Skifahren gehört zu den beliebtesten Wintersportarten weltweit. Das Gefühl, über schneebedeckte Hänge zu gleiten, Geschwindigkeit und Technik zu kombinieren, zieht Profis wie Freizeitfahrer gleichermaßen an. Doch hinter dem Spaß steckt ein nicht zu unterschätzendes Risiko: Jährlich passieren auf den Pisten Unfälle – von kleinen Stürzen bis hin zu schweren Verletzungen, die das Leben verändern können.
Besonders Profisportler wie Lindsey Vonn zeigen, dass selbst jahrelange Erfahrung keine Garantie für Sicherheit ist. Ihr dramatischer Sturz verdeutlicht, wie schnell Routine zu einer extrem gefährlichen Situation werden kann – und welche medizinischen Herausforderungen dabei auftreten. Wir haben darüber mit Priv. Doz. Dr. Patrick Weninger, Facharzt für Orthopädie und Traumatologie, gesprochen.
Skiunfälle: Geschwindigkeit trifft Verletzungsrisiko
Die meisten Skiunfälle entstehen durch eine Kombination aus hoher Geschwindigkeit, unvorhersehbaren Pistenverhältnissen und kleinen Fehlern. Häufig betroffen sind Knie, Schulter, Unterarm oder Unterschenkel. Besonders komplizierte Brüche, bei denen der Knochen in mehrere Teile zerspringt, gehören zu den gravierendsten Verletzungen. Begleitend entstehen oft erhebliche Schäden an Muskeln, Sehnen und Blutgefäßen.
„Beim Bruch handelt es sich um einen komplizierten Stückbruch des Unterschenkels. Dabei kommt es immer zu einem beträchtlichen begleitenden Weichteilschaden. Dieser ist auch der Grund für eine massive Schwellung der Muskulatur“, erklärt uns der Experte. Diese Schwellung kann die Durchblutung so stark
Lindsey Vonn: Vom Trainingslauf zum medizinischen Notfall
Für Lindsey Vonn begann der Tag wie jeder andere Trainingslauf. Doch ein Moment der Unachtsamkeit führte zu einem schweren Sturz, der ihr Leben auf der Piste dramatisch veränderte. Die Verletzung war nicht nur ein Knochenbruch, sondern eine komplexe Situation, die eine sofortige medizinische Intervention erforderte.
„Vonn wurde mit einem sogenannten Fixateur externe versorgt“, erläutert Dr. Weninger. Dieses äußere Stabilisierungssystem hält die Knochenfragmente in Position und ist besonders bei komplizierten Brüchen mit erheblichem Weichteilschaden essenziell. Gleichzeitig verhindert es, dass sich die Schwellung weiter verschlimmert und die Durchblutung des Beins noch mehr gefährdet wird.
Kompartment-Syndrom: Die stille Gefahr
Eine der gravierendsten Komplikationen nach einem Unfall wie diesem ist das Kompartment-Syndrom. Hier steigt der Druck in den Muskelkompartimenten so stark an, dass Blutgefäße komprimiert werden und das Gewebe droht abzusterben. Wird der Zustand unbehandelt gelassen, droht in den meisten Fällen die Amputation. Der Experte erklärt:
„Diese Schwellung führt zu einer Störung der Durchblutung, die das Bein gefährdet. Wird dieser Zustand belassen, muss in den meisten Fällen das Bein amputiert werden, da es nicht zu retten ist. Diesen Zustand nennt man Kompartment-Syndrom“
View this post on Instagram
Chirurgische Intervention: Leben retten auf ganzer Länge
Die Unfallchirurgen handelten sofort. Um das Kompartment zu entlasten, musste das Bein auf fast ganzer Länge aufgeschnitten werden. „Die Unfallchirurgen haben sich deshalb entschlossen, weitere Eingriffe durchzuführen, um die Durchblutung des Beins zu retten. Dabei wird das Bein auf fast ganzer Länge aufgeschnitten, um das sogenannte Kompartment zu entlasten. Nur durch diese frühzeitige Maßnahme kann das Bein gerettet werden“, so Dr. Weninger.
Diese Art von Operation ist komplex und risikoreich, aber für den Erhalt des Beins unverzichtbar. Solche Eingriffe zeigen, wie eng Chirurgie, Präzision und Zeitmanagement miteinander verbunden sind.
Langzeitprognose und weitere Operationen
Nach der Notfallversorgung folgen oft mehrere weitere Operationen. Dazu gehören die plastisch-chirurgische Deckung der Hautschnitte und eventuell die Rekonstruktion beschädigter Blutgefäße. Weninger dazu:
„Es sind sicher noch weitere Operationen nötig, um dann auch plastisch-chirurgisch die Hautschnitte zu decken. Eventuell mussten auch wichtige Blutgefäße rekonstruiert werden. Ob das Bein jemals wieder normal funktionieren wird, ist fraglich. Jetzt steht die Verhinderung einer Amputation absolut im Vordergrund. Das Bein ist nach wie vor höchst gefährdet und es kann nicht abgesehen werden, wie es ausgeht“
Die Rehabilitation wird langwierig sein: Muskelaufbau, Physiotherapie und sorgfältige Überwachung der Heilung sind essenziell. Selbst Profisportler müssen Geduld mitbringen, um die Funktion des Beins wiederherzustellen – eine Rückkehr in den Wettkampfsport bleibt ungewiss.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Prävention: Sicherer Skispaß statt Risiko
Lindsey Vonns Unfall zeigt, wie schnell der Wintersport in Gefahr verwandeln kann. Doch das Risiko lässt sich nicht nur durch Glück mindern – gezielte Prävention hilft. Besonders im Februar und März ist beim Skifahren Vorsicht geboten: Das wärmere Wetter führt oft zu weicherem, ungleichmäßigem Schnee, der die Pisten rutschiger oder unvorhersehbar machen kann.
Gleichzeitig werden die Tage länger – das bedeutet, dass viele Skifahrer länger unterwegs sind, müder werden und dadurch schneller Fehler machen. Auch die Sonne kann auf Schnee stark blenden, was die Sicht zusätzlich beeinträchtigt.
Um sicher Ski zu fahren, helfen folgende Maßnahmen:
- Aufwärmen vor jeder Abfahrt – Dehnen und Mobilisieren von Muskeln und Gelenken reduziert Verletzungsrisiken.
- Leistungsgrenze realistisch einschätzen – Nicht übermüdet, übermüdet oder überfordert fahren. Pausen einlegen, bevor die Konzentration nachlässt.
- Abstand halten – Abstand zu anderen Skifahrern und Hindernissen einhalten, besonders auf volleren Pisten.
- Abfahrtszeit beachten – Zu späte Abfahrten bergen höhere Risiken durch schlechtere Sicht, müde Beine oder vereiste Stellen.
- Schutzkleidung nutzen – Helm, Rücken- und Knieschützer schützen vor Stürzen und schweren Verletzungen.
- Bewusst Ski fahren – Technik, Geschwindigkeit und Schneeverhältnisse anpassen. Lieber vorsichtig unterwegs sein, als unnötiges Risiko einzugehen.
Bildquellen
- Skiunfall mit schwerer Verletzung: Alex_Ishchenko/ istockphoto.com
