimmen und eine maßgeschneiderte Strategie festzulegen – sei es Supplementierung, Ernährung oder kontrollierte Sonnenexposition.

Solarium im Winter – sinnvoll oder riskant?

Die Frage, ob Solarien eine Lösung für den Vitamin-D-Mangel im Winter darstellen, lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Ja, Solarien können Vitamin-D-Produktion anregen – unter bestimmten Bedingungen und wenn UVB-Strahlung vorhanden ist, zeigen Studien eine Erhöhung des Serum-25(OH)D-Spiegels.

Aber: Nein, Solarien sind aus medizinischer Sicht keine sichere Methode, um Mangelzustände zu beheben. Zahlreiche Experten- und Gesundheitsorganisationen raten strikt davon ab, da die Gefahr schwerer gesundheitlicher Folgen wie Hautkrebs das mögliche Vitamin-D-Plus bei Weitem überwiegt.

Außerdem führt UV-Strahlung zu:

  • Augenschäden ohne ausreichenden Schutz,
  • Immunsuppression der Haut,
  • und weiteren DNA-Schäden durch direkte Strahlung.

Die Risiken sind nicht nur theoretisch, sondern epidemiologisch belegt: Je öfter und intensiver jemand Bräunungsgeräte nutzt, desto höher steigt das Hautkrebsrisiko.

Dr. Andreas Tzovaras, Hautarzt für allgemeine, ästhetische und operative Dermatologie © MichaelAlschner

Bildquellen

  • Solarium und Vitamin D: iStockphoto.com/ LuckyBusiness

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