Fitness

Krav Maga: Sich richtig wehren können

Krav Maga ist ein Selbstverteidigungssystem, das stark, fit und gewappnet für Gefahrensituationen macht. Wir haben mit einer Expertin über den Kontaktkampf gesprochen. Und: Gewinnen Sie ein spannendes Buch zum Thema!

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Krav Maga im Studio
Krakozawr / iStock

Marlene kommt von der Arbeit nach Hause. Es ist 6 Uhr abends, die Straßen sind nass und dunkel. Als sie die Haustür aufsperren will, drängt sich ein Fremder an sie und zieht sie gewaltsam zurück.

Was jetzt kommt, damit hat der Angreifer nicht gerechnet: Marlene dreht sich blitzschnell um, rammt dem Unbekannten ihren Schlüssel in die Flanke und tritt ihm mit voller Wucht zwischen die Beine, denn: Marlene kann Krav Maga und ist allzeit bereit, sich selbst zu verteidigen.

Mehr als Kampfsport

"Krav Maga ist ein Selbstverteidigungssystem, das für das israelische Militär entwickelt wurde", erklärt Mag. Irmengard Hanzal-Weckauf, die mit ihrem Mann Peter Weckauf Krav Maga in Österreich vor 20 Jahren etablieren konnte. Während bei Judo oder Karate der sportliche Aspekt zählt, hat Krav Maga ein anderes Ziel: "Krav Maga ist simpel und schnell zu erlernen. Es geht vor allem um die Vermeidung von Eskalation und das Erlernen einer aggressiven Verteidigung."

Gängige Kampfsportarten folgen eher dieser Intention: "Wettkampf, Gewichtsklassen und spezifische Kampfsituationen stehen dort an erster Stelle. Bei Krav Maga forcieren wir keine körperliche
Auseinandersetzung, sie ist der letzte Ausweg im Rahmen eines Konfliktes. Zentral ist stattdessen der Gedanke, schnell flüchten zu können."

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Leib und Leben in Gefahr

Beim Training üben die Teilnehmer den Ernstfall. "Sie verinnerlichen die sichere Anwendung einer effizienten Verteidigung, wenn Leib und Leben in Gefahr sind", so Mag. Hanzal-Weckauf. Jeder kann die Technik erlernen: "Unabhängig von körperlichen Voraussetzungen, Alter und Geschlecht: Schon Kinder ab 8 Jahren dürfen an unseren Kursen teilnehmen. Das Training mit den Kleinsten dient der Sensibilisierung für unangebrachte Situationen oder Konflikte, mit denen sie konfrontiert werden können. Bei Kindern ist die präventive Arbeit eigentlich am wichtigsten."

Aggression im Beruf

Nicht jeder, der Krav Maga trainiert, konzentriert sich lediglich auf mögliche Gefahrenmomente, so Mag. Hanzal-Weckauf: "Krav Maga kann
prinzipiell auf zwei Schienen betrieben werden: zu Zwecken der Verteidigung oder als sportliche Betätigung. Erstere Gruppe möchte sich zum Beispiel für das Berufsleben ein entsprechendes Handwerkszeug zulegen. Angesprochen fühlen sich alle, die einen Job ausüben, bei dem es zu einer aggressiven Auseinandersetzung kommen kann. Lehrer, Flughafenpersonal, Betreuungspersonen im sozialen Bereich oder Angestellte in Krankenhäusern gehören zu unserer Klientel."

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Ich weiß, was ich kann

Es gehe bei Krav Maga nicht nur um Selbstverteidigung, sondern vor allem um Selbstbehauptung. Allein das Wissen, sich in einer Notlage richtig wehren zu können, vermittelt Sicherheit. "Mit dem Know-how zur Kampftechnik verbessert sich das Sicherheitsgefühl, das gesamte Auftreten verändert sich. Man wird nicht mehr als Opfer wahrgenommen, sondern als selbstsichere Person, die bewusst ihre Grenzen setzt."

