Psychische Gesundheit

"Prince Charming"-Star Antonio Šošić im Talk über Zwangsgedanken & LGBTQ

Antonio Šošić nahm bei der Datingshow "Prince Charming" teil, hat einen eigenen Podcast und steht offen zu seiner Sexualität. Im Interview spricht er mit uns über seine Zwangsgedanken, Reality-TV und die Entwicklungen in der LGBTQ-Szene.

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gesundheitstrends.com: Wie haben sich die Zwangsgedanken bei dir das erste Mal geäußert?

Šošić: Das erste Mal fielen mir die Zwangsgedanken im Sommer 2008 auf. Ich hatte plötzlich diese Überlegungen, die so aufdringlich waren. Es gab gewisse Situationen, in denen die Zwangsgedanken so präsent waren, dass ich zum Beispiel in der Schule oder im Job nicht "ganz da war". Ich konnte mich dann auch nicht mehr richtig konzentrieren. Hier haben mir manchmal TV-Shows sehr geholfen, weil ich wusste: "In diesen 40 Minuten kann ich abschalten und den Zwangsgedanken entfliehen".

gesundheitstrends.com: Du hast dich 2013 aufgrund deiner Zwangsgedanken in Therapie begeben. Hattest du Probleme damit, dich einer fremden Person gegenüber zu öffnen?

Šošić: Ich hatte definitiv Probleme damit, mich zu öffnen. Vor allem, weil ich nicht der Mensch war, der gerne über Gefühle gesprochen hat. Das hat sich mittlerweile geändert, worauf ich sehr stolz bin. Ich habe drei Mal meinen Therapeuten gewechselt und da ist es ganz wichtig, dass man nicht verzweifelt. Man sollte einfach weitersuchen, bis die Chemie mit der Vertrauensperson passt.

Ich hatte eine kognitive Verhaltenstherapie und eine Gesprächstherapie. Bei der Verhaltenstherapie wurden mir Methoden beigebracht, die mir helfen, mit meinen Zwangsgedanken umzugehen. Zudem habe ich gelernt, dass man diesen Gedanken nicht ausweichen darf. Man muss diese Gedanken zu Ende denken und sie konfrontieren.

"Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der oft Bemerkungen wie 'Schwule gehören umgebracht' und 'Homosexualität ist nicht normal/gehört verboten' gefallen sind."

gesundheitstrends.com: Bist du der Meinung, dass das "Verheimlichen" deiner Sexualität die Zwangsgedanken verstärkt hat?

Šošić: Es hat definitiv etwas damit zu tun, dass ich meine Sexualität verheimlicht habe. Durch die Erklärung der britischen Psychologin Marisa Peer habe ich verstanden, was die Funktion meiner Zwangsgedanken ist. Sie sagt, dass unser Verstand darauf ausgerichtet ist, uns am Leben zu erhalten, und so kam ich zu der Schlussfolgerung, dass mich meine Zwangsgedanken nur schützen wollen.

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der oft Bemerkungen wie "Schwule gehören umgebracht" und "Homosexualität ist nicht normal/gehört verboten" gefallen sind. Zwangsgedanken wollen die Betroffenen immer auf etwas aufmerksam machen bzw. sie vor etwas warnen. Meine Zwangsgedanken wollten mich also davor schützen "umgebracht" zu werden, da ich ständig diesen Aussagen ausgeliefert war.

 

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gesundheitstrends.com: Findest du, dass sich die LGBTQ-Community in den letzten zehn Jahren stark verändert hat? Bzw. dass die Gesellschaft toleranter gegenüber queeren Menschen geworden ist?

Šošić: Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Gesellschaft gegenüber der queeren Community geändert hat und offener geworden ist. Im konservativen Bosnien und Herzegowina wurde letztes Jahr zum ersten Mal eine "Regenbogen-Parade" veranstaltet. Da sehe ich dann schon einen Fortschritt.

In Bezug auf die Community selbst habe ich manchmal die Befürchtung, dass es nur mehr um Sex geht und nicht mehr um das Miteinander. Ich glaube, dass dadurch auch sehr schnell Vorurteile entstehen, obwohl es viele Menschen in der Community gibt, die nicht nur auf eine "schnelle Nummer" aus sind. Doch über diese Personen redet man nicht, sondern man fokussiert sich eher darauf, wie viele Sexualpartner schwule Männer haben.

Genau das wollte ich damals bei "Prince Charming" aufklären: Es ist kein Problem, wenn es Männer gibt, die einem gewissen Bild entsprechen. Ich bin nicht der Meinung, dass es notwendig ist, sich anzupassen, denn jeder soll so leben, wie er möchte, auch wenn es einem Klischee entspricht. Es ist aber auch in Ordnung, wenn ich mich nicht andauernd ausziehe oder auf Sex aus bin.

Auf Seite 3 spricht Antonio über Soziale Medien und Ausgrenzungen.

Mehr dazu: Besser spät als nie: Amerikaner outet sich mit 90 Jahren als schwul

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