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Interview: "checkit!" weiß, was in illegalen Drogen steckt

Bei checkit! werden kostenlos Drogen auf ihre Inhaltsstoffe geprüft. Karl Schubert-Kociper, Leiter von checkit!, im Interview.

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Drogenberatung Checkit im Interview (serpeblu / iStock)
serpeblu / iStock

Neugierde, nur ein bisschen high sein, einfach mal abschalten oder einen irren Trip erleben die Gründe für Drogenkonsum sind vielfältig. Nach dem Motto "Wenn schon Drogen, dann aber sicher" steht die Drogenberatungsstelle checkit! Konsumenten zur Seite. Mit einem mobilen Labor berät checkit! dort, wo der Konsument sie braucht, direkt in der Partyszene. Der Service kommt an, Studien belegen, dass Konsumenten, die Drugchecking in Anspruch nehmen, informierter und weniger risikobereit sind.

Wir haben den Psychologen und Leiter der Drogenberatung checkit! Mag. Karl Schubert-Kociper zum Gespräch gebeten.

Was ist das Hauptziel von checkit!?

Karl Schubert-Kociper (SK): Es gibt mehrere Ziele, die wir mit unserer Arbeit verfolgen. Ein essenzielles ist die Weitergabe von objektiven Informationen über unterschiedliche psychoaktive Substanzen und zu deren Wirkungen und Risiken. Konsumenten lernen so einen kritischen Umgang mit Substanzen und wissen, wie sie Risiken, die beim Konsum von psychoaktiven Substanzen auftreten können, reduzieren können.

Wir von checkit! belehren und beurteilen Konsumenten nicht, wir arbeiten auf wissenschaftlicher Basis und pflegen einen neutralen Umgang mit dem Thema Drogen. So gibt es bestimmte Wirkungen, die sich der Konsument erwartet oder wünscht, aber auch negative Effekte, Risiken und Langzeitfolgen. Wir beleuchten beide Seiten, kommen mit Menschen ins Gespräch und erfahren so mehr über Konsummuster und Konsummotivation.

Wer ist die Zielgruppe?

SK: Hauptzielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene, die wir mit unseren Angeboten erreichen. Aber wir schließen niemanden aus – egal, wer Unterstützung braucht, er oder sie bekommt sie.

Wovor fürchten sich Konsumenten?

SK: Wer vorhat, eine Substanz zu konsumieren, kann sich nie sicher sein, dass es sich tatsächlich um die Substanz handelt, die man erwartet. Das Problem: Bei illegalen Substanzen gibt es keine Qualitätskontrolle und es können ganz andere Verbindungen enthalten sein, das ist ein zusätzliches Risiko. Die meisten Konsumenten konsumieren hin und wieder im Freizeitsetting und möchten ihre Gesundheit nicht in Gefahr bringen.

Wie sieht die rechtliche Lage aus?

SK: checkit! ist eine wissenschaftliche Kooperation der Suchthilfe Wien GmbH und der Medizinischen Universität Wien und darf als solches mit Proben von illegalen psychoaktiven Substanzen umgehen. So können zum Beispiel Konsummuster und Konsumtrends erforscht und ein Monitoring des Wiener Drogenmarktes durchgeführt werden.

Apropos Trends: Welche Substanzen sind derzeit beliebt?

SK: Richtige Trends bei Freizeitdrogenkonsumenten gibt es so gut wie nie. Es gibt ein paar Substanzen, die seit Jahrzehnten bekannt und verfügbar sind. Das sind die legal erhältlichen Substanzen Alkohol und Nikotin sowie die illegalen Substanzen Cannabis, Ecstasy, Kokain und Amphetamin.

Wie läuft die Beratung konkret ab?

SK:  checkit! will Menschen mit Informationen versorgen, um risikobewusstere Entscheidungen treffen zu können.

Der Konsument kommt zu unserem Stand, gibt eine kleine Probe einer Substanz (ein paar Milligramm) ab und erhält eine Probennummer. Die Analyse dauert etwa 30 Minuten, dann werden die Ergebnisse für jeden Partygast sichtbar auf der Ergebniswand ausgehängt. Es gibt Ergebniskategorien, angelehnt an ein Ampelsystem, allerdings ohne Grün denn das wäre die falsche Symbolik. Stattdessen gibt es Weiß, das bedeutet: Die Probe enthält die erwartete Substanz in einer marktüblichen Dosierung. Das sagt nur aus, dass es das ist, was es sein soll und informiert nicht über das Risiko. Gelb bedeutet, dass neben der erwarteten Substanz noch eine weitere Substanz, zum Beispiel Koffeinpulver, enthalten ist. Rot ist eine Warnung und wird für Substanzgemische aus drei oder mehr unterschiedlichen psychoaktiven Verbindungen sowie für gesundheitlich besonders bedenkliche Substanzen verwendet.

An der Ergebniswand stehen ständig checkit!-Mitarbeiter, Sozialarbeiter oder Psychologen, bereit, um Analyseergebnisse zu besprechen und mit Konsumenten in ein Reflexionsgespräch einzusteigen.

Lassen die Konsumenten bei Gelb oder Rot die Finger davon?

SK: Ja, der Großteil der Konsumenten möchte keine übermäßigen Risiken eingehen.

Wie schätzen Sie den Markt ein? Sind Österreichs Drogen rein?

SK: Das lässt sich immer nur für den aktuellen Zeitpunkt und nicht für alle Substanzen gleich beurteilen, da sich der Drogenmarkt verändert. Zum Beispiel waren Ecstasy-Pillen vor ein paar Jahren nahezu immer gestreckt, aktuell ist es so, dass in einem hohen Prozentsatz der Pillen MDMA, der zu erwartende Wirkstoff, ohne Strecksubstanzen enthalten ist. Allerdings finden wir den Wirkstoff MDMA in sehr hohen Dosierungen, wodurch ein neues Konsumrisiko entsteht. Bei anderen Substanzen kann die Situation ganz anders sein. Zum Beispiel kommt Amphetamin traditionell nahezu immer gestreckt mit anderen Substanzen vor. Aber wie gesagt, die Zusammensetzungen können sich sehr rasch verändern. Ohne eine Probe zu analysieren, kann man also nie auf deren Inhalt schließen.

Wie kommt der Service bei den Konsumenten an?

SK: Unsere unaufgeregte, nicht moralisierende Art mit dem Thema Drogen umzugehen und der Verzicht auf den erhobenen Zeigefinger kommen bei unserer Zielgruppe sehr gut an. Die objektive Information, die wir weitergeben, wird sehr geschätzt und unterstützt Konsumenten bei einem risikobewussten Umgang mit psychoaktiven Substanzen. Somit trägt unsere Arbeit zur Vermeidung von gesundheitlichen Schäden sowie zur Vermeidung von Abhängigkeitsentwicklung bei.

Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch!

checkit! bietet neben der Beratung vor Ort auch persönliche, telefonische oder Online-Beratung an; auch Rechtsberatungen sind möglich.

checkit! – Kompetenzzentrum für Freizeitdrogen

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