Schlaf

Beeinflusst der Mond unseren Schlaf?

Viele Menschen klagen über Schlafstörungen bei Vollmond, doch ist er wirklich schuld an unserem Schlafmangel?

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Kann der Mond wirklich unseren Schlaf beeinflussen?
Alfons Schüler / Pixabay

Viele Menschen sind überzeugt, bei Vollmond schlecht zu schlafen. Im Volksglauben gibt es unzählige Mythen über den Einfluss des Mondes auf den Menschen. Immerhin hat der Mond sogar Auswirkungen auf die Weltmeere: Ebbe und Flut entstehen durch die Gravitationskräfte des Mondes und der Sonne auf die Erde.

Der Einfluss, den der Mond auf die Gezeiten hat, hängt jedoch nicht mit der Mondphase zusammen, sondern nur mit seiner Distanz zur Erde. Aber hat der Mond auch Einfluss auf uns Menschen und unser Schlafverhalten? Diese Frage stellen sich auf kanadische Wissenschafter, die in einer Studie den Mythos untersuchten.

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Wissenschaftlich nicht bestätigt

Um herauszufinden, ob und wie unser Schlaf vom Mond beeinflusst wird, untersuchten kanadische Forscher 2016 den Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Mondphasen bei 6000 Probanden. Für die Studie wurde das Schlafverhalten von etwa 6000 Kinder untersucht: Denn im Gegensatz zu Erwachsenen, regieren Kinder besonders empfindlich auf Veränderungen und haben einen größeren Schlafbedarf.

Das Ergebnis:

  • Um Vollmond herum schliefen die Kinder im Schnitt nur fünf Minuten weniger als sonst. Das entspricht etwa einem Prozent der gesamten Schlafdauer.
  • Diese minimale Abweichung der Schlafdauer ist mit größter Wahrscheinlichkeit nicht auf den Mond selbst zurückzuführen, sondern auf die Helligkeit in klaren Vollmondnächten.
  • Licht verhindert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und hat damit eine schlafstörende Wirkung.

Eine Studie aus dem Jahr 2014 der niederländischen Universität Nijmwegen untersuchte den Schlafrhythmus von 1000 Probanden über 2000 Nächte lang. Das Ergebnis: Sie entdeckten ebenfalls, dass der Mond keinen direkten Einfluss auf das Schlafverhalten der Probanden hatte.

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Selektive Wahrnehmung

Ein nennenswerter Einfluss der Mondphase auf die Schlafqualität konnte also wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Auch dass in Vollmondnächten mehr Kinder als sonst geboren werden, konnte nicht bestätigt werden. Hier kommt ein uraltes Phänomen zum Tragen: Die "Macht" des Mondes existiert vor allem in unserer Vorstellung.

Autounfälle, Operationen, Geburten, Depressionen, Gewalt oder kriminelle Aktivitäten in Vollmondnächten werden mit dem Mond in Zusammenhang gebracht, obwohl sie nur zufällig zu diesem Zeitpunkt stattfinden. Menschen tendieren jedoch dazu, Informationen und Glaubensgrundsätze nach ihren Erfahrungen und Überzeugungen zu interpretieren. Leider auch, wenn diese objektiv nicht nachweisbar sind.

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