Psychische Gesundheit

Virtual Reality gegen Angststörungen: Phobie im Cyberspace besiegen

Beinahe jedem von uns plagt die eine oder andere Angst. Mit Virtual Reality sollen sich Betroffene nun ihren Phobien stellen und Panikattacken den Kampf ansagen.

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Virtual Reality gegen Ansgststörungen
skynesher / iStock

Erzeugt der Flug in den Urlaub mehr Überwindung als Freude und scheint der Spinnen besiedelte Keller unbetretbar, hat man nicht nur mit einer einfachen Angst, sondern einer Phobie zu kämpfen. So kommt es, dass man derartige Situationen schlichtweg meidet, um nicht in eine Panikattacke zu geraten. Doch dabei nimmt nicht nur die Lebensqualität ab, sondern die Furcht kontinuierlich zu. Mithilfe von Virtual Reality-Therapien soll man nun lernen, sich seinen Ängsten zu stellen und diese zu überwinden.

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Horrorszenen im Kopfkino

Eine Phobie hinter sich zu lassen erfordert viel Kraft. Sie spielt sich in unseren Köpfen ab und ist nicht so einfach zu beseitigen wie z.B. ein Schnupfen. Die Betroffenen müssen sich gezielt mit der Situation oder dem Objekt auseinandersetzen, um zu erkennen, dass ihre Angst unbegründet ist.

Doch Therapeuten fehlt oft die Zeit, um derartige Alltagsmomente abzuwarten oder gar selbst zu kreieren. Dabei ist gerade dieser Aspekt besonders wertvoll bei der Bewältigung von Phobien. Man muss sich mit ihnen beschäftigen und darf sie nicht im hintersten Eck des Verstands wegsperren. Fehlt die Konfrontation mit der Last, droht sie uns irgendwann zu erdrücken – ein ewig andauernder Teufelskreis.

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Virtual Reality als Therapie

Die neue Technologie erobert unseren Alltag in vielerlei Hinsicht – nun soll Virtual Reality auch unser Wohlbefinden fördern, indem man Phobien und Angststörungen mit ihr verarbeitet. Einige Therapeuten haben die neue Methode schon für sich entdeckt und profitieren von erfolgreichen Ergebnissen. Es sei einfacher, die Situation künstlich herzustellen, denn oft ist die ärztliche Betreuung nicht vor Ort, wenn die besagte Phobie sich bemerkbar macht. Die VR-Brille ermöglicht uns mit ihrer 360-Grad-Sicht in eine virtuelle Welt einzutauchen und vermittelt ein täuschend echtes Abbild der Realität. Szenarien können deutlich öfter durchlebt werden, während der Therapeut einen begleitet und zur Seite steht.


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Augen auf und durch?

Phobien entstehen aufgrund von unserer Bewertung bestimmter Situationen. Sind wir beispielsweise der Meinung, dass das Klettern im Hochseilgarten für uns lebensbedrohlich oder gefährlich ist, reagiert unser Körper auf diesen Gedanken. Wir erstarren vor Angst und blenden dabei völlig aus, dass wir aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen nicht in Gefahr sind. Während man also glaubt, äußerliche Hindernisse überwinden zu müssen, besteht die wahre Kunst darin, seine mentalen Widerstände zu bezwingen. Die verzerrte Einschätzung muss daher mithilfe von kognitiver Verhaltenstherapie korrigiert werden. In diesem Punkt kann Virtual Reality große Hilfe leisten:

  • Geschützte Umgebung: Sich seinen Ängsten zu stellen, ist keine leichte Aufgabe. Dennoch bevorzugen die Betroffenen das virtuelle Szenario, weil sie sich geschützter fühlen als in der Wirklichkeit. Zu wissen, dass man nicht in Gefahr ist, hilft, die Ängste endlich hinter sich zu lassen.
  • Reflexion: Ist man beispielsweise nicht in der Lage, einen fiktiven Turm aufgrund von Höhenangst zu beschreiten, kann der Therapeut zumindest dabei helfen, die Befürchtungen zu widerlegen. Durch das zeitnahe Erlebnis kann man seine Ängste besser reflektieren und die Wurzel des Problems in Angriff nehmen.
  • Eigenes Tempo: Es ist durchaus möglich, die Herausforderungen schrittweise zu meistern. Mit jedem weiteren überwundenen Hindernis, fällt die Angst Stück für Stück ab und verblasst mit der Zeit. Nachdem sie sich ausreichend mit Ihrer Phobie auseinandergesetzt haben, werden Sie feststellen, dass sie unbegründet war.

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Brücken statt Mauern bauen

Mit Virtual Reality Panikattacken in Angriff zu nehmen ist durchaus eine praktikable Möglichkeit, die uns in naher Zukunft ereilen wird. Die Konfrontation mit Ihren persönlichen Hindernissen ist notwendig, um Phobien besser verarbeiten und ablegen zu können. Auch wenn Ihnen Ihr eigener Verstand Steine in den Weg legt, dürfen Sie sich nicht einschüchtern lassen von ihnen. Sie allein entscheiden nämlich, ob sie mit ihnen Mauern oder Brücken bauen.

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