Prügeln verboten

Diejenigen, die sich schlichtweg gerne prügeln und Krav Maga als legitimierte Körperverletzung verstehen, sind bei SAMI International übrigens fehl am Platz, betont die Expertin: "Solche Personen werden von vornherein abgeblockt. Unsere Einstellung dazu steht deutlich auf unserer Homepage geschrieben: 'Wir behalten uns vor, Personen, die wir charakterlich für ungeeignet
halten, abzuweisen. Wir unterrichten nicht die Leute, vor denen wir uns eigentlich schützen wollen!'"

Die Trainer orientieren sich überdies an Paragraph 3 im Strafgesetzbuch, dem Notwehrrecht-Gesetz: "Nicht rechtswidrig handelt, wer sich nur der Verteidigung bedient, die notwendig ist, um einen gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, Freiheit oder Vermögen von sich oder einem anderen abzuwehren."

Ganzkörpertraining

Obwohl Krav Maga nicht vorrangig zum Abnehmen gedacht ist, zaubern die Bewegungen eine gute Figur. "Wenn man Krav Maga sportlich betreibt, ist das ein Garant für
zunehmende Fitness. Um den Kontaktkampf zu beherrschen und einen guten Krafteinsatz zu erzielen, braucht es Flexibilität, Koordination und Kondition."

Eine klassische Krav-Maga-Stunde:

  • beginnt mit einem Warm-up,
  • gefolgt von einem Techniktraining.
  • Anhand eines Szenarientrainings spielen die Teilnehmer realistisch angelehnte Szenen durch.
  • Gegen Ende der Stunde powern sich die Teilnehmer so richtig aus, das soll den Kampfgeist schulen und erinnert ein wenig an
    ein Boot Camp. Die Schüler lernen dabei, über ihre eigenen Grenzen zu gehen.

Wehtun sollte sich im Training im Idealfall niemand: "Ziel ist es, heil aus der Stunde zu gehen und niemanden zu verletzen. Bei der Intensität des körperlichen Einsatzes, die mit Krav Maga
einhergeht, kann natürlich trotz aller Sicherheitsvorgaben einmal etwas passieren."

Der 4-A-Notfallplan

Wer Krav Maga kann, ist gut gerüstet gegen Gewaltangriffe. In ihrem eigens für Mädchen und Frauen entwickelten Folder geben die SAMI-Gründer mit dem "4-A-Notfallplan" zusätzliche Verhaltenstipps:

  • Alarmieren – "Stopp", um Hilfe schreien!
  • Ausweichen – Distanz schaffen, bewegen, nicht erstarren
  • Attackieren – wenn nötig, Schwachstellen attackieren
  • Abhauen – flüchten

Die Motivation zum Selbstschutz gehört für Mag. Irmengard Hanzal-Weckauf heute zum guten Ton. "Zu wissen, dass ich mich im Falle des Falles verteidigen kann, selbst wenn ich niemals eine echte Kampfsituation erleben muss, ist die Mühe einfach wert." Im Vordergrund stehe aber immer noch der Gedanke, es erst gar nicht zu einer Eskalation kommen zu lassen.

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*** Buchverlosung: Krav Maga – Einführung, Prinzipien, Techniken ***

Gewinnen Sie ein Exemplar von "Krav Maga – Einführung, Prinzipien und Techniken Teil 1" von Peter Weckauf und Mag. Irmengard Hanzal-Weckauf. Einfach in den Kommentaren unter Angabe der E-Mail-Adresse mitmachen! Teilnahmeschluss ist der 20. April 2018.

  • Gebundene Ausgabe: 252 Seiten
  • Verlag: Hanzal/Weckauf; Auflage: 1 (1. Januar 2010)
  • ISBN-10: 3200019506
  • ISBN-13: 978-3200019508

Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen finden Sie hier.

